Blitzer  Mit mehr als 100 km/h von „Engelke“ erwischt

Mona Hanssen Claus Hock
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Von Mona Hanssen und Claus Hock
| 16.12.2022 16:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der halb-stationäre Blitzer steht vor allem vor Schulen und Kitas und wurde von Grundschülern auf den Namen „Engelke“ getauft. Seit Anfang September ist er im Einsatz – und hat schon so manchen Raser geblitzt. Foto: Hanssen/Archiv
Der halb-stationäre Blitzer steht vor allem vor Schulen und Kitas und wurde von Grundschülern auf den Namen „Engelke“ getauft. Seit Anfang September ist er im Einsatz – und hat schon so manchen Raser geblitzt. Foto: Hanssen/Archiv
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Seit Anfang September gibt es den halb-stationären Blitzer „Engelke“ in Emden. Er wird vor allem vor Schulen eingesetzt – und hat schon Autos mit Autobahngeschwindigkeit geblitzt.

Emden - Mal „ein bisschen zu schnell“ fahren, gilt in Deutschland, zumindest gefühlt, als völlige Normalität. Oft auch in dem vollen Bewusstsein darüber, wie schnell man noch fahren „darf“, ohne dass einen ein Blitzer erwischt.

Was und warum

Darum geht es: In 14 Einsätzen an verschiedenen Standorten wurden durch den Blitzer „Engelke“ schon 2.518 Verstöße seit Anfang September im Bild festgehalten.

Vor allem interessant für: Autofahrer, Anwohner an vielbefahrenen Straßen, Eltern.

Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, ob sich die Anschaffung von Engelke bislang gelohnt hat.

Die Autorin erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Während schon „ein paar km/h“ zu viel bei Bremsmanövern über Unfall oder „nochmal gut gegangen“ entscheiden können, sind manche Menschen noch viel schneller unterwegs. In Emden wurde innerhalb der vergangenen Monate sogar mindestens ein Autofahrer (oder eine Autofahrerin) mit Autobahngeschwindigkeit erwischt.

Mit 122 km/h über die Auricher Straße

Der Blitzer, der diesen Verkehrsteilnehmer mit 122 km/h auf der Auricher Straße erwischte, wurde „Engelke“ getauft. Seit Anfang September ist dieser halb-stationäre Blitzer im Einsatz. Seinen Namen bekam der Blitzer von Schülern der Grundschule Wolthusen. „Engelke“ ist überall im Stadtgebiet im Einsatz, aber auch bewusst vor oder in der Nähe von Schulen.

Der halb-stationäre Blitzer funktioniert 14 Tage autark, muss also in der Zeit nicht an eine Stromquelle angeschlossen werden. Allerdings: Je häufiger der Blitzer ausgelöst wird und je mehr Fotos gespeichert werden müssen, desto kürzer ist die Standzeit. Er blitzt in beide Fahrtrichtungen und auf der Breite von bis zu zwei Fahrspuren.

2518 Verstöße seit Anfang September

Insgesamt hat die Anlage laut Stadt Emden „in 14 Einsätzen an verschiedenen Standorten 2.518 Verstöße festgestellt“. Entsprechende Bußgeldverfahren wurden eingeleitet. Eine vorwerfbare Geschwindigkeitsübertretung um 10 km/h kostet laut aktuellem Bußgeldkatalog 48,50 Euro. 122 km/h auf der Auricher Straße würde demnach in die Kategorie „mehr als 70 km/h“ zu schnell fallen: drei Monate Fahrverbot und 738,50 Euro Bußgeld, dazu noch zwei Punkte. Wenn die bisher festgestellten Verstöße alle im 10 km/h-Bereich liegen würden, wären das rechnerisch schon 122.123 Euro. In der Anschaffung hat „Engelke“ rund 260.000 Euro gekostet.

Auf dem Sozialen Netzwerk Facebook hat „Engelke“ mittlerweile schon eine „Fangemeinde“: In einer eigenen Gruppe werden die Standorte des Blitzers mitgeteilt. 644 Menschen informieren sich hier regelmäßig. Doch wie geht die Stadt bei der Positionierung eigentlich vor?

Viele Anregungen aus der Bevölkerung

„Die Standorte wechseln bedarfsgerecht und orientieren sich auch an den örtlichen Gegebenheiten“, heißt es seitens der Verwaltung. So mache, wird als Beispiel genannt, eine Überwachung an einer Grundschule in den Ferien weniger Sinn als an einer Kita, die auch in den Ferien geöffnet hat.

Daher stehe „Engelke“ beispielsweise in den Ferienzeiten auch öfters an Orten „mit einer bekannten hohen Verstoßdichte und entsprechendem Überwachungsbedarf oder Unfallhäufungsstellen“. Allerdings wechselt „Engelke“ nicht mehrfach am Tag den Standort, dafür sei der Blitzer nicht gedacht. „Für derartige Einsatzweisen befindet sich eine mobile Anlage zur Zeit in der Beschaffung“, so die Stadt Emden.

Die Rückmeldungen auf den Blitzer in Richtung Stadt seien auch durchaus positiv. „Bislang gab es ausschließlich positive Resonanzen aus der Bevölkerung, insbesondere von den ‚geschützten Einrichtungen‘“, heißt es. Es habe aber auch schon Anwohner gegeben, „die sogar anboten, dass „Engelke“ für die Messung auf deren Grundstück stehen darf“. Entsprechende „Anregungen aus der Bevölkerung“ würden durchaus „ernst genommen und intern beurteilt“. Allerdings sei nicht jeder Ort geeignet, selbst wenn dort ansonsten eine hohe Verstoßdichte vorliegen könnte. „Es ist jedoch nicht so, dass die Anlage ‚vor die Haustür bestellt werden kann‘, zumal es auch physikalisch-technische Anforderungen an Messorte gibt, die von Laien nicht beurteilt werden können.“

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