Osnabrück  Mehr Steuern auf Veggie-Produkte als auf Fleisch: Was soll das?

Alexander Kruggel
|
Von Alexander Kruggel
| 14.12.2022 14:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Vegane oder vegetarische Alternativen sind häufig ziemlich teuer. Mit verantwortlich ist dafür auch der Staat. Foto: Ole Spata/dpa
Vegane oder vegetarische Alternativen sind häufig ziemlich teuer. Mit verantwortlich ist dafür auch der Staat. Foto: Ole Spata/dpa
Artikel teilen:

Weil ohne Essen niemand leben kann, sind viele Lebensmittel steuerlich begünstigt. Klingt erstmal gut, bis man herausfindet, dass viele Produkte für Vegetarier und Veganer davon ausgenommen sind. Wieso wird es uns so verdammt schwer gemacht, das Richtige zu tun?

In diesem Artikel erfährst Du:

Ich bin Vegetarier. Macht mich das zu einem besseren Menschen? Nö. Aber zu einem schlechteren auch nicht. Und genau deshalb bringt mich so gut wie jeder Gang in den Supermarkt zur Weißglut. Wenn ich Bock auf ein Soja-Schnitzel habe, bin ich für eine Mini-Packung direkt über 3 Euro los.

Und keinen Meter weiter lagert das Schweinehackfleisch in 500 Gramm-Packungen, das umgerechnet nicht mal die Hälfte kostet. Klar, der Preisunterschied hat sicher auch was mit Marketing zu tun und dass Fleischersatz halt im Trend liegt, aber das ist nicht ganze Wahrheit.

Denn Fakt ist: Der Staat stellt Veggie-Produkte steuerlich erheblich schlechter und ist damit auch für einen guten Anteil der hohen Preise verantwortlich. Und weil ohne Nahrung nun mal niemand leben kann und es jedem Menschen freisteht, wie er sich ernähren will, finde ich das nicht nur ziemlich ungerecht – das ist regelrecht Abzocke am Frischeregal.

Der Knackpunkt liegt bei der Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer. Die beträgt regulär 19 Prozent und fällt auf so gut wie alle Waren und Dienstleistungen an. Für einige Dinge des täglichen Bedarfs jedoch, gilt ein vergünstigter Steuersatz von 7 Prozent. Darunter fallen die meisten Grundnahrungsmittel wie Mehl, Zucker, Milch, Kartoffeln und eben auch Fleisch. Auf Veggie-Produkte wie das erwähnte Soja-Schnitzel, aber auch auf Hafermilch und sogar auf Süßkartoffeln, werden die vollen 19 Prozent fällig. Wie kann das sein?

Beim Soja-Schnitzel und der Hafermilch ist die Begründung, dass es sich nicht um Grundnahrungsmittel, sondern um verarbeitete Produkte handelt. Das wäre insofern fair, wenn es nicht eine lange Liste an verarbeiteten Produkten gäbe, die aus der Fleischindustrie stammen und die ebenfalls unter den günstigen Steuersatz fallen. Bestes Beispiel: Gelatine. Also ausgekochtes Bindegewebe aus der Haut und den Knochen von Schweinen und Rindern und der Motor der Gummibärchen-Industrie – offenbar kein verarbeitetes Produkt, denn es steht auf dieser Liste.

Die Süßkartoffel (kostet etwa so 2 Euro das Kilo) hingegen wird voll besteuert, weil sie ein Luxusgut ist und kein Grundnahrungsmittel. Doch die Weihnachtsgans (kostet so etwa 20 Euro das Kilo) liegt weiter bei 7 Prozent MwSt. Wer bitte will bei Essen darüber entscheiden, was Luxus ist und was nicht? Auch der Bundesrechnungshof kam kürzlich offenbar wieder zu dem Schluss, dass es viele Ungereimtheiten bei der Frage gibt, was steuerlich begünstigt werden sollte und was nicht.

Und der Rechnungshof ist nicht die einzige Bundesbehörde, die das Problem erkannt hat, auch das Umweltbundesamt wagte in diesem Jahr einen Vorstoß. Konkret schlug die Behörde vor, pflanzliche Grundnahrungsmittel komplett von der Mehrwertsteuer zu befreien. Die Begründung: Pflanzliche Nahrungsmittel seien besser für Umwelt und Klima und „was umweltfreundlich ist, sollte günstiger werden.“

Zugegeben: Das Soja-Schnitzel und die Hafermilch sind darin nicht inbegriffen, aber es wäre immerhin ein Anfang. Und im Grunde wären 0 Prozent Mehrwertsteuer auf Veggie-Produkte auch wieder ungerecht. 7 Prozent würden ja schon reichen, damit es bei der Wahl zwischen Rindergulasch und Tofu-Wurst, zwischen H-Milch und Reisdrink, zwischen veganem Käse und Emmentaler etwas gerechter zugeht.

Ähnliche Artikel