Fertig in Rekordzeit  LNG-Leitung wird an Gasnetz angeschlossen

Imke Oltmanns
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Von Imke Oltmanns
| 14.12.2022 15:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die letzten Arbeiten an der Wilhelmshavener Anbindungsleitung, die in dieser Baugrube bei Etzel an das Gasfernleitungsnetz angeschlossen wird. Foto: Ortgies
Die letzten Arbeiten an der Wilhelmshavener Anbindungsleitung, die in dieser Baugrube bei Etzel an das Gasfernleitungsnetz angeschlossen wird. Foto: Ortgies
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Die neue LNG-Leitung vom Wilhelmshavener Anleger an das Gasfernleitungsnetz ist fertig. Sie soll noch diese Woche in Betrieb gehen. Das Schiff mit dem ersten LNG an Bord ist schon unterwegs.

Horsten - Es ist sonnig und sehr kalt an diesem Montagnachmittag auf der Baustelle in der Nähe von Etzel. Die letzten Arbeiten an der neuen Gasleitung, die in den vergangenen Monaten zwischen dem LNG-Anleger vor Wilhelmshaven und dieser Baugrube bei Etzel verlegt wurde, laufen bei knackigen Minustemperaturen. An einem Tag wie diesem, sagt denn auch der eigens angereiste niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) vor den frierenden Journalisten, werde die Bedeutung dieser Leitung erst richtig deutlich: „Es ist kalt, die Leute fangen an zu heizen – obwohl wir nur begrenzte Mengen Gas haben.“ Die neue Leitung soll sicherstellen, dass Deutschland auch weiterhin mit Gas versorgt werden kann.

Was und warum

Darum geht es: Die neue Leitung vom LNG-Schiff zum Gasnetz ist fertig. Vor allem interessant für: Gaskunden, Unternehmen

Deshalb berichten wir: Der Leitungsbauer hat zu einem Termin eingeladen.

Die Autorin erreichen Sie unter: i.oltmanns@zgo.de

Die sogenannte Wilhelmshavener Anbindungsleitung (WAL) verbindet den LNG-Anleger vor Wilhelmshaven mit dem Ferngasnetz; die beiden Leitungen treffen in der Nähe von Etzel aufeinander. Am Montag wurden die letzten Schweißarbeiten an dieser Rohrleitung vorgenommen, die „Goldene Naht“, wie der Leitungsbetreiber Open Grid Europe (OGE) es nennt.

Die Gasleitung

Die WAL wird von Politik und Wirtschaft stets als Beispiel für eine „neue Deutschlandgeschwindigkeit“ genannt. Sie wurde überhaupt erst nötig, nachdem Russland den Krieg gegen die Ukraine begann und Deutschland sich in der Folge vornahm, unabhängig zu werden von russischen Gaslieferungen. Diese Unabhängigkeit basiert erstmal auf dem eigenen Import von LNG, also verflüssigtem Erdgas aus anderen Ländern. Da Deutschland bisher keine eigenen LNG-Importterminals besitzt, wurden schnell fünf schwimmenden LNG-Terminals gechartert. Über sie soll in den kommenden zehn bis 15 Jahren an der Nord- und Ostseeküste LNG ins Land geholt werden können. Zwei dieser Spezialschiffe werden vor Wilhelmshaven liegen, eins ist schon auf dem Weg hierher. Da auch eine verbindende Gasleitung von Wilhelmshaven zum Fernleitungsnetz fehlte, musste die in Rekordzeit geplant, genehmigt und gebaut werden.

Im Hintergrund ist zu sehen, wie die neue Wilhelmshavener Anbindungsleitung (WAL) auf die Norddeutsche Erdgastransversale (NETRA) trifft, die Gasfernleitung. Foto: Oltmanns
Im Hintergrund ist zu sehen, wie die neue Wilhelmshavener Anbindungsleitung (WAL) auf die Norddeutsche Erdgastransversale (NETRA) trifft, die Gasfernleitung. Foto: Oltmanns

Die Planungen für die WAL begannen im März, der Bau im August. Das erste LNG soll nun noch vor Weihnachten über die neue Leitung ins Gasnetz fließen. „Wir waren hier zehnmal so schnell wie sonst“, sagt der technische Geschäftsführer der OGE, Thomas Hüwener, der am Montag auch mit an der Baugrube steht. Die Leitung ist seinen Angaben zufolge 26 Kilometer lang und hat einen Durchmesser von einem Meter. 1500 Rohre wurden demnach verlegt. Hüwener rechnet auch vor, was sie künftig ins Land holen wird: 50 Terawattstunden Gas über das erste schwimmende Terminal vor Wilhelmshaven, und nochmal 50 über das zweite, das dorthin kommen soll. 100 Terawattstunden Gas, das entspreche 20 Prozent dessen, was Deutschland früher jährlich aus Russland bezogen habe. Oder anders ausgedrückt: Diese Menge könne fünf Millionen Haushalte im Jahr mit Gas versorgen.

Das schwimmende Terminal, das die neue Leitung an das Gasnetz anbinden soll, ist noch auf dem Weg nach Wilhelmshaven. Das Spezialschiff „Hoegh Esperanza“ soll dort an diesem Sonnabend offiziell empfangen werden, unter anderem von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne)

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