Nikolaus-Verknobelung Die Würfel fallen für Torte und Aal
Erstmals nach der Corona-Zwangspause konnten an diesem 5. Dezember wieder Nikolaus-Verknobelungen in ganz Ostfriesland stattfinden. Wir haben drei Veranstaltungen in Emden besucht.
Emden - Aal ist heiß begehrt beim Nikolaus-Knobeln im Emder Stadtteil Port Arthur/Transvaal. In der ehemaligen Pumpstation scheinen die eifrigen Würfler nur darauf zu warten, dass Stollen, Schnaps und Co. endlich abgefrühstückt sind und die Räucher-Delikatesse auf den Tisch kommt. Andernorts geht es eher um Süßes. Diese Zeitung war am Abend vor dem Nikolaus unterwegs auf verschiedenen der traditionellen Verknobelungen in Emden.
Unter den Verknoblern in der Pumpstation sind Louisa und ihr Vater Ralf Hagen. Louisa würfelt eifrig beim Aal mit, aber: Mist, es gelingt wieder nicht. Der Fisch geht an ein Mädchen namens Lena, die eine 18 gewürfelt hat. Ralf Hagen schafft es in der nächsten Runde mit nur 12 Augen immerhin zu einem Stollen. Auch der letzte Aal geht an andere. „Es geht ja in erster Linie um Spaß“, sagt Carola Clemens, die den Würfeltisch mit ihrer Kollegin Mareike Jentzsch betreut. „Die Atmosphäre hier ist immer sehr gut“, sagt sie. Man merke den Leuten auch an, dass sie wieder gerne zusammen kommen wollen. Und im Stadtteil „da kennt man sich“.
Mehr Nachfrage als sonst
Zum ersten Mal nach der Corona-Zwangspause konnte die Traditions-Veranstaltung ausgetragen werden. „Es sind schon mehr als sonst hier“, sagt Oliver van Grieken, Vorsitzender des Stadtteil-Bürgervereins. Dieses Mal seien sie aber auch der einzige Anbieter im Viertel gewesen: Der FC Frisia und auch eine Gaststätte hätten sonst eingeladen, jetzt aber nicht. „Dann hat sich das mehr verlaufen.“ Er schätze, dass über den Abend verteilt „um die 100 Gäste bestimmt“ in die Pumpstation und an die zwei Knobeltische gekommen seien.
„Was ist hoch?“ – „13!“ hallt es unterdessen ein paar Kilometer entfernt in Uphusen durch die Fahrzeughalle der Feuerwehr. Hier hat die Verknobelung zum Sünnerklaasfest seinen Ursprung bei den Bäckereien, die es früher hier gab. „Da wurden immer am 5. Dezember Torten verknobelt“, sagt Ortsbrandmeister Stefan Szymanski. Als die Bäckereien schließen mussten, hat die Feuerwehr die Tradition übernommen. Noch immer stehen vorwiegend Torten auf der Preisliste, aber auch „Fisch ist immer dabei“ sowie anderes Deftiges.
Treffpunkt: Knobeltisch
Was genau es zu Erknobeln gibt, das legt der Festausschuss der Feuerwehr fest, „und der hat eine jahrelang gepflegte Liste, was gut läuft“, sagt Szymanski. Das weiß auch die Dorfgemeinschaft zu schätzen, an diesem Montagabend ist es ein stetes Kommen und Gehen im Feuerwehrhaus. Aber es wird nicht nur geknobelt und durch die Gegend gerufen, was gerade „hoch“ ist – es wird auch einfach geredet und der Abend genossen. „Man trifft hier immer so viele Leute“, sagt auch die 13-jährige Lara, kurz nachdem sie eine der Torten gewonnen hat. „Die wird morgen am Nikolaus mit der Familie geteilt“, sagt sie.
Für Daniel Hintze ist es unterdessen die erste Verknobelung. Er ist erst vor zwei Jahren nach Emden gezogen, kommt ursprünglich aus Brandenburg. „Ich bin hier erstmal mit einem viel zu großen Geldschein aufgetaucht“, gesteht er. „Da musste ich erstmal warten, bis der gewechselt werden konnte.“ Ein kleiner Lerneffekt, der aber den Gesamteindruck nicht gestört hat. „Es ist wirklich super und macht viel Spaß“, sagt Hintze – während seine Kinder die Augen kaum von den Süßigkeiten nehmen können.
Emder Besonderheit: die Kultur-Verknobelung
Im Ostfriesischen Landesmuseum in Emden gibt es derweil ein Kontrastprogramm. Hier führen Ilse Frerichs und Berthold Tuitjer durch die Kultur-Verknobelung. Gerade wird ein Kindergeburtstag bei der Feuerwehr verknobelt. Tuitjer lobt die „gute Technik“ eines Jungen. Der hat direkt eine 18 gewürfelt – und bekommt den besonderen Geburtstag.
Zu den anderen Preisen zählen Kino-Karten, Buntstifte, Apfelbäume vom Ökowerk, Restaurant-Gutscheine und Tickets für die neue Landesmuseums-Ausstellung und das Theaterstück zum Untergang der „Melanie Schulte“. Am 22. Dezember beginnt die Ausstellung, im März sind die Aufführungen. Im Foyer des Museums knobeln Jung und Alt gegeneinander. „Insgesamt waren es am Abend wohl so 50 bis 60 Leute“, schätzt Evelina Peuser-Broeker, Kuratorin beim Museum, im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Verknobelung gibt es dort schon lange. Nach der Zwangspause sei man nun froh, dass es immer noch so gut angenommen werde, sagt sie.