Wenn es im Museum brennt  Grüne machen sich Sorgen um Kulturgut in Emder Museen

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 07.12.2022 19:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Blick in den bei einem Brand schwer beschädigten Rokokosaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Ein Feuer in der Nacht zum 3. September 2004 hatte 50.000 Bücher unwiederbringlich zerstört. Foto: Martin Schutt/DPA
Blick in den bei einem Brand schwer beschädigten Rokokosaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Ein Feuer in der Nacht zum 3. September 2004 hatte 50.000 Bücher unwiederbringlich zerstört. Foto: Martin Schutt/DPA
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Die Emder Grünen wollen es wissen: Wie gut ist das Landesmuseum vorbereitet auf das Schreckensszenario, dass ein Großbrand etliche Kulturgüter vernichtet? Eine klare Antwort gibt es nicht.

Emden - Die Bilder aus Weimar sitzen so manchem Historiker oder Museumsverantwortlichen vermutlich noch immer in den Knochen: In der Nacht zum 3. September 2004 gingen in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar zigtausende Bücher und andere wertvolle Schriften in Flammen auf. Der Schaden war immens. Und vor allem: Er war irreparabel. Auf einen Schlag und ausgelöst durch einen simplen Kabelbrand wurden kulturelle Güter von unschätzbarem Wert ausgelöscht.

Was und warum

Darum geht es: Wie sich Emder Museen und die Feuerwehr auf ein mögliches Katastrophenszenario einstellen: den Ausbruch eines Feuers, das einzigartige Kulturschätze zu vernichten droht.

Vor allem interessant für: Kulturinteressierte und Einsatzkräfte, die bei einem Feuer in einem Museum gefordert wären

Deshalb berichten wir: Die Emder Ratsgruppe Grüne feat. Urmel brachte das Thema am Dienstag im Kulturausschuss zur Sprache.

Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de

Ein ähnlich einschneidendes Erlebnis für viele Geschichtswissenschaftler war der Einsturz eines Teils des historischen Kölner Stadtarchivs im März 2009 – in diesem Fall waren Fehler beim Bau eines U-Bahn-Tunnels ursächlich. Ganz auszuschließen sind solche Ereignisse nicht. Aber wie gut sollte oder müsste man auf derlei folgenreiche Unwägbarkeiten vorbereitet sein? Wie lassen sich Kulturgüter vor vergleichbaren Katastrophen schützen? Und ganz konkret: Hat man sich in Emden beim Ostfriesischen Landesmuseum solche Gedanken gemacht?

„Wenn es einmal passiert, gucken wir alle traurig“

Auf Initiative der Ratsgruppe Grüne feat. Urmel rückte das Thema jetzt in Emden in den Blickpunkt. Angeregt und eingebracht hat es Andrea Marsal. Die Ratsfrau wollte „ganz praktisch“ wissen, wie sie sagte, was für den Fall des unwahrscheinlichen Falles eigentlich geregelt ist – und was eben nicht. Denn, so Marsal: „Wenn es einmal passiert“, sei es zu spät dafür: Dann „sitzen wir hier alle und gucken ganz traurig“.

Antworten gab am Dienstag im Kulturausschuss des Rates unter anderem die Direktorin des Landesmuseums, Jasmin Alley. Katastrophen gebe es tatsächlich immer wieder, räumte sie zunächst ein, beschrieb aber auch, welche baulichen Vorkehrungen es in ihrer Einrichtung seit einer Überarbeitung des Brandschutzkonzeptes Mitte der 2000er-Jahre gebe. So würden Stahlvorhänge, die von der Decke abgelassen werden können, die Räume und Bereiche voneinander trennen können, so Alley. Ein Feuer könnte dadurch zumindest vorübergehend daran gehindert werden, sich allzu schnell auszubreiten.

Je besser der Brandschutz, desto teurer wird es

Der Haken: Im Landesmuseum lassen sich dadurch Teile der Sammlung, wertvolle Gemälde, Ausstellungsstücke oder ganze Vitrinen leidlich vor der Zerstörung bewahren. In anderen Gebäuden aber, wie dem Magazin in Borssum, wo ebenfalls etliche bedeutende Kulturschätze lagern, gibt es solche Möglichkeiten nicht. Alley unterstrich, dass sich das Landesmuseum mit allen Aktivitäten im gesetzlichen Rahmen geltender Brandschutzbestimmungen bewegt. Alles weitere sei darüber hinaus allerdings schnell mit hohen Kosten verbunden.

Auf Anregung der Politik soll sich die Stadt als Trägerin des Museums nun eingehender mit solchen möglichen und gerne verdrängten Szenarien auseinandersetzen. Ein Anknüpfpunkt dabei: Es wird überprüft, in welcher Form die Feuerwehr sich mit Übungen auf solche Einsätze besser vorbereiten kann. Die Hoffnung: Wer sich im Vorfeld mit dem Unwahrscheinlichen beschäftigt hat, ist im Ernstfall besser in der Lage, beispielsweise zu priorisieren, in welcher Reihenfolge Kulturgüter gerettet werden müssen – und wie man dabei vorgeht, um den Schaden möglichst gering zu halten.

So agiert die Feuerwehr

Bei der Hauptberuflichen Wachbereitschaft in Emden stößt der Vorschlag bei Harald Janssen auf offene Ohren. Er halte es für „sinnvoll, die Einsatzkräfte zu sensibilisieren. Das lässt sich üben“, sagt der stellvertretende Leiter auf Nachfrage. Grundsätzlich gelte bei einem Feuer immer die Prämisse: Erst Menschenleben, dann Tierleben und dann Sachgüter zu retten. Sofern es die Zahl der verfügbaren Helfer und der Verlauf eines Einsatzes zuließen, könnte die Feuerwehr sich daran beteiligen, wertvolles Kulturgut, Dokumente oder andere Gegenstände in Sicherheit zu schaffen.

Für Entscheidungen zur Reihenfolge oder zur Behandlung der einzelnen Kunstschätze seien sie idealerweise aber vor Ort immer in enger Abstimmung mit dem Eigentümer. Sprich: Brennt es im Landesmuseum, würde sich der Einsatzleiter neben eigenen Sicherheitsfragen auf die Einschätzung einer verantwortlichen Expertin oder eines Experten verlassen.

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