Hamburg  Das sind die zehn klimaschädlichsten Lebensmittel

Julia Falkenbach
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Von Julia Falkenbach
| 02.12.2022 12:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wer das Klima nicht belasten will, setzt auf regionale und saisonale Produkte. Foto: Unsplash/Marisol Benitez
Wer das Klima nicht belasten will, setzt auf regionale und saisonale Produkte. Foto: Unsplash/Marisol Benitez
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Milchkaffee und Rühreier am Morgen, mittags Tomatensuppe und abends ein Schnitzel: Dieser Speiseplan ist so klimaschädlich wie eine kurze Autofahrt. Doch es gibt Lebensmittel, die dem Klima noch mehr schaden.

Bei klimaschädlichem Verhalten denken die Meisten erstmal an SUVs in der Stadt, (Inlands-) Flüge und Kreuzfahrten. Dabei haben nicht nur diese Konsumentscheidungen einen Einfluss aus unseren persönlichen CO₂-Fußabdruck. Jeden Tag können wir uns entscheiden, wie stark unser Konsum die Umwelt belasten soll – und zwar an der Supermarktkasse.

Die Umweltbilanz eines Lebensmittels hängt von mehreren Faktoren ab:

Der CO₂ -Fußabdruck gibt an, wie hoch die Treibhausgasemissionen sind, die bei der Produktion, Verarbeitung, Verpackung, Verteilung und dem Verkauf eines Kilogramms des Lebensmittels entstehen. Neben Kohlendioxid werden bei der Berechnung des „Carbon Footprint“ weitere Treibhausgase wie Methan oder Lachgas berücksichtigt.

Andere „Fußabdrücke“, die bei der Bewertung der Ökobilanz eines Lebensmittels einfließen können, sind der Verbrauch an Phosphat, Fläche, Wasser und Energie.

Die nachfolgende Liste orientiert sich aus Gründen der Übersichtlichkeit am CO₂-Fußabdruck. Die Daten sind der Studie „Ökologischer Fußabdrücke von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland“ (2020) des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg entnommen. Da in der Studie neben Kohlenstoffdioxid insbesondere auch Methan und Lachgas berücksichtigt wurden, wird im Folgenden der Begriff CO₂-Äquivalent verwendet für die Summe der ausgestoßenen Gase.

Wir beginnen mit dem Lebensmittel, bei dem aus unserer Liste am wenigsten Kilogramm CO₂-Äquivalent entsteht:

7,2 Kilogramm CO₂-Äquivalent entsteht bei der Produktion von einem Kilogramm Käse in Bio-Qualität. Berücksichtigt man, dass eine Person in Deutschland durchschnittlich 24 Kilogramm Käse pro Jahr isst, kommt da einiges zusammen.

Mit einem Ausstoß von 7,9 Kilogramm CO₂-Äquivalent belegt Wurstaufschnitt aus Rind den neunten Platz.

Statt zur Burger-Kette zu gehen, einfach selbst ein paar fertige Pattys aus Rindfleisch auf den Grill oder in die Pfanne hauen: Selbst gemacht ist immer besser? So einfach ist es nicht: TK-Rindfleisch liegt auf Platz acht mit einer Emission von 9,0 Kilogramm CO₂-Äquivalent.

Beim Fang von Spezialitäten-Fisch wie Thunfisch und der Tiefkühlung entstehen 10 Kilogramm CO₂-Äquivalent pro Kilogramm Fisch.

Das Butterbrot gehört zu den absoluten Klassikern beim Abendbrot. Obwohl es regional produziert werden kann, ist die Umweltbilanz alles andere als berauschend: 11,5 Kilogramm CO₂-Äquivalent entstehen bei der Produktion von einem Kilogramm Butter in Bio-Qualität. Wird Butter in konventioneller Landwirtschaft produziert, entstehen 9 Kilogramm CO₂-Äquivalent für ein Kilogramm Streichfett.

Im Vergleich zum Wasser-Fußabdruck von Butter wirkt der CO₂-Fußabdruck klein: 10.000 Liter Wasser werden für ein Kilogramm Butter benötigt.

Mit einem CO₂-Fußabdruck von 11,5 Kilogramm teilt sich Hirschfleisch den fünften Rang mit Butter in Bio-Qualität.

Die Meeresfrüchte gelten als gesunde Proteinlieferanten, die in Salaten oder in der Paella nicht fehlen dürfen. Im tiefgefrorenen Zustand sind sie jedoch alles andere als umweltfreundlich: 12,5 Kilogramm CO₂-Äquivalent werden bei der Produktion und Verarbeitung von einem Kilogramm Garnelen produziert.

Eine frische Ananas schmeckt herrlich nach Urlaub in weit entfernten Ländern. Besonders saftig ist die tropische Frucht, wenn sie per Flugzeug statt per Schiff transportiert wird. Dann kann sie länger reifen und wird erst kurz vor dem Flug geerntet. Per Schiff transportiertes Obst wird oft unreif geerntet, weil es während der Fahrt nachreift.

Doch der Flug wirkt sich extrem nachteilig auf den CO₂-Fußabdruck aus: 15,1 Kilogramm CO₂-Äquivalent wird pro Kilogramm Lebensmittel ausgestoßen.

Wird die Ananas dagegen per Schiff transportiert, liegt der Ausstoß bei gerade mal 0,6 Kilogramm CO₂-Äquivalent pro Kilogramm.

Die Flugananas teilt sich mit Rinder-Hackfleisch in Bio-Qualität den zweiten Platz. Auch hier werden 15,1 Kilogramm CO₂-Äquivalent pro Kilogramm Lebensmittel ausgestoßen. Entscheidet man sich für Hackfleisch aus konventioneller Landwirtschaft, spart man CO₂: „Nur“ 9,2 Kilogramm Co2-Äquivalent werden dann fällig.

Wie kann das sein? Ist Bio schlecht für die Umwelt? Für Biolandwirtschaft wird mehr Platz benötigt. Das ist gut für die Tiere, kann sich aber negativ auf die Umweltbilanz auswirken, wenn dafür Wälder oder Moore zu Nutzflächen umgewidmet werden. Bei Biolandwirtschaft ist das „Ertrag pro Fläche“-Verhältnis schlechter, was sich negativ auf die CO₂-Bilanz auswirkt.

„Die etwas höheren Emissionen werden durch den deutlich geringeren Pestizideinsatz, nachhaltigere Bodenbewirtschaftung und Erhöhung der Artenvielfalt mehr als wettgemacht“, erklärt Studienleiter Guido Reinhardt gegenüber der „taz“. „Hier zeigt sich, dass der alleinige Blick auf die CO₂-Emissionen nicht die ganze ökologische Wahrheit sagt.“

Das Lebensmittel mit dem höchsten CO₂-Fußabdruck ist Rindfleisch in Bio-Qualität. Wie beim Rinder-Hack hat das konventionelle Produkt eine bessere Ökobilanz als das Bio-Produkt: 13,6 Kilogramm CO₂-Äquivalent werden pro Kilogramm Rindfleisch verursacht.

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