Monatsrückblick für Ostfriesland Novemberwetter brachte „lebensbejahendes Mausgrau“
Trübe Tage, ein „Stürmchen“ und eine Punktlandung beim Niederschlag: Die Wetterbilanz für den November in Ostfriesland fällt weitgehend jahreszeitgemäß aus – wenn die Temperaturen nicht wären.
Emden - Jörg Deuber ist kein Freund neblig-trüber Novembertage in Ostfriesland. Der Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bezeichnet die typische Herbststimmung, wenn sich die Sonne rar macht und mit ihr scheinbar alle Farben in der Landschaft, gerne scherzhaft als „lebensbejahendes Mausgrau“. Es ist zugleich seine lapidare Zusammenfassung des Wetters der vergangenen Wochen.
Tatsächlich ließ sich die Sonne laut den Messinstrumenten des DWD während des gesamten Monats lediglich exakt 61,7 Stunden lang über dem Emder Flugplatz blicken. Viel ist das nicht. Aber immerhin ist es etwas mehr, als zu erwarten gewesen wäre. Denn laut statistischer Langzeitbetrachtung sind für Ostfriesland sogar 6,3 Stunden weniger normal. Im Schnitt der Jahre 1961 bis 1990 gab es im November lediglich 55,4 Sonnenstunden.
Alles gewöhnlich also? Alles normal?
In Sachen Niederschlag erreichte der vergangene Monat – den Daten nach – ebenfalls „fast eine Punktlandung“, so Jörg Deuber. Mit 76,8 Litern auf den Quadratmeter wurde der statistische Mittelwert nur knapp verfehlt. Üblich sind für einen November 79,3 Liter. Alles gewöhnlich also? Alles normal? Verglichen mit den immer häufiger auftretenden Extremabweichungen wäre das schon fast als Kuriosität zu sehen. Ganz so gewöhnlich war der November aber eben doch wieder nicht, wie die Auswertung der Temperaturkurve zeigt.
Denn auch dieser Monat schlägt als viel zu warmer November aus seiner Art. Im Schnitt lag die Temperatur zwei Grad zu hoch. Den üblichen 5,8 Grad des langen Vergleichszeitraums stehen gemessene 7,8 Grad gegenüber. „Es ist eine ganze Menge“, macht Deuber deutlich, zumal die Sonne kaum dazu beigetragen habe. Ursächlich seien „warme Luftströmungen vor allem in der ersten Monatshälfte“, erläutert der erfahrene DWD-Mitarbeiter. Erst mit einem Hoch, das sich über Osteuropa entwickelte und festsetzte, kühlte es etwas ab.
Wetterumschwung brachte ein „Stürmchen“
In die Zeit des Wetterumschwungs fällt auch der windreichste Tag des Monats. Am Donnerstag, 17. November, registrierten die Messinstrumente in Emden 9 Beaufort. Jörg Deuber nennt es ein „moderates Stürmchen“, das in ungeschützten Lagen durchaus auch die eine oder andere etwas kräftige Böe gebracht haben dürfte. „Es hat den Schafen noch nicht die Locken aus dem Pelz getrieben“, stellt der Wetterbeobachter mit ostfriesischem Humor fest. Was er sagen will: Die Vergangenheit zeigt, dass es weitaus stürmischer zugehen kann im Herbst.
Dass sich aus dem Verlauf des Novembers etwas über den zu erwartenden Verlauf des Winters ableiten lässt, bezweifele er, so Deuber. Nur weil der November zu mild war, müsse es nicht zu warm weitergehen. „Es ist auch nicht so, dass es mit dem Klimawandel jetzt gar keine Winter mehr in Ostfriesland gibt“, sagt er. Überhaupt kann in seinen Augen niemand zum jetzigen Zeitpunkt tragfähige Aussagen zur Entwicklung des Wetters im Januar oder Februar treffen. „Das ist völliger Quatsch“, findet er.
Was sich gut vorhersagen lasse, ist dagegen der Verlauf der nächsten Tage: „Es wird insgesamt kälter“, prognostiziert der DWD-Mitarbeiter mit Bestimmtheit. Allerdings sollte man sich in Ostfriesland keine voreiligen Hoffnungen auf Schnee und Schöfelwetter machen. „Die Schlitten und Schlittschuhe können erstmal noch eingepackt bleiben“, sagt Jörg Deuber.