Mit Schwung in den Tag Der tägliche Kampf gegen die Müdigkeit am Morgen
Am Morgen geht es bei Vielen eher langsam zu. Die Müdigkeit quält einen gefühlt in den Wintermonaten noch mehr als sonst. Doch nicht jeder Tag muss so starten. Manche Lösungen sind ganz einfach.
Ostfriesland - Der Wecker klingelt. Mit Schlaf in den Augen quält man sich aus dem Bett. Ein Blick aus dem Fenster lässt einen gerade jetzt morgens noch in die Dunkelheit schauen. Es ist Winter und das Tageslicht knapper. Das macht nicht gerade wacher. Wenn man den Frühstückskaffee in der Eile nicht mehr schafft, schleift man sich dann zur Arbeit in Gedanken an den ersten Koffeinschub des Tages. Die Morgenroutine muss aber nicht immer so „dunkel“ beginnen. Was macht einen in der Früh wach? Wir haben mit Experten gesprochen und gefragt, was gegen die Müdigkeit hilft.
Darum geht es: Winter- und Morgenmüdigkeit
Vor allem interessant für: Leute die, die vor allem in dieser Jahreszeit nur schwer in die Gänge kommen
Deshalb berichten wir: Die Wochen um die Wintersonnenwende sind die dunkelsten des Jahres. Den Autor erreichen Sie unter: l.loeschen@zgo.deWas und warum
Johann Stromann war langjähriger Leistungssportler und arbeitet heute als Personaltrainer und Fitnesscoach. Seiner Ansicht nach sind die Gründe für Müdigkeit am Morgen und generelle Schlappheit am Tag „fehlende beziehungsweise falsche Bewegung“, eine unausgewogene Ernährung und eine schlechte mentale Verfassung. „Der erste Schritt beginnt im Kopf“, so der gebürtige Emder. Wenn man mit Müdigkeit zu kämpfen habe, sollte man wissen, warum es wichtig ist, dagegen etwas zu tun. Schließlich kann Müdigkeit eine Art „Warnsignal“ des Körpers sein vor eventuell schlimmeren Erkrankungen. „Zucker macht müde“, sagt der Sportler. Und wer zu viel Zucker zu sich nimmt, kann Diabetes oder einen Schlaganfall riskieren. Genügend Bewegung und eine gute Ernährung dient der körperlichen Gesundheit. Denn: Je gesünder, desto wacher, meint Stromann. Und das müsse auch in den Köpfen der Leute ankommen.
Das System in Schwung bringen
Die Morgenmüdigkeit betrifft viele Menschen. Laut dem Personaltrainer sei es wichtig, morgens das Herz-Kreislauf-System in Gang zu bringen. Das erreiche man zum Beispiel über den Kaffee. „Er regt das System an, aber das hält meistens nicht lange vor“, sagt er. Danach sollte man den Körper in Bewegung bringen. Fünf Liter Blut wird pro Minute mindestens durch den menschlichen Körper gepumpt – auch im Schlaf, erklärt er. Steht man auf und geht, verdopple sich die Menge. Langsames Joggen sorgt bereits für 15 bis 20 Liter. Wer noch einen Gang drauflegt, durch den strömen dann schon mal bis zu 35 Liter Blut. Je mehr Blut durch den Körper zirkuliert, desto mehr kommt auch im Gehirn an. Das macht einen wacher. „Am besten kann man sich draußen bewegen, da hier die Sauerstoffzufuhr größer ist.“ Von mehr Sauerstoff profitiert das Hirn ebenfalls.
Kann ich auch morgens einfach Gewichte stemmen, um in Schwung zu kommen? Laut Johann Stromann sind es vor allem die „Ausdauer verlangenden Sportarten“, welche am besten funktionieren. Also eben Joggen, Radfahren oder Schwimmen.
Der Kaffee am Morgen, vertreibt doch nicht alle Sorgen
Am besten macht man jeden Tag ein kleines Ausdauertraining oder zumindest so oft wie möglich. Bevor jetzt aber die Laufschuhe geholt werden, ist es gut zu wissen, dass man sich in kleineren Etappen vorarbeiten sollte. So baue man sich langsam etwas auf und kann sich Schritt für Schritt steigern. Dann verfliegt auch die Müdigkeit am Tag und besonders morgens. Dennoch könne nicht jeder Mensch direkt voll durchstarten. Unterschiedliche körperliche Voraussetzungen und Vorerkrankungen machen jeden zum Individuum. „Die Menschen wollen alles – vor allem schnell – erreichen“, so Stromann. Wenn man nach ein paar Einheiten nicht das gewünschte Ergebnis erzielt, ließen die meisten aber ab. Dabei müssten sie am Ball bleiben. Deswegen: Jeder muss erstmal wissen, „wo er oder sie steht“. Von da aus geht es in Etappen voran.
Für die Ernährung ist entscheidend, was man isst und trinkt. Der Kaffee oder der Tee am Morgen sollte am besten ohne Zucker getrunken werden. Genauso müde wie der Zucker machen übrigens auch der Schinken oder die Leberwurst auf dem Frühstücksbrot. Der ehemalige Leistungssportler rät zu leicht verdaulichen Lebensmittel am Morgen. Zudem sollen Elektrolyte auch in ausreichender Menge eingenommen werden, das geht zum Beispiel über das Mineralwasser.
Das sagt ein Mediziner
Auf der Seite der Apothekenumschau kann man fünf Tipps gegen Müdigkeit finden. Neben Bewegen und Kaffee trinken empfiehlt sie eine kalte Dusche. Auch ein kalter Spritzer ins Gesicht fordere das Hirn und wecke es auf, erklärt Neurologe und Schlafmediziner Dr. Peter Geisler im Artikel.
Frische Luft ist nicht nur beim Joggen wichtig, sondern auch am Arbeitsplatz und zu Hause. Stoßlüften lässt kühlere Luft herein und vertreibt die warme, die einen schläfrig macht.
Habe ich einen Winterblues?
Gerät man gerade jetzt zur kalten Jahreszeit in ein Stimmungstief, dann könnte es sich um einen Winterblues handeln. Man verkriecht sich, hat keinen Hunger und ist vielleicht auch müde. Die Symptome haben aber einen „Winterbezug“: Das wenige Tageslicht und schlechteres Wetter sind hier eventuell dann die Ursachen. Die Psychotherapeutin Martina Remmers-Schoolmann sagt: „Bei einem Winterblues können Symptome einer Depression auftreten.“ Diese seien aber nicht so stark ausgeprägt und könnten bei jedem vorkommen. Die wenigen Sonnenstrahlen im Winter führen zu weniger Vitamin D im Körper und das könne dann eine Ursache für die „depressive Episode“ sein.
Wenn man über den Winterblues spricht, dann verfliegt das Tief meist wieder im Frühjahr. Derweilen könnte folgendes dagegen helfen, meint die 32-Jährige: „Man sollte Aktivitäten fördern, Freunde treffen und viel raus gehen, auch wenn das Wetter schlecht ist.“ Das sorge für einen positiven Antrieb. Tageslichtlampen regen den Körper an, selbst Vitamin D zu produzieren.