Perspektive Innenstadt  Aus für Projekt Ledastraße in Leer – Uplengen und Bunde versuchen es weiter

Michael Kierstein und Katja Mielcarek
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Von Michael Kierstein und Katja Mielcarek
| 15.12.2022 14:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Ledastraße sollte umgestaltet werden. Daraus wird nun nichts mehr. Foto: Kierstein/Archiv
Die Ledastraße sollte umgestaltet werden. Daraus wird nun nichts mehr. Foto: Kierstein/Archiv
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Die Stadt wird die Fördergelder für die Umgestaltung der Ledastraße wohl zurückgeben. Auch andere Gemeinden im Kreis ächzen unter den Hürden.

Leer / Uplengen / Bunde - „Es geht darum, die Innenstadt attraktiver zu machen“, sagte Bürgermeister Claus-Peter Horst bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr. Man habe in der Stadt schon viel erreicht. „Vergessen haben wir bisher aber die Ledastraße“, so das Verwaltungsoberhaupt.

Was und warum

Darum geht es: Nun ist klar: Die Umgestaltung der Ledastraße soll nicht vorgenommen werden. Die Kosten sind zu hoch. Andere Gemeinden im Kreis sind weiter bemüht.

Vor allem interessant für: Leeraner und alle, die sich für die Entwicklung im Kreis Leer interessieren

Deshalb berichten wir: Die Leeraner Politik hat über die Realisierung des Projekts beraten.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Die Umgestaltung sollte durch Mittel von „Perspektive Innenstadt“ geschehen. Aus der bisher weitgehend schmucklosen Durchgangsstraße sollte bis zu den Sommerferien eine Multifunktionsfläche werden, auf der sich auch Fußgänger gerne aufhalten, bei der die Nähe zum Hafen zur Geltung kommt und auf der auch mal Veranstaltungen stattfinden können.

Hohe Kosten für die Stadt

So war jedenfalls bisher die Situation. Die Anwohner waren angehört worden, ihre Anregungen in die Pläne einbezogen worden. Dann verdichteten sich die Anzeichen, dass das Projekt wieder gekippt und die Fördergelder zurückgegeben werden – auch, weil sich die zu erwartenden Kosten zwischenzeitlich deutlich erhöht haben. Aus dem Eigenanteil der Stadt von knapp 100.000 Euro sind rund 800.000 Euro geworden. Deshalb gab die Politik der Verwaltung die Aufgabe, die Kosten für das Projekt erneut durchzurechnen und zu reduzieren.

Nun stellte die Verwaltung den Plan vor. Die Stadt hat folgende Positionen zur Reduzierung der Baukosten gestrichen: Durchfahrtssperre Ledastraße (187.500 Euro netto), Überdachung Fahrradabstellanlage (16.000 Euro netto), Bühnenanlage (13.500 Euro netto) und Bodenleuchten sowie Beleuchtungselement Sitz- und Wasserauslass (12.750 Euro). Auch sollte die Zahl der Bänke von 20 auf sieben reduziert und ein kostengünstigeres Pflaster gewählt werden. So hätten noch einmal etwas mehr als 100.000 Euro gespart werden können. „Wir können das nicht weiter reduzieren“, so Horst, der Angst habe, dass bei einer zu großen Kostenreduktion auch die Attraktivität zu sehr geschmälert werden würde. Deshalb sagte er den Ausschussmitgliedern: „Entweder das oder wir sollten das beenden.“

Reduktion reicht nicht

Nach diesen Reduzierungen würden die Baukosten bei rund 1,1 Millionen Euro liegen. Hinzukommen die Planungskosten in Höhe von etwa 230.000 Euro, so dass die Gesamtkosten bei rund 1,35 Millionen Euro liegen. Die darauf entfallende Fördersumme beträgt 744.900 Euro, so dass der Eigenanteil bei 605.100 Euro liegt. Für die Politik deutlich zu viel.

Heinz Dieter Schmidt (SPD): „Wir werden Dinge streichen müssen und die Priorität der Ledastraße ist nicht so hoch wie bei anderen Projekten. Wir haben Plätze, die man für die Pläne nutzen kann.“ Man könne der Verwaltung keine Vorwürfe machen, denn sie habe versucht, was geht. Allein: Es reicht nicht. „Wir werden das so nicht fassen. Aber schmeißen sie die Pläne nicht weg. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“

Keine Hoffnung auf Förderung

Dirk Beening (CDU) bedauerte das Aus für das Prestigeprojekt: „Ich glaube nicht, dass wir auf absehbare Zeit noch einmal Fördergelder bekommen.“ Gudrun Bonow (Grüne) bezeichnete die Entscheidung als „schwierig“, war dann aber deutlich: „Wir sollten die Reißleine ziehen. Es ist viel Geld.“ Und so kam es auch.

Auch andere Gemeinden im Kreis versuchen über das Programm „Perspektive Innenstadt“ Projekte zu realisieren. Eine davon ist Uplengen. „Wir sind im Grunde auf einem guten Weg. Aber es ist sportlich“, umreißt Torsten Stephan vom Fachbereich Bauen und Umwelt die Herausforderung. „Wir haben über ein Jahr gebraucht, um die bürokratischen Hürden zu nehmen. Es ist eine große Herausforderung, aber wir sind relativ optimistisch“, sagt er.

Pläne werden konkreter

In Uplengen gibt es zwei Projekte, die realisiert werden sollen. Auf der einen Seite wird – grob gesagt – die Beleuchtung erneuert. Dabei werden im Alten Postweg und der Kirchstraße die Leuchten gegen LED ausgetauscht. Das wird kombiniert mit farbigen Dioden, die auf besondere Punkte hinweisen sollen. Hinzu wird die Beleuchtung an Sehenswürdigkeiten modernisiert. „Die Idee ist, dass das Licht so intelligent ist, dass es heller wird, wenn jemand darunter entlang geht“, sagt Stephan. Man könnte dies dann aus dem Rathaus steuern. Zudem wird Energie gespart. „Die Beleuchtung für die Straßen und die touristischen Perlen wird insgesamt etwa so viel Energie verbrauchen, wie jetzt allein durch die Beleuchtung am Ostertor verbraucht wird“, sagt er. Diese Pläne seien schon sehr konkret und würden durch ein ortsansässiges Unternehmen realisiert.

Noch nicht ganz so weit ist man bei der Ortsmitte. Hier wurden in Bürgerdialogen Ideen gesammelt. „Dabei hat sich einiges herauskristallisiert. Das wird jetzt finalisiert“, sagt er. Man wisse noch nicht ganz genau, was geschieht. „Es bleibt sportlich“, sagt Stephan. Auch in Bunde wird Geld aus dem Programm verwendet.

In Bunde soll aus dem Programmgeld ein Bahnsteig realisiert werden. Foto: Gettkowski /Archiv
In Bunde soll aus dem Programmgeld ein Bahnsteig realisiert werden. Foto: Gettkowski /Archiv

Hier soll ein Bahnhaltepunkt reaktiviert werden. Gebaut werden soll der Bahnsteig in Höhe des Combi-Marktes an der Neuschanzer Straße. Im kommenden Jahr soll mit den ersten Vorbereitungen begonnen werden. Gebaut werden davon unter anderem ein überdachter Fahrradstand und zwölf Bike-and-Ride-Boxen für Fahrräder. Die Gemeinde verspricht sich von der Reaktivierung des Haltepunkts neue Perspektiven für den öffentlichen Personennahverkehr. Davon könnten nicht nur Urlauber, sondern auch Einheimische und die niederländischen Nachbarn profitieren.

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