Nach Auricher Vorbild  Grünen-Politiker fordert Gratis-Tampons in Großefehn

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 13.12.2022 16:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Frau nimmt am Waschbecken einer Toilette kostenlose Tampons und Binden aus einer Holzkiste. Ein solches Angebot soll es künftig auch in öffentlichen Gebäuden in Großefehn geben. Foto: Anspach/dpa
Eine Frau nimmt am Waschbecken einer Toilette kostenlose Tampons und Binden aus einer Holzkiste. Ein solches Angebot soll es künftig auch in öffentlichen Gebäuden in Großefehn geben. Foto: Anspach/dpa
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In Großefehn soll es in öffentlichen Gebäuden kostenlos Tampons und Binden geben. Der Vorschlag kommt von einem Mann.

Großefehn/Aurich - Wenn plötzlich die Monatsblutung einsetzt, bekommen Mädchen und Frauen in Großefehn künftig womöglich schnell Hilfe: Die Gemeinde soll in Schulen und öffentlichen Verwaltungsgebäuden wie dem Rathaus kostenlos Binden und Tampons bereitstellen. Einen entsprechenden Antrag hat die Gruppe Grüne/Linke für die Ratssitzung am 21. Dezember gestellt (Beginn um 18 Uhr in der Mensa der KGS).

Die Gruppe besteht aus drei Männern. Einer von ihnen ist Kay Bents. Er sitzt auch im Kreistag und hat über diese Schiene von einem Vorstoß seiner Parteifreundin Viola Czerwonka in Aurich erfahren, den er für Großefehn übernehmen will. Auf Antrag der Auricher Grünen hat der Sozialausschuss des Rates kürzlich beschlossen, dass die städtischen Schulen, das Jugendzentrum und das Familienzentrum Tampon- und Bindenspender auf den Damentoiletten aufstellen dürfen.

„Wir unterhalten uns ja auch nicht über Klopapier“

Bents findet die kostenlose Bereitstellung von Binden und Tampons überfällig. „Wir unterhalten uns ja auch nicht darüber, ob wir Klopapier auf die Toiletten hängen oder Pissoirs auf die Herrentoiletten“, sagt der 40-Jährige im Gespräch mit der Redaktion. Er sei zuversichtlich, dass der Antrag seiner Gruppe im Rat eine Mehrheit finden werde, obwohl das Gremium aus „vielen älteren Herren“ bestehe. Auch bei denen sei das Thema mittlerweile angekommen, sagt Bents. „Ich habe nur positive Rückmeldungen bekommen.“

Die Gemeinde Großefehn hat vier Grundschulen und eine Gesamtschule. Vor allem für Letztere dürfte das Thema relevant sein. Die Stadt Aurich hatte auch die Grundschulen gefragt und war dort weitgehend auf Verwunderung gestoßen. Wenn Schülerinnen Binden oder Tampons bräuchten, werde ihnen von Lehrerinnen geholfen, hieß es. Die Grünen-Politikerin Viola Czerwonka hatte darauf hingewiesen, dass heutzutage bei manchen Mädchen schon im neunten Lebensjahr die Menstruation einsetze. „Das verschiebt sich immer mehr.“

„Ja, ja, immer die Ostfriesen“

In Großefehn regt die Gruppe Grüne/Linke an, die kostenlose Bereitstellung von Menstruationsprodukten in einer ausgesuchten Einrichtung zu erproben. Finanziert werden könne das zunächst aus den Betriebskosten der Einrichtung. Nach Recherchen der Auricher Stadtverwaltung kostet ein Binden- und Tamponspender 130 bis 180 Euro. Hinzu kommen Kosten für die Montage und den Inhalt der Spender.

Das Ganze solle von einer Informationskampagne begleitet werden, schlägt die Gruppe Grüne/Linke vor, denn eine Enttabuisierung des Themas Menstruation gehöre zu den Zielen der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene. Menstruations- und Hygieneprodukte dürften kein Luxusgut sein. Ähnlich hatten die Auricher Grünen argumentiert.

In Aurich war das Thema auf überregionales Medieninteresse gestoßen. Auch im Netz hatte die Tampon-Debatte Wellen geschlagen. Als diese Zeitung im Oktober über den Grünen-Vorschlag berichtete, wurde der Beitrag auf Facebook fast 150 Mal kommentiert und kontrovers diskutiert. Es gab viel Lob („Daran sollten sich andere Bundesländer ein Beispiel nehmen“), aber auch Häme („Ja, ja, immer die Ostfriesen“).

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