Streit um neue Wochenendhäuser  Investor teilt heftig gegen Emder Politiker und Anlieger aus

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 07.12.2022 18:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Am Kurzen Tief, das in das Kleine Meer mündet, stehen schon zahlreiche sogenannte Meerbuden. Ein Investor möchte dort etwa 20 neue Wochenendhäuser bauen. Foto: Päschel/Archiv
Am Kurzen Tief, das in das Kleine Meer mündet, stehen schon zahlreiche sogenannte Meerbuden. Ein Investor möchte dort etwa 20 neue Wochenendhäuser bauen. Foto: Päschel/Archiv
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Der Emder Rat wird sich an diesem Donnerstag voraussichtlich noch einmal mit der geplanten Wochenendhaus-Siedlung am Kurzen Tief befassen. Sie steht vor dem Aus.

Emden - Angesichts des drohenden Scheiterns seiner Pläne für eine neue Wochenendhaus-Siedlung in der Nähe des Kleinen Meers (Hieve) hat der Emder Projektentwickler Walter Mielke an Gegner und Kritiker dieses Vorhabens im Rat der Stadt Emden appelliert, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Was und warum

Darum geht es: den Streit um den Plan für eine Wochenendhaus-Siedlung am Kleinen Meer

Vor allem interessant für: diejenigen, die bereits ein Wochenendhaus am Kurzen Tief haben, jene, die es dort ebenfalls hinzieht sowie potenzielle Investoren

Deshalb berichten wir: Weil das Projekt zu scheitern droht, meldeten sich der Projektentwickler Walter Mielke und dessen Anwalt sich noch einmal zu Wort.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Aus Mielkes Sicht gibt es keine Gründe, die gegen den Bau von 21 Wochenendhäusern um einen Hafen am Kurzen Tief sprechen. Das sieht auch sein Oldenburger Anwalt Helmut H. Müller, so: „Es gibt keine sachlichen Argumente dagegen“, sagte er in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Zugleich räumte Müller ein, dass er keine Möglichkeiten sehe, juristisch gegen eine Entscheidung der Stadt gegen das Vorhaben vorzugehen.

Stadtrat erörtert das Thema noch einmal

Mit dem Thema wird sich an diesem Donnerstag der Stadtrat voraussichtlich noch einmal befassen. Auf die Tagesordnung hat es die CDU-Fraktion gebracht. Sie will in dieser Frage Klarheit schaffen, zumal das Projekt schon seit etwa sieben Jahren im Gespräch ist. Es könne nicht sein, „dass die Stadt dieses Thema einfach aussitzt und einen Investor im Regen stehen lässt“, so CDU-Fraktionschef Gerold Verlee. Seine Fraktion könne sich grundsätzlich eine Entwicklung des Gebietes vorstellen, zumal es seit 1974 einen rechtskräftigen Bebauungsplan dafür gibt.

Die Stadtverwaltung lehnt die Wochenendhaus-Siedlung hingegen strikt ab. Das Vorhaben erfülle keine dringlichen, strategischen Ziele der Stadt, habe nur einen geringen Nutzen für die Allgemeinheit und sei nicht mit den Klimazielen der Kommune vereinbar, erklärte sie zuletzt. Zudem sei der Verkauf des Grundstücks nicht ohne ein ordentliches Vergabeverfahren möglich, weil es mittlerweile weitere Interessenten gebe.

Politische Mehrheit im Ausschuss dagegen

Dieser Argumentation waren die Fraktionen von SPD, GfE und die Ratsgruppe Grüne feat. Urmel bei einer Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt im November gefolgt. Die Mehrheit des Gremiums stimmte gegen den Verkauf des städtischen Areals am Kurzen Tief. Das letzte Wort hat an diesem Donnerstag der Rat. Beobachter gehen davon aus, dass das Projekt durchfällt und damit endgültig vom Tisch ist.

Mielke hat kein Verständnis für die Haltung der Fraktionen von SPD und GfE, zumal ihre Spitzen sich zunächst stets positiv zu der Wochenendhaus-Siedlung geäußert hätten. „Die Zustimmung aus der Politik lag bei über 90 Prozent“, sagt er. Der GfE-Vorsitzende Jochen Eichhorn sei „mehr als begeistert“ gewesen und habe darum gebeten, ihn sofort in die Liste der Interessenten für ein Wochenendhaus aufzunehmen, sagte der Projektentwickler dieser Zeitung.

Scharfe Kritik auch an Anlieger

Scharfe Kritik übt Mielke auch an SPD-Fraktionsvize Harald Hemken. Ihm wirft er unter anderem vor, als Eigentümer eines Wochenendhauses am Kleinen Meer befangen in dieser Frage zu sein und dennoch abgestimmt zu haben.

Auch gegen den Verein Pro Hieve, zu dem sich Besitzer bestehender Wochenendhäuser am Kurzen Tief zusammengeschlossen haben, teilt Mielke aus. Den Anliegern wirft er Egoismus vor. Es sei „dreist und geradezu unverschämt“, wenn die Vereinsmitglieder auf einem Bruchteil städtischen Grundstücks allein „residieren“ wollten und der Rest der Allgemeinheit ihnen „den üppigen und sehr großen Vorgarten zur Verfügung stellt“, heißt es in einer Stellungnahme Mielkes.

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