Vielfalt auf dem Weihnachtsmarkt  Woher kommt der Glühwein in Emden?

Lars Löschen
|
Von Lars Löschen
| 02.12.2022 16:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mandy Alberts bietet in diesem Jahr Glühwein in der Geschmacksrichtung Apfel-Zimt auf dem Emder Engelkemarkt an. Fotos: Löschen
Mandy Alberts bietet in diesem Jahr Glühwein in der Geschmacksrichtung Apfel-Zimt auf dem Emder Engelkemarkt an. Fotos: Löschen
Artikel teilen:

Der Emder Weihnachtsmarkt ist geöffnet. An Imbiss- und Glühweinständen kann man nicht nur typisch ostfriesisch essen und trinken. Die Spezialitäten kommen auch aus dem Ausland.

Emden - Die Weihnachtsmärkte sind geöffnet. Zwischen Glühwein, Crêpe und Bratwurst muss wohl keiner fürchten, zu verhungern oder zu verdursten. Doch woher kommen die ganzen Leckereien ursprünglich?

Der Engelkemarkt, wie er in Emden heißt, deckt so einige Regionen im europäischen beziehungsweise deutschen Raum ab. Bei Crêpe kann man sich die französische Herkunft am Namen noch herleiten. Wenn es um Waffeln oder Glühwein geht, dann gestaltet sich dies aber schon schwieriger.

Was und warum

Darum geht es: Auf dem Emder Weihnachtsmarkt finden sich viele Stände für die eigene Verpflegung – lecker allemal, aber woher kommen die ganzen Spezialitäten?

Vor allem interessant für: Weihnachtsmarktbesucher, Feinschmecker und alle, die sich gerne kulinarisch ausprobieren

Deshalb berichten wir: Die Redaktion hat sich die Frage gestellt, wie viele Länder auf dem Weihnachtsmarkt zu finden sind.

Den Autor erreichen Sie unter: l.loeschen@zgo.de

Die Nachbarländer Deutschlands

Wie sich herausstellt, muss man, um Ostfriesland oder gar Deutschland im übertragenen Sinn zu verlassen, nicht weit fahren. Es reicht der Bummel über den Weihnachtsmarkt schon aus. Zumindest kann man so dem nasskalten deutschen Winterwetter kulinarisch entfliehen. Beim Halt an der Grillbude und findet man schon die ersten Grillspeisen, die ihren Ursprungsort im Ausland haben. Die Krakauer Bratwurst sorgt nicht gerade für ein kompliziertes Rätselraten: Ihre Herkunft ist die Stadt Krakau. Sie liegt im Süden Polens und dort entstand das traditionelle Rezept für die Wurst, die seit Anfang der 1950er Jahre auch den Weg nach Deutschland fand. Die Pommes frites – ebenfalls beliebt – kommen ursprünglich aus Belgien.

In Belgien kann man auf geschmacklicher Ebene direkt bleiben. Waffel gefällig? Im Stadtgarten gibt es einen Stand, der die Waffeln nach belgischem Vorbild serviert. Das bedeutet, dass sie dick und rechteckig sind und dazu noch ein tiefes Muster haben. Die typisch deutschen Waffeln sind meist eher platt und haben eine runde oder dreieckige Form. Serviert werden Waffeln im belgischen Brüssel oder Lüttich nicht nur mit Puderzucker, sondern auch mit Erdbeeren, Bananen, Schlagsahne oder heißer Schokolade.

Die Waffeln kommen aus Belgien. So wie auf dem Bild kennt man sie auch als Brüsseler Waffeln.
Die Waffeln kommen aus Belgien. So wie auf dem Bild kennt man sie auch als Brüsseler Waffeln.

Oh, du Glühlicher Glühwein

Jetzt ein heißes Getränk gegen den Durst! Gegenüber dem Waffelstand befindet sich eine Glühweinbude. Belgischer Herkunft ist hier zwar nichts, dafür gibt es eine „Erfindung“ der Österreicher. „Unser Zwetschgen-Zimt-Punsch kommt aus Salzburg“, sagt Mandy Alberts, die zusammen mit ihrem Mann Patrick den Stand bewirtet. Die Zwetschge wird in Österreich schon seit Jahrhunderten angebaut. Deswegen kommt Zwetschgen-Punsch oder -Wein meist dorther.

Mandy Albers vor ihrer Glühweinbude. Sie ist auch für die Bewirtung der Weihnachtsmarktbesucher zuständig.
Mandy Albers vor ihrer Glühweinbude. Sie ist auch für die Bewirtung der Weihnachtsmarktbesucher zuständig.

Doch Österreich ist nicht nur an dieser einen Stelle in Emden zu finden: Der Stand „Klein Burhafe“ liegt in der Fußgängerzone (Zwischen Beiden Sielen) der Stadt. Hier wird „Heißer Zwetschgen-Wein“ ausgeschenkt.

Wer eher auf ein klassisches deutsches Heißgetränk zurückgreifen will, für den ist dann der „normale“ Glühwein etwas. Das älteste Glühweinrezept stammt übrigens ungefähr aus Mitte des 19. Jahrhunderts aus Sachsen. Die Rezeptur wurde seitdem mehrfach verändert. In Deutschland wird bei der Herstellung oft auf Rotwein, in Hessen und Unterfranken sogar auf Apfelwein, gesetzt. In Norditalien ist eher Weißwein üblich. Mandy Alberts hat auch Apfel-Zimt-Glühwein im Angebot, der aus Katlenburg im Süden Niedersachsens kommt.

Ostfriesland und Österreich dicht beieinander

250 Kilometer nordwestlich von Katlenburg befindet sich das Saterland (Cloppenburg). Dort kommen die Würste her, die Dieter Westheider zusammen mit seiner Partnerin Helga Kaufmann verkauft. Österreichischer Käse und Speck liegen nur ein paar Zentimeter neben der Wurst im Stand. Aus dem Herzen des Alpenlandes kommt der Tiroler Speck. „Der Käse kommt aus Vorarlberg, das liegt direkt am Bodensee und grenzt an Deutschland und die Schweiz“, sagt Westheider. Der Holunderkäse aus seinem Sortiment ist eine Spezialität des Ortes. „Die Rinde des Käses besteht aus getrockneten Holunderblüten.“

Klassisch-österreichischer Bergkäse aus Vorarlberg. Die Rinde von dieser Sorte besteht aus getrockneten Hollunderblüten, sagt Dieter Westheider.
Klassisch-österreichischer Bergkäse aus Vorarlberg. Die Rinde von dieser Sorte besteht aus getrockneten Hollunderblüten, sagt Dieter Westheider.

Der Crêpe als Traditionsspeise

Was haben die Franzosen in petto? Zur Adventszeit findet man auf fast jedem Weihnachtsmarkt die beliebten Crêpes. Kevin von Halle betreibt die Emder Crêperie. Wie man es von der französischen Delikatesse kennt, ist hier die Auswahl an Belägen riesig. „Es gibt bestimmt 30 bis 40 Variationen“, so der Verkäufer. Banane, Kinder Bueno, Konfitüre oder Apfelmus kann man sich als Beispiel dazu bestellen. „Die meisten nehmen aber Nutella.“

Der Crêpe hat seine Wurzeln in Bretagne (Frankreich). Kevin von Halle serviert sie auf dem Weihnachtsmarkt meist mit Nutella.
Der Crêpe hat seine Wurzeln in Bretagne (Frankreich). Kevin von Halle serviert sie auf dem Weihnachtsmarkt meist mit Nutella.

Seit geraumer Zeit gebe es den Crêpe schon in Deutschland. Man könne ihn wahrscheinlich gar nicht mehr mit den originalen Crêpes aus Frankreich vergleichen. Ursprünglich kommen sie aus der Region Bretagne. Sie sind aus den Galette, einem Buchweizenpfannkuchen, entstanden. Galettes werden in Bretagne mit Käse, Eiern, Wurst und gegrillten Sardinen garniert. Den Crêpe isst man dort traditionell am 2. Februar zum kirchlichen Feiertag „Chandeleur“ – auch „Fest der Kerzen“ genannt. Sie sind meist brauner und dunkler als hier in Deutschland.

Europatour auf dem Emder Weihnachtsmarkt

An Eindrücken aus anderen Regionen und Ländern mangelt es dem Emder Weihnachtsmarkt nicht. Zudem ist es doch immer schön, etwas Neues zu probieren und dabei etwas über den Herkunftsort zu erfahren.

Ähnliche Artikel