Nach dem Monatsgewinn  Lotteriefieber in Wiesmoor ist noch gestiegen

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 15.12.2022 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vor der Blumenhalle in Wiesmoor wurden vergangenes Wochenende Gewinnerschecks im Gesamtwert von 1,4 Millionen Euro verteilt. Foto: Postcode-Lotterie/Wolfgang Wedel
Vor der Blumenhalle in Wiesmoor wurden vergangenes Wochenende Gewinnerschecks im Gesamtwert von 1,4 Millionen Euro verteilt. Foto: Postcode-Lotterie/Wolfgang Wedel
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1,4 Millionen Euro haben 316 Wiesmoorer bei der Postcode-Lotterie gewonnen. Das hat den Losverkauf angekurbelt. In der Tat steigen nun die Gewinnchancen. Was sagen Suchtberater dazu?

Wiesmoor - Nach der Lotterie-Party am vergangenen Wochenende in Wiesmoor ist dort das Lotteriefieber noch gestiegen. Der Losverkauf in der Stadt und in der Region habe deutlich angezogen, sagt Nicolas Berthold, Pressesprecher der in Düsseldorf ansässigen Postcode-Lotterie. Der Dezember-Monatsgewinn war nach Wiesmoor gegangen. Vor der Blumenhalle wurden am Sonnabend Schecks im Gesamtwert von 1,4 Millionen Euro verteilt. Das Gewinnertreffen habe viel Aufmerksamkeit erregt und den Losverkauf angekurbelt, sagt Berthold. „Das ist ein Effekt, der in der Regel in kleinen Städten oder in ländlich geprägten Regionen zu beobachten ist.“ Daher sei er nicht überrascht.

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316 Wiesmoorer haben gewonnen, weil bei der Monatsziehung die Postleitzahl der Blumenstadt (26639) ausgelost wurde. Wie üblich ging die Hälfte der Gesamtsumme, 700.000 Euro, ausschließlich an Teilnehmer aus einer bestimmten Straße, die zusätzlich ausgelost worden war – in diesem Fall an fünf Personen. Die andere Hälfte müssen sich die anderen 311 Gewinner teilen. Ein Ehepaar hatte mit vier Losen 350.000 Euro gewonnen, also ein Viertel der Gesamtsumme.

30 Prozent für soziale Zwecke

Die Wahrscheinlichkeit, dass erneut ein Monatsgewinn nach Wiesmoor geht, steigt mit der Zahl der dort verkauften Lose, wie Pressesprecher Berthold erläutert. Denn die Postleitzahl wird nicht einfach von einem Zufallsgenerator als fünfstellige Ziffernfolge festgelegt. Alle verkauften Lose kommen samt zugehöriger Postleitzahl in einen virtuellen Lostopf. Je mehr Teilnehmer aus einer Stadt mitmachen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Stadt gewinnt. Oder, wie Berthold es ausdrückt, „dass sich das Losglück für diese Stadt entscheidet“.

Esther Janßen von Heart of Mercy erhielt auf der Gewinnerparty in Wiesmoor von Moderator Felix Uhlig einen Scheck über 25.000 Euro. Foto: Postcode-Lotterie/Wolfgang Wedel
Esther Janßen von Heart of Mercy erhielt auf der Gewinnerparty in Wiesmoor von Moderator Felix Uhlig einen Scheck über 25.000 Euro. Foto: Postcode-Lotterie/Wolfgang Wedel

Die Deutsche Postcode-Lotterie ist eine Soziallotterie. Mindestens 30 Prozent des Erlöses aus dem Losverkauf müssen für soziale Zwecke ausgeschüttet werden. Am Wochenende bekam die Hilfsorganisation Heart of Mercy aus Großefehn 25.000 Euro. Das und die Tatsache, dass kein Jackpot gebildet wird, unterscheidet die Postcode-Lotterie vom klassischen Lotto 6 aus 49. Zudem ist die Zahl der Lose auf monatlich drei pro Person begrenzt. Von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder wird sie als Lotterie mit geringem Gefährdungspotenzial eingestuft. Dennoch muss auch die Postcode-Lotterie darauf hinweisen, dass Glücksspiel süchtig machen kann. Wie hoch genau die Gewinnwahrscheinlichkeit ist, kann Berthold nicht sagen. Das hänge auch von der Teilnehmerzahl ab.

„Beim Lotto setzt der Verstand aus“

Beim klassischen Lotto beziffern die Veranstalter pflichtgemäß in jedem Werbespot und auf ihrer Homepage die extrem geringe Gewinnchance: Die Wahrscheinlichkeit auf sechs Richtige plus Superzahl beträgt 1 zu 140 Millionen. Anders ausgedrückt: Wenn man die Namen sämtlicher Einwohner Deutschlands, der Niederlande, Belgiens, Österreichs, der Schweiz und Dänemarks in einen gigantischen Lostopf wirft und einen Namen zieht, dann hat diese eine Person gewonnen.

Zweimal pro Woche werden die Lottozahlen gezogen. Foto: von Erichsen/dpa
Zweimal pro Woche werden die Lottozahlen gezogen. Foto: von Erichsen/dpa

Dennoch versuchen Woche für Woche Millionen Menschen beim Lotto ihr Glück. „Beim Lotto setzt der Verstand der Deutschen aus“, meint Andreas Koch, Psychologe bei der Caritas-Beratungsstelle für Spielsüchtige in Berlin. Das komme durch die Faszination der hohen Gewinne, sagt Kathrin Vorjans. Sie ist Suchtberaterin bei der Fachambulanz für Suchtprävention und Rehabilitation im Emsland und befasst sich mit dem Thema Glücksspielsucht. Die hohen Gewinnsummen im Lotto suggerierten, „dass man eine Menge erreichen kann“.

Glücksspiele wie andere auch

Zweifellos habe Lotto ein gewisses Abhängigkeitspotenzial, sagt Vorjans. Dennoch sei es nicht vergleichbar mit Geldspielautomaten oder Online-Glücksspielen. Dazu sei die Ereignisfrequenz beim Lotto (Ziehungen zweimal pro Woche) zu gering. Zudem hätten die Spieler dort nicht die Illusion, sie könnten Einfluss auf den Verlauf des Spiels nehmen. Problematisch seien hingegen Sportwetten. Viele glaubten, sie hätten Ahnung von der Materie und könnten etwas riskieren. Dabei hänge auch im Sport vieles vom Zufall ab, wie die Fußball-Weltmeisterschaft gerade wieder zeige.

Die hohen Gewinnsummen im Lotto ziehen viele Menschen in ihren Bann. Foto: Vennenbernd/dpa
Die hohen Gewinnsummen im Lotto ziehen viele Menschen in ihren Bann. Foto: Vennenbernd/dpa

Sind Soziallotterien wie die Postcode-Lotterie und die Aktion Mensch oder die Umweltlotterie Bingo weniger bedenklich als das klassische Lotto? „Das muss jeder selber entscheiden“, meint Vorjans. Diese Lotterien seien genauso Glücksspiele wie andere auch. Genauso könne man argumentieren, dass Lotteriebetreiber und Glücksspielanbieter ja Steuern zahlen und damit zum Allgemeinwohl beitragen. Sie selbst spiele kein Lotto, sagt die Sozialarbeiterin. Ihr einziges Glücksspiel sei ein Adventskalender der örtlichen Kirchengemeinde.