Berlin Warum im kommenden Jahr die Verkäufe von E-Autos zurückgehen könnten
Die Automobilhersteller setzen vermehrt auf Modelle mit Elektro- oder zumindest Plug-in-Antrieb. Doch eine aktuelle Studie zeigt: der Absatzmarkt für E-Autos in Deutschland könnten im kommenden Jahr einbrechen. Das hat mehrere Gründe.
Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts fahren auf Deutschlands Straßen derzeit 618.000 reine Elektroautos und 566.000 Plug-in-Hybride. Damit besitzt die Bundesrepublik nach China den größten Absatzmarkt für E-Autos. Bis 2030 will die Regierung die Zahl auf 15 Millionen Elektroautos erhöhen – so steht es im Koalitionsvertrag. Doch das Ziel kann voraussichtlich nicht erreicht werden.
Denn die Zuwachsrate bei E-Autos in Deutschland liegt derzeit bei 4,5 Prozent. Zum Vergleich: im Vorjahr lag sie noch bei 73 Prozent. Experten erwarten für die kommenden zwei Jahre, dass der Markt noch weiter schrumpft. Das berichtet das „Handelsblatt“ und beruft sich dabei auf eine aktuelle Studie der Center Automotive Research (CAR).
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Die Autoren gehen davon aus, dass sich die Zahl der verkauften E-Autos in den kommenden Jahren halbieren wird. So würden nächstes Jahr statt 720.000 Neuwagen mit Elektroantrieb nur noch 484.000 Autos ausgeliefert, 2024 wären es laut Prognose nur noch 363.000. Damit würde der Marktanteil von E-Autos – gemessen an den Neuzulassungen – von 27 auf zwölf Prozent absinken.
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„In Deutschland kündigt sich für das Elektroauto eine Dürrezeit an“, erklärte CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer gegenüber dem „Handelsblatt“. Doch woher kommt diese prognostizierte Absturz?
Die Hauptgründe hängen zum einen mit den aktuell hohen Strompreisen zusammen, die die Anschaffung eines E-Autos wenig attraktiv machen. Zum anderen laufen die staatlichen Fördermittel aus. So will die Bundesregierung den Kauf eines Plug-in-Hybrids ab dem kommenden Jahr überhaupt nicht mehr fördern.
Die Förderung für vollelektrische Autos bleibt dagegen bestehen, sinkt allerdings deutlich. Je nach Netto-Listenpreis sinken die Innovationsprämien pro Auto auf einen Betrag zwischen 4500 und 6750 Euro – bisher waren es zwischen 7500 und 9000 Euro. Darüber hinaus ist der Fördertopf gedeckt und wird nach Angaben von CAR bis Ende des nächsten Jahres ausgeschöpft sein.
Ist dies also schon der Abgesang auf das E-Auto? So weit würde Dudenhöffer nicht gehen. Nach den kommenden „Jahren des Stillstands“ erwartet der CAR-Direktor frühestens 2025 wieder mit steigenden Auslieferungen von E-Autos in Deutschland. Als Gründe nennt er neue Kapazitäten für die Herstellung von Lithium-Ionen in Europa und einen möglichen Rückgang der Strompreise.
Grafik: Neuzulassungen von Verbrenner-Autos in den vergangenen Jahren
Dudenhöffer bringt daher eine Verlängerung der Förderprämien ins Spiel – auch mit Blick auf andere Länder. Denn in China und den USA herrscht ein regelrechter E-Auto-Boom. In den Staaten etwa werden die Fahrzeuge unter bestimmten Bedingungen mit einer Steuergutschrift von 7500 Dollar bezuschusst.
Für Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), hat ein solches Vorgehen Vorbildcharakter. „Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt: Andere Länder beweisen mehr Weitsicht bei der Transformation und halten an der Förderung fest“, sagte sie dem „Handelsblatt“.