Energie Ostfriesland blickt ganz genau auf LNG
Der Ausbau der LNG-Infrastruktur in der Region geht schnell voran. Auch in der Schifffahrt ist man an dem Thema interessiert.
Ostfriesland - Das Thema LNG wird gerade stark diskutiert. Die Abkürzung steht für „liquefied natural gas“ oder auch Flüssigerdgas. Im Februar beschloss die Bundesregierung, eigene LNG-Terminals an der Küste zu etablieren. Im Mai begannen am Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven die ersten Rammarbeiten, um dies zu ermöglichen. In dieser Woche legte das erste LNG-Terminal an: das Schiff „Hoegh Esperanza“.
Die 294 Meter lange „Hoegh Esperanza“ soll für die kommenden zehn Jahre in Wilhelmshaven als schwimmender Tank und Regasifizierungs-Einheit (Floating Storage & Regasification Unit/FSRU) dienen. Doch auch an Bord eines anderen Schiffes ging es Ende November um das Flüssigerdgas.
LNG für die Schifffahrt „alternativlos“
„Der Einsatz von LNG für die Energieversorgung in Deutschland, aber auch als Treibstoff für die Schifffahrt ist kurz- bis mittelfristig alternativlos“, heißt es in einer Mitteilung des Maritimen Kompetenzzentrums Leer (Mariko). Darüber habe zumindest Einigkeit bei den Referenten der Veranstaltung „LNG im Rück- und Ausblick“ der LNG.Agentur Niedersachsen geherrscht. Die Veranstaltung fand auf einer mehrstündigen Fahrt der MS „Ostfriesland“ der Emder Reederei AG Ems statt.
„LNG bietet Zugang zum dringend notwendigen Gasmarkt und reduziert damit die Abhängigkeiten maßgeblich“, wird Dr. Christoph Merkel von Merkel Energie zitiert. Er berichtet, dass LNG.Agentur Niedersachsen der Bundesregierung bereits 2017 ein Positionspapier vorgelegte habe, in dem der Aufbau von LNG Import Struktur gefordert wurde. „Im Wirtschaftsministerium wurde uns signalisiert, Gazprom habe ein Preissetzungsmacht. Dies wurde leider nur mit Richtung nach unten und nicht nach oben gedacht, wie wir bereits 2021 vor dem Krieg in der Ukraine schmerzhaft erfahren mussten.“
Die neue „Deutschlandgeschwindigkeit“
Angesichts der Geschwindigkeit, wie sie in Wilhelmshaven an den Tag gelegt wurde, habe John Niemann, Präsident des Wilhelmshaven e.V., dazu aufgerufen, die neue „Deutschlandgeschwindigkeit“ auch für künftige Infrastrukturprojekte aufrecht zu erhalten. Den begriff nutzte jüngst auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) in Etzel bei Friedeburg. Die sogenannte Wilhelmshavener Anbindungsleitung (WAL) verbindet den LNG-Anleger vor Wilhelmshaven mit dem Ferngasnetz: Die beiden Leitungen treffen in der Nähe von Etzel aufeinander. Jetzt wurden die letzten Schweißarbeiten an dieser Rohrleitung vorgenommen, die „Goldene Naht“, wie der Leitungsbetreiber Open Grid Europe (OGE) es nennt.
Der Ausbau von LNG-Terminals in den Küstenregionen solle vorangehen, wurde an Bord der MS „Ostfriesland“ ebenfalls deutlich. Stade sei hier bereits mit im Blick: „Wir schaffen in Stade eine zukunftsflexible Infrastruktur. Konkret heißt das ein CO2-neutrales Terminal für den Import von verflüssigten Gasen“, kündigte demnach Manfred Schubert von der Hanseatic Energy Hub GmbH an. Aber nicht nur in Stade soll bis Ende 2023 zunächst eine schwimmende Plattform und später ein fester Umschlagsplatz entstehen. Minister Lies kündigte ebenfalls für Ende 2023 eine schwimmende Plattform für Wilhelmshaven an: „Wilhelmshaven II“ .
Noch Probleme bei der Umsetzung
Das neue LNG-Terminal in Wilhelmshaven und die WAL-Fertigstellung hat konkrete Folgen für Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger. Allein über Wilhelmshaven sollen künftig 50 Terawattstunden Gas über das erste schwimmende Terminal und nochmal 50 über das zweite ins Erdgasnetz eingespeist werden. 100 Terawattstunden Gas, das entspreche laut Aussagen bei der WAL-Fertigstellung rund 20 Prozent dessen, was Deutschland früher jährlich aus Russland bezogen habe. Oder anders ausgedrückt: Diese Menge könne fünf Millionen Haushalte im Jahr mit Gas versorgen. Ein wichtiger Schritt zur Unabhängigkeit von Russland und zu mehr Versorgungssicherheit.
Aber auch für die Schifffahrt bleibt LNG ein zentrales Thema, so das Mariko. Für einen großen Teil der Schifffahrt sind alternative (fossil-freie) Kraftstoffe derzeit schlicht nicht einsetz-, verfüg- und finanzierbar, resümierten die Vertreter aus der Schifffahrt auf der MS „Ostfriesland.
AG Ems hat zwei LNG-Fähren im Einsatz
Dennoch gibt es erste Versuche, zumindest im etwas kleineren Rahmen: Aus technologischer Sicht sei Claus Hirsch (AG Ems) mit den beiden LNG-Fähren der AG EMS „vollumfänglich zufrieden“. 2015 wurde die MS „Ostfriesland“ zur ersten deutschen LNG-Fähre umgebaut, wieder in Dienst genommen und mit dem ersten deutschen LNG-Neubau MS „Helgoland“ begab sich die AG Ems vollends auf diesen Weg.
Die derzeitigen LNG-Preise stellten jedoch eine immense Herausforderung dar. Hirsch spricht sich dafür aus, Pionieren (sogenannten „First Movern“, „sich zuerst Bewegenden“) bei der Einführung neuer Technologien mehr Planungssicherheit zu geben. Diesen Wunsch tätigte auch Leo van der Burg vom Arbeitgeberverband FME aus den Niederlanden, der sich für ein sicheres Innovationsklima aussprach, in dem weniger Last auf dem Rücken der Reedereien liegt.
Technologische Optimierbarkeit sieht Wolfgang Franzelius von HB Hunte Engineering GmbH insbesondere im Hinblick auf das Thema Co2. Hier gibt es bereits verschiedene interessante Ansätze im Kontext „Carbon Capture and Storage“. Diese und weitere Innovationsthemen möchte die LNG.Agentur auch in Zukunft aufgreifen. „Die Förderung der Agentur seitens des Landes Niedersachsen läuft Ende des Jahres aus“, berichtet Katja Baumann, Geschäftsführerin der Mariko GmbH, „aber wir haben ein starkes Netzwerk entlang der LNG-Wertschöpfungskette aufgebaut, mit dem wir weiterarbeiten und auch zukünftig als Informations- und Innovationsplattform aktiv sein möchten.