Wieder Unfall in Hatzum  Noch ein Auto prallt gegen Hauswand – was kann man tun?

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 13.12.2022 08:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
2020 verletzte sich ein Mann bei der Kollision seines Autos mit einer Hauswand lebensgefährlich. An diesem Wochenende kam es wieder zu einem solchen Unfall, bei dem glücklicherweise niemand schwer verletzt worden ist. Foto: Wolters/Archiv
2020 verletzte sich ein Mann bei der Kollision seines Autos mit einer Hauswand lebensgefährlich. An diesem Wochenende kam es wieder zu einem solchen Unfall, bei dem glücklicherweise niemand schwer verletzt worden ist. Foto: Wolters/Archiv
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Nicht zum ersten Mal hat es in Hatzum geknallt: Ein Auto prallte in eine Hauswand. Schon oft wurde über ein Tempolimit diskutiert. Wie verhindert man die Crashs?

Hatzum - Das Auto wurde aus der Kurve getragen und prallte gegen eine Hauswand. Am Sonnabend berichtete die Polizei von einem Verkehrsunfall in Hatzum. Der 21-jährige Fahrer, der aus Richtung Ditzum kam, kam vermutlich wegen unangepasster Geschwindigkeit oder aus Unaufmerksamkeit in einer scharfen Kurve von der Straße ab. Sowohl das Auto als auch das Haus sind schwer beschädigt worden. Der Leeraner wurde nach Angaben der Polizei nicht verletzt. Die 23-jährige Beifahrerin leicht. Einen gehörigen Schrecken bekam eine Hausbewohnerin. Zum Zeitpunkt des Unfalls habe sie auf einem Sofa an der Wand gesessen, in die das Auto gekracht war. Ihr seien die Scherben eines Fensters um die Ohren geflogen. Verletzt wurde sie aber nicht.

Was und warum

Darum geht es: Die Kurve nicht bekommen und gegen die Hauswand geprallt. Schon lange diskutiert man ein Tempolimit.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für Sicherheit interessieren

Deshalb berichten wir: Nach dem Unfall am Wochenende wollten wir wissen, ob vielleicht eine Leitplanke oder Ähnliches helfen könnte.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Auto gegen eine Hauswand prallt: Im September 2020 hatte sich ein Autofahrer bei einem ähnlichen Unfall in Hatzum lebensgefährlich verletzt, am 15. September dieses Jahres war ein Autofahrer in einer scharfen Linkskurve ebenfalls von der L15 abgekommen. Dann kam er in einer Hecke beziehungsweise einem Zaun zum Stehen. Immer wieder wurde der Wunsch nach ein Tempo-30-Limit für die Ortsdurchfahrt laut. Verkehrsexperten waren sich allerdings einig: Die Strecke ist ihrer Auffassung nach kein Unfallschwerpunkt.

Am Wochenende prallte wieder ein Auto in eine Hauswand. Foto: Wolters/Archiv
Am Wochenende prallte wieder ein Auto in eine Hauswand. Foto: Wolters/Archiv

Grund für die Unfälle sind wichtig

Ändert sich das nach dem Unfall? „So kurz danach sicherlich nicht“, sagt Polizeisprecherin Svenia Temmen. Ein Blick in die Statistik zeigt: „An der Landesstraße 15, die durch Hatzum führt, gab es 2019 bis heute vier Unfälle“, das habe eine kurze Recherche ergeben. „Die Entscheidung fällt natürlich nicht die Polizei.“ Eine Unfallhäufungsstelle sei die Ortsdurchfahrt nicht. „Es wird hinterlegt, welche Gründe es für die Unfälle gibt. Und das wird auch ausgewertet. Einmal gab es zum Beispiel einen Platzregen und die Geschwindigkeit wurde nicht angepasst“, erklärt Temmen. Ein anderes Mal sei zum Beispiel ein Streufahrzeug mit einem geparkten Auto zusammengestoßen.

Zum Aufstellen der Schilder wäre der sogenannte Baulastträger – bei der L 15 die Auricher Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr – zuständig. Anordnen müsste es aber der Kreis Leer als zuständige Verkehrsbehörde. „Zu dem Unfall vom Wochenende liegen mir noch keine weiteren Erkenntnisse vor. Jeder einzelne Unfall ist tragisch und auch einer zu viel. Allerdings müssen auch immer die konkreten Umstände bei der Bewertung eines Unfalls berücksichtigt werden“, unterstreicht Frank Buchholz von der Auricher Behörde. Man lasse den Unfall und das Thema Hatzum sicherlich nicht unter den Tisch fallen: „In regelmäßigen Runden trifft sich die Verkehrskommission und auch die Unfallkommission, die unter anderem aus Verkehrsbehörde, Polizei und dem Baulastträger bestehen. Hier werden immer konkrete Punkte aus dem Verkehrsbereich angesprochen und gemeinsam überlegt, ob beziehungsweise welcher konkrete Handlungsbedarf besteht. Hatzum wird dort bestimmt wieder Thema werden.“

Kinder werden zur Haltestelle gebracht

„Nach diesem Unfall am Wochenende hat mich bis jetzt niemand angesprochen, aber das Thema kommt immer wieder auf“, sagt Ortsvorsteher Ailt Hensmann. Er wohnt selbst dort. „Ich verstehe die Sorgen der Hatzumer. Wir bringen unsere Kinder zur Bushaltestelle, weil sie in einer Kurve liegt und es fahren manche einfach zu schnell“, sagt er. Gleichzeitig sei es normal, dass an einer Landesstraße viel Verkehr sei. Dadurch, dass auf der Straße geparkt würde, beschleunigten manche, um noch schnell daran vorbeiziehen zu können. „ Aber man muss auch die verstehen, die an der Straße parken, weil sie keine Auffahrt haben“, sagt er. Es gebe immer mehrere Seiten zu beachten.

Parkende Autos am Fahrbahnrand in Hatzum müssen überholt werden. Bei Gegenverkehr führt das auf der Dorfstraße mitunter zu gefährlichen Situationen. Foto: Gettkowski/Archiv
Parkende Autos am Fahrbahnrand in Hatzum müssen überholt werden. Bei Gegenverkehr führt das auf der Dorfstraße mitunter zu gefährlichen Situationen. Foto: Gettkowski/Archiv

Gebe es ein Tempo-Limit, erreiche man damit nur die, die sich auch an Schilder hielten. „So mancher Unfall kam zustande, weil die Personen sich nicht an die Regeln halten“, sagt er. Die langen geraden Strecken aus Richtung Leer und aus Richtung Ditzum nach Hatzum verführten so manchen, zu schnell zu fahren. „Gerade wenn man von außerhalb kommt und sich hier nicht auskennt, sind die Kurven gefährlich.“ Man mache sich viele Gedanken, auch der Jemgumer Rat habe das Thema auf dem Schirm. „Eine Geschwindigkeitstafel wurde aufgestellt, es wurde auch mal geblitzt. Ich bin als Ortsvorsteher hingefahren. Es wurden nicht viele Verstöße aufgenommen.“

Schutzplanke, Schwellen oder Blitzer

Um die Leute dazu zu kriegen, den Fuß vom Gas zu nehmen, seien Geschwindigkeitstafeln, die anzeigen, ob man richtig unterwegs ist, ein kleiner Schritt, erklärt Siegfried Brockmann, Leiter Unfallforschung der Versicherer. „Wir bewegen uns bei den Dialogdisplays um die 1,8 bis sechs Stundenkilometer Geschwindigkeitsreduktion im Durchschnitt“, so Brockmann. Effektiver seien dagegen Blitzer – und zwar die stationären. „Schritt eins ist, festzustellen, ob es wirklich viele Geschwindigkeitsüberschreitungen gibt. Wenn das so ist, helfen die Anlagen. Die, die sich auskennen, reißen sich zusammen“, sagt er. So verdiene eine Kommune nicht viel mit den Geräten. „Aber das strebt man ja auch an. Studien ergeben, dass mobile Blitzer ihren Effekt genau so lange haben, wie sie am Ort stehen.“

Durchgehende Leitplanken zum Schutz der Häuser hält Brockmann für wenig sinnvoll. „Wenn noch jemand über die Straße will, wird das schwierig“, sagt er. Auch bei der Landesbehörde sieht man das so: Schutzplanken könnten zwar grundsätzlich Unfallfolgen verringern, allerdings brauche man Platz zum Aufbau und auch für den sogenannten „Einwirkbereich“, so Buchholz. Das ist der Bereich, in den sich die Schutzplanke „ausbeult“, wenn sie angefahren wird. „Innerorts ist dieser Platz meist nicht vorhanden. Im Übrigen müssen die Zufahrten berücksichtigt werden. Schwellen zum ‚Drüberfahren‘ finden auf Landesstraßen keine Anwendung.“

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