Leseinsel Oldersum  Wo die Finger lesen lernen

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 08.12.2022 14:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Sie zeigen das Wort „verstehen“ mit den Fingern: (von links) Hanna, Finn, Aarween, Pia, Nick, Lukas, Massa und Irmtraud Weiß. Foto: Lüppen
Sie zeigen das Wort „verstehen“ mit den Fingern: (von links) Hanna, Finn, Aarween, Pia, Nick, Lukas, Massa und Irmtraud Weiß. Foto: Lüppen
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Nicht alle Kinder können auf Anhieb gut lesen. Denen, die dabei Schwierigkeiten haben, wird in der Leseinsel in Moormerland mit einer besonderen Methode geholfen.

Oldersum - Finn stellt sich gerade hin, der Junge wirkt sehr konzentriert. Dann beginnt er, einen kurzen Text vorzulesen. Für jeden Buchstaben formt er mit der rechten Hand ein Zeichen oder eine Geste. Zum Beispiel für das L muss er mit der Hand ausholen – damit stellt er dar, wie sich die Zunge beim Sprechen des Buchstabens nach oben rollt.

Was und warum

Darum geht es: An den Grundschulen in Moormerland gibt es eine besondere Form der Leseförderung. Dabei wird für jeden Buchstaben ein Zeichen eingeübt.

Vor allem interessant für: Eltern und Grundschüler

Deshalb berichten wir: Wir haben in der Leseinsel Oldersum den Kindern beim Üben zugeschaut.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de

In der Leseinsel in der Grundschule Oldersum wird Kindern, bei denen ein entsprechender Förderbedarf festgestellt wurde, das Lesen mit dieser Methode beigebracht. Irmtraud Weiß, Präventionskraft der Gemeinde Moormerland, leitet sie dabei an. „Wenn man es auf diese Weise lernt, kann man beim Lesen später nichts mehr falsch machen“, sagt sie.

Alte Methode neu entdeckt

Die Methode wurde von dem Pädagogen Franz Josef Koch (1875 bis 1947) entwickelt. Sie wurde vor einiger Zeit neu entdeckt. Schüler, die im Unterricht an der Grundschule mit dem Lesen Schwierigkeiten haben, können es dank der Leseinsel auf eine andere Weise lernen. Jedem Buchstaben ist ein Fingerzeichen zugeordnet, das den jeweiligen Laut darstellt oder nachbildet. Beim Lesen wird jeder Buchstabe oder Laut (zum Beispiel st oder sch) vor dem Gesicht gebildet.

Das fördert gleichzeitig die Konzentration. Auf diese legt Irmtraud Weiß in der Leseinsel großen Wert. „Hast du das wirklich dreimal gemacht?“, fragt sie ein Kind, das mit seinem Übungszettel zu ihr kommt. „Ja, habe ich!“, versichert das Kind und bekommt dann einen Stempel in seine Karte. Die vielen Stempel zeigen, dass einige schon viele Lektionen geschafft haben.

Am Anfang werden die Zeichen geübt

Das Training beginnt mit einzelnen Buchstaben, führt zu Silben oder kurzen sinnfreien Wörtern – es kommt anfangs nur darauf an, die Buchstaben und Laute mit den Fingerzeichen zu kombinieren. Dann geht es über einfache Wörter wie Hund oder Mama weiter zu ganzen Sätzen. „Am Ende steht das sinnentnehmende Lesen“, sagt Weiß. Die Methode können die Kinder für sich im normalen Unterricht in der Klasse anwenden.

Finn kann die Wörter auf seinem Blatt fehlerfrei lesen, er formt die Fingerzeichen sehr präzise. „Das hast Du super gemacht“, lobt Irmtraud Weiß. Die Kinder in der Leseinsel-Gruppe lernen nicht alle gleichzeitig dasselbe. Jedes Kind kann sein Tempo selbst bestimmen, in dem es die Übungen in einem Block durcharbeitet. Die Schüler kommen aus den Jahrgängen zwei bis vier, so dass sich allein daraus schon Unterschiede ergeben.

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Die Leseinsel wird seit diesem Jahr an allen Grundschulen in Moormerland angeboten. Die Teilnahme ist für die Grundschulkinder kostenfrei. Finanziert wird das Projekt von der Gemeinde Moormerland. Allerdings muss eine einmalige Gebühr von 25 Euro für das Unterrichtsmaterial gezahlt werden. Ansprechpartnerin ist Irmtraud Weiß, Tel. 04954 / 942805, E-Mail irmtraud@jhamml.de.