Sicherheit im Verkehr So kommt das Auto durch den Winter
Der Winter kommt jedes Jahr so überraschend wie Weihnachten. Wir erklären, welche Zuwendung Ihr Auto jetzt braucht und fragen nach, ob die Krise die Autobesitzer zur Nachlässigkeit verführt.
Aurich - Hand aufs Herz, es ist doch jedes Jahr dasselbe: „Ich muss noch ans Scheibenwasser denken“, sagt sich der durchschnittliche Autofahrer irgendwann im Herbst, mit Blick auf die sinkenden Temperaturen um seinen fahrbaren Untersatz herum. Das nächste Mal kommt der Gedanke in der Regel erst wieder, wenn das Wasser in den Düsen schon gefroren ist. Was in erster Linie nervt, kann im Zweifelsfall auch gefährlich sein, wenn man mangels funktionierender Scheibenwaschanlage im Blindflug-Modus fährt.
Checkliste für den Winter
Die kalte Jahreszeit liefert dem Autofahrer noch diverse weitere Gefahren und potenzielle Ärgernisse. Schnee (ja, den gibt es wirklich noch!), Glatteis und Frost fordern nicht nur den Fahrer, sondern vor allem auch die Technik des Autos heraus, weiß auch Nils Lingen vom ADAC Weser-Ems. „Wichtig ist, sich rechtzeitig um die neuralgischen Punkte zu kümmern, wenn man sein Auto für die kalte Jahreszeit fit machen will“, so Lingen.
Weihnachtsreifen heißen jetzt Winterreifen
Wenn es um die Wintertauglichkeit geht, ist die Aufmerksamkeit immer zuerst bei den Reifen. Will man nicht unvermittelt auf den „Sommerpuschen“ Schlitten fahren oder die nächste Autobahnausfahrt fliehkraftbedingt seitwärts verlassen, empfiehlt sich laut Lingen die Montage der Winterreifen ab November. Volkstümlich bekannt ist die Empfehlung, ab 7° C Außentemperatur die Reifen zu wechseln, sowie die Faustregel „von O bis O“ (von Oktober bis Ostern) für Winterreifen.
Werden die Reifen nicht nagelneu aufgezogen, ist auf die Profiltiefe zu achten. „Unter 4 Millimetern sind Winterreifen, obwohl gesetzlich zulässig, für den Wintereinsatz nicht mehr sicher“, sagt Lingen. Zur schnellen Prüfung der Profiltiefe hat er einen einfachen Trick: „Der goldene Rand der Ein-Euro-Münze ist drei Millimeter breit, er sollte also nicht mehr sichtbar sein.“ Auch älter als zehn Jahre sollten Winterreifen laut Lingen nicht sein, weil dann das Material porös sein kann. „Wer in der Hoffnung auf einen milden Winter versucht, mit Sommerreifen durchzukommen, riskiert ein Bußgeld und bei einem Unfall womöglich Probleme mit der Versicherung“, fügt er hinzu.
Alles für den Durchblick
Wie eingangs erwähnt, sollte das Scheibenwischwasser jetzt einen frostsicheren Reiniger bekommen. Der sorgt dafür, dass Wasser, Pumpe und Spritzdüsen nicht einfrieren. Nils Lingen empfiehlt zusätzlich, die Wisch-/Waschanlage nach dem Abstellen des Autos am Abend kurz laufen zu lassen, um scharfkantige Streumittel-Reste zu beseitigen. „Sonst könnten diese am nächsten Morgen das Glas beschädigen, wenn sie mit Eiskratzer und Druck über die Scheibe geschoben werden“, erklärt er.
Für den richtigen Durchblick sollten die Scheiben regelmäßig von innen und außen gereinigt werden. „Beschlagene Scheiben werden durch Heizung, Gebläse und Klimaanlage wieder frei“, so Lingen. „Die trockene Luft hält auch die Dichtungen und Schläuche in Schuss.“ Alte Wischerblätter, die Schlieren auf der Scheibe hinterlassen, sollten gegen neue ausgetauscht werden. Lingen empfiehlt außerdem, unter die Scheibenwischergummis eine Isolationsfolie zu legen, damit sie nicht anfrieren und beschädigt werden.
So klappt es mit den Türen und dem Lack
„Damit Sie nicht vor zugefrorenen Türen stehen, können Tür- und Heckklappengummis mit Gummipfleger oder Silikonöl behandelt werden“, sagt Lingen. Von Hirschtalg oder Vaseline rät er allerdings ab. Türschlösser schützt ein Universalspray oder ein anderes nicht harzendes Öl vor dem Einfrieren. „Ansonsten hilft ein Türschlossenteiser“, sagt Lingen. „Wenn er nicht im Handschuhfach deponiert ist!“
Auch dem Lack tut der Winter nicht unbedingt gut.„Nässe, Kälte und Streusalz können den Autolack ganz massiv angreifen“, warnt Lingen. Er empfiehlt deshalb, vor dem ersten Schnee in die Waschanlage zu fahren. Pflegen Sie zudem das Fahrzeug mit Politur und Wachs.
Strom muss fließen und Licht muss leuchten
„Die Autobatterie ist die unangefochtene Nummer eins in der ADAC-Pannenstatistik“, weiß Nils Lingen. „Wenn die Batterie bereits bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt den Anlasser nur noch müde durchdreht, dann sollte sie unbedingt geprüft und gegebenenfalls ersetzt werden.“
Auf die Beleuchtung muss in der dunklen Jahreszeit unbedingt Verlass sein. Daher sollten laut Lingen alle Leuchtmittel überprüft und notfalls in einer Werkstatt korrekt eingestellt werden.
Damit der Kühler nicht „zu cool“ wird
„Mindestens -25° Celsius sollte der Frostschutz der Kühleranlage aushalten“, sagt Nils Lingen. „An der Tankstelle oder in der Werkstatt lässt sich das mit einem kleinen Prüfgerät recht einfach kontrollieren. Ist der Kühlwasserstand unter die Minimum-Markierung abgesunken, empfiehlt es sich, in der Werkstatt die Ursache feststellen zu lassen. Zu geringer Kühlerfrostschutz kann im Extremfall zum Motorschaden führen.“
Am „Winterauto“ wird (noch) nicht gespart
Zu allen denkbaren Lebenslagen wird in diesen Zeiten enormer Preissteigerungen versucht, Geld zu sparen. Was das wintertaugliche Auto angeht, scheint dies noch nicht der Fall zu sein, wie Lothar Freese, Obermeister der Kfz-Innung Ostfriesland, auf Nachfrage dieser Zeitung erklärt. „Man merkt zwar schon, dass die Leute aufs Geld gucken, aber was für die Sicherheit notwendig ist, wird immer noch getan“, sagt er. „Das sieht man schon bei den Winterreifen. Die blockieren uns im Moment regelrecht die Werkstatt, weil jetzt alle wechseln wollen.“
In anderen Fällen profitieren die Autofahrer laut Freese aber auch von der technischen Entwicklung. „Bei den Batterien kann es zwar schon mal vorkommen, dass wir auf einen Schlag vier bis fünf austauschen müssen“, sagt er. „Aber generell halten die heute fünf bis sechs Jahre. Das ist gut doppelt so lang wie in älteren Autos.“ Freese erinnert sich noch an Zeiten, in denen er bis zu 30 Batterien an einem Tag eingebaut hat. „Das gibt es heute nicht mehr, weil sich auch die Technik verändert hat“, sagt er. „Lichtmaschinen und Aggregate sind zum Beispiel viel stärker als früher.“