Spieletipps Mal was anderes als nur Monopoly und Co.
Mal wieder Lust auf ein neues Brett- oder Kartenspiel? Zwei Expertinnen aus Aurich und Leer geben Tipps für Paare, Familien und ältere Spieler.
Ostfriesland - Die Würfel sind gefallen. Die Trümpfe ausgespielt. Der Sieger jubiliert, der Verlierer ist in Sack und Asche. Na, freuen Sie sich auch auf den Spieleabend während der Feiertage und zwischen den Jahren?
Brettspiele wie Monopoly, Mensch ärgere Dich nicht und andere Spieleklassiker bis heute beliebt sind – allein von Mensch ärgere dich nicht werden angeblich weiterhin jährlich um die 100.000 Exemplare verkauft – so sehr hat sich in gleichem Maße der Spielemarkt in den vergangenen Jahren entwickelt.
Die Tipps der Expertinnen
Doch den Überblick zu behalten, ist schwierig. Diese Zeitung hat deswegen Experten nach besonderen Tipps für Paare, Familien und ältere Generationen befragt: Hermerding aus Aurich und der „Buchladen in der Altstadt“ in Leer. Beide haben eine große Auswahl an Spielen. Zudem hat ein spielbegeisterter Kollege dieser Zeitung auch selbst im Spieleschrank nach besonderen Tipps gesucht.
Die Empfehlungen für Paare
Spieleabende mit der Familie oder Freunden sind ja die eine Sache, aber wie sieht es aus, wenn man nur zu zweit spielen will?
Das empfiehlt Hermerding aus Aurich: „Die Exit-Spiele sind bei Paaren sehr beliebt“, sagt Birgit Trost. Dabei handelt es sich um Spiele, bei denen man zusammen beispielsweise Kriminalfälle lösen. Die Spiele gibt es in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen und mit verschiedenen Themen. „Qwixx kann ich auch sehr empfehlen“, so Trost weiter. Gewürfelt wird in Qwixx mit vier farbigen und zwei weißen Würfeln. Nach jedem Wurf müssen die Spieler versuchen, fehlende Farb- und Ziffernfolgen auf einem Block auszustreichen und so über mehrere Spielrunden hinweg möglichst viele Punkte zu sammeln. Im Gegensatz zu vielen anderen Würfelspielen, gelten bei Qwixx mitunter aber nicht nur die eigenen Würfel, sondern auch die der Mitspieler. Mittlerweile gibt es auch verschiedene Qwixx-Varianten auf dem Markt.
Beide Spiele lassen sich auch mit mehr als zwei Personen spielen.
Das empfiehlt der Buchladen in der Altstadt in Leer: „Schon älter, aber wirklich toll ist Lost Cities“, sagt Yvonne Bergmann, Inhaberin der Buchhandlung – und selbst großer Spiele-Fan. Aus der Beschreibung des Spiels heißt es: „Die Expedition kann starten. Fünf untergegangene Städte gilt es zu entdecken: die Lost Cities. Die Spieler schicken ihre Abenteurer auf unterschiedlichen Pfaden los. Wer wird wohl am Ende der Erfolgreichste sein und den größten Ruhm erlangen?“ Mittlerweile gibt es Lost Cities sowohl als reine Zweispieler-Variante als auch für bis zu vier Spieler. Sogar allein oder mit bis zu vier Spielern kann man „Dungeons, Dice & Danger“ spielen. „Das Spiel hat mich wirklich umgehauen“, sagt Bergmann. In diesem Spiel bahnen sich die Spieler den Weg durch ein Verlies, verjage Monster und sammeln Schätze. Wer am Ende den größten Reichtum angesammelt hat, gewinnt.
Die Empfehlungen für Familien
Das empfiehlt Hermerding aus Aurich: Trost empfiehlt hier zunächst „Veflixxt“ (doppelte X in Spielenamen scheinen beliebt zu sein). Bei dem Spiel geht es darum, „die eigenen Figuren gekonnt so über den Parcours zu bewegen, dass man selbst Plustafeln einsammelt, während die „verflixxten“ Minustafeln an den Mitspielern hängenbleiben“, heißt es in der Spielbeschreibung.
„Auch sehr zu empfehlen ist Cascadia“, sagt Trost. In dem Spiel des Jahres 2022 geht es darum, durch geschicktes Legen von Plättchen Biotope zu erschaffen. Diese müssen aber so gestaltet sein, dass sich auch die Tiere darin wohlfühlen. Verflixxt wird ab acht Jahren empfohlen, Cascadia ab zehn Jahren.
Das empfiehlt der Buchladen in der Altstadt in Leer: Ein Spiel, welches eher für ältere Kinder geeignet ist, schlägt Bergmann vor: Everdell. „Es ist anspruchsvoll und man braucht ein paar Runden, bevor man es gut verstanden hat“, sagt Bergmann. „Aber dann macht es wirklich, wirklich Spaß.“ Aus der Beschreibung heißt es: „Es gilt Gebäude zu bauen, lebhafte Charaktere zu treffen, Events zu veranstalten – als Anführer*innen der Waldbewohnenden haben die Spielenden in diesem wunderschönen Kennerspiel ein arbeitsreiches Jahr vor sich. In wessen Stadt wird die Sonne am hellsten scheinen, bevor der Wintermond aufgeht?“
Für kleinere Kinder ab fünf Jahren empfiehlt die spielbegeisterte Buchhändlerin „Mia London“. Die Beschreibung liest sich so: „Trug der Unhold nun ein Monokel oder eine Brille mit runden Gläsern? War seine Fliege längs- oder quergestreift? Endlich einmal Detektiv spielen; das fordert die Kinder – und Erwachsene ebenso.“ Das Spiel erinnert etwas an eine Mischung aus Memory und „Wer ist es?“
Die Empfehlungen für ältere Spieler
Speziell für etwas ältere Spielrunden, die eher aus Freunden bestehen, gibt es auch genügend Angebote. Auch Seniorinnen und Senioren können hier auf viele Spiele zurückgreifen. „Klassiker wie Kniffel oder Mensch ärgere Dich nicht werden weiter stark nachgefragt“, sagt Trost von Hermerding aus Aurich. Aber es gibt auch noch weitere Empfehlungen.
Das empfiehlt Hermerding aus Aurich: „Rummikub ist sehr beliebt“, sagt Trost. Dabei handelt es sich um eine Art Räuber-Rommé, das allerdings mit Zahlenplättchen statt mit Karten gespielt wird. Das Spiel ist ein Klassiker, es gibt es seit 1980 in Deutschland.
Etwas jünger ist hingegen Skyjo. Bei dem Kartenspiel aus dem Jahr 2015 geht es um Folgendes: „Bei Skyjo versuchen die Spielenden, eine möglichst niedrige Kartenauslage aus zwölf Karten zu bilden, die anfangs verdeckt vor ihnen auf dem Tisch liegen. Dabei versuchen sie, Karten mit hohen Werten loszuwerden und nach und nach durch niedrigere Karten zu ersetzen.“
Das empfiehlt der Buchladen in der Altstadt in Leer: Auch Bergmann weiß um die Begeisterung für Skyjo und empfiehlt das Spiel ebenfalls. Aber auch „Flügelschlag“ steht bei ihr für ältere Spielerinnen und Spieler hoch auf der Liste. „Ihr seid Vogelliebhaber - Forscher, Vogelbeobachter und Ornithologen - und versucht eine Vielzahl an unterschiedlichen Arten anzulocken“, so die Spielebeschreibung. Das Spiel wurde 2019 als Kennerspiel des Jahres ausgezeichnet.
Zudem empfiehlt Bergmann die beiden Spiele „Azul“ und Carcassonne, die man bereits als Klassiker bezeichnen kann. Aber sie hat auch noch ein Spiel aus ostfriesischer Feder: Sagani. Dabei handelt es sich um ein Plättchen-Legespiel, bei dem die Spieler versuchen, Naturgeister aus ihren Gefäßen hervorzulocken. Ausgedacht hat sich das Spiel der gebürtige Auricher Uwe Rosenberg.
Die Empfehlung der Redaktion
Der Autor dieser Zeilen ist selbst begeisterter Brett- und Kartenspieler. Losgelöst von den oberen Kategorien noch folgende Empfehlungen:
Kluster: Schönes Spiel für zwischendurch, bei dem man Magneten so in einen festgelegten Bereich legen muss, dass sie sie nicht anziehen. Klingt einfach, aber die Magneten haben es in sich.
Hero Quest: In den späten 1980ern erschien bei MB-Spiele (Milton Bradley) das Brettspiel „Hero Quest“. Seit 1993 wurde das Spiel nicht mehr hergestellt und mancher, so wie ich, ärgert sich über sein jüngeres Selbst, weil das das Spiel irgendwann verkauft hat. Mit allen Erweiterungen. Zum Glück gibt es „Hero Quest“ seit Ende 2021 wieder in einer Neuauflage. Es ist eigentlich das Originalspiel, auch wenn man jetzt ohne „Spielleiter“ spielen kann. Das Spiel ist unglaublich simpel gestrickt, man schickt seine Helden in verschiedene unterirdische Gebilde und verhaut Monster. Aber es weckt Kindheitserinnerungen, auch wenn die Grundbox mit mehr als 100 Euro ziemlich teuer ist.
Nyctophobia: Das ist ein sehr nischiges Spiel, welches bei den Regeln ein paar Schwächen hat, die man aber durch Hausregeln oder Improvisation beheben kann. Besonders wird Nyctophobia, was übersetzt „Angst vor der Dunkelheit“ bedeutet, durch die Spielmechanik. Zwei bis vier „Gejagte“ treten gegen einen Jäger an und versuchen, im finsteren Wald ihr Auto zu finden und zu fliehen. Das Problem dabei: Die Spieler der Gejagten tragen jeweils eine Dunkelbrille und können somit das Spielfeld nicht sehen. Der Jäger sieht hingegen alles und darf die Gejagten auch mal verhöhnen, während die nur über Tastsinn versuchen, das Spiel zu meistern.