Stille Nacht an Ostfrieslands Küste Tourismus ist noch nicht in Festtagsstimmung
Zwei Wochen vor den Feiertagen sind noch einige Quartiere frei in Ostfriesland. Vermieter hoffen auf weitere Buchungen. Viele sind verunsichert.
Ostfriesland - Die stille Nacht könnte in diesem Winter eine besonders stille an Ostfrieslands Küsten werden: Es sind noch Quartiere frei. Das hat eine stichprobenartige Abfrage der Redaktion für die kommenden Weihnachtsferien ergeben. In einigen Ferienorten bleibt die Anzahl der Buchungen derzeit merklich hinter denen der Vorjahre zurück. „Es gibt ein geteiltes Bild“, sagt Wiebke Leverenz, Ansprechpartnerin für Presseanfragen bei der Ostfriesland Tourismus GmbH (OTG), über die aktuelle Stimmung in den Beherbergungsbetrieben und der Gastronomie. Während viele touristische Leistungsträger kaum Veränderung spürten, vermeldeten andere einen Negativtrend bei Buchungszahlen.
In zwei Wochen kann noch viel passieren: „Der Trend geht zur Kurzfristigkeit“, erläutert Leverenz. Viele Gäste buchten immer kurzfristiger, die Aufenthalte würden kürzer. Aber es werde auch überall gespart: Die steigenden Preise für beispielsweise Lebensmittel und Energie könnten dazu führen, dass potenzielle Küstenbesucher ganz zuhause blieben – oder anreisen und beispielsweise Abstriche bei Restaurantbesuchen machten.
Manche Wohnungen bleiben leer
„Gerade die Advents- und Silvesterzeit ist für viele der Zweit- oder Dritturlaub“, erläutert Marcus Harazim, Marketingleiter im Nordseeheilbad Carolinensiel-Harlesiel. Unterm Strich dürfte es in Carolinensiel geringere Übernachtungszahlen über die Feiertage geben als in den zurückliegenden Jahren. Die Anzahl der buchbaren Herbergen nämlich geht zurück: In dem Sielort gibt es eine große Anzahl von Vermietern im Nebenerwerb. Einige hätten die Mindestdauer für einen Aufenthalt hochgesetzt. Andere aber bieten ihre Unterkünfte gar nicht erst an. „Bei 99 Prozent der Wohnungen ist die Energie inklusive“, führt Harazim aus. „Winterpreise sind normalerweise die günstigsten Preise für den Gast.“ Der Vermieter aber habe die höchsten Kosten. Die aber wollen natürlich nicht draufzahlen und die Energiekosten seien für viele kaum kalkulierbar. „Die Branche ist verunsichert“, bringt es Leverenz auf den Punkt.
Auch in der Krummhörn beobachte er diese Verunsicherung, sagt Wolfgang Lübben auf Nachfrage. Aus Sicht des Leiters Marketing & Vertrieb bei der Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel ist eine Nicht-Vermietung jedoch keine Lösung. Auch leere Ferienwohnungen müssten schließlich beheizt werden, gibt er zu bedenken. Vielmehr sollten Vermieter ihre Preiskalkulation überprüfen, energetisch sanieren und das Gespräch mit den Gästen suchen, wenn sie an der Preisschraube drehen müssen, um wirtschaftlich arbeiten zu können.
Inseln sind gut gebucht
Laut Mario Schiefelbein, Geschäftsführer der frisch gegründeten Tourismus Agentur Nordsee GmbH (Tano), ist die Zeit zwischen den Jahren eine der auslastungsstärksten des Jahres an der niedersächsischen Nordseeküste. Trotz teils sehr guter Buchungslage hat auch er wahrgenommen: „Der sehr hohe Nachfragedruck, wie es ihn vor der Corona-Pandemie alljährlich gegeben hat, hat etwas nachgelassen.“ Er sieht es positiv: Kurzentschlossene hätten so noch die Möglichkeiten, eine Unterkunft für den Jahreswechsel zu bekommen.
Auf sämtlichen Ostfriesischen Inseln von Borkum bis Wangerooge allerdings sei die Chance dafür eher gering, unterstreicht Göran Sell. Dem Geschäftsführer der Ostfriesische Inseln GmbH zufolge braucht es dafür meist eine vorangegangene Stornierung eines anderen Gastes. „Der Jahreswechsel auf der Insel ist etwas Besonderes.“ Vor allem Stammgäste mit einem Faible für Ruhe und lange Strandspaziergänge reisen zum Jahresende an, und die würden meist lange im Voraus buchen.
Lebhafter geht es da in Norddeich zu: Wer jetzt noch eine Unterkunft für Ende Dezember sucht, sollte nicht mehr allzu lange warten, erzählt Inga Graber vom Marketing im Tourismus-Service Norden-Norddeich. Der Grund dafür könnte ein besonderes Angebot sein, dass auch in Norddeich viele immer wieder zum Jahreswechsel anreisen lässt: die Silvesterparty – umsonst und draußen. Nach zwei Jahren Pause feiern erstmals wieder Tausende zusammen am Strand ins neue Jahr. „Das ist sicherlich ein Publikumsmagnet.“