Wismar/Papenburg  „Global One“ wird Disney-Schiff: Der Umbau wird teuer und aufwendig

Sebastian Lohse
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Von Sebastian Lohse
| 01.12.2022 11:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Gemälde von einem Schiff: So soll der von Disney Cruise Line gekaufte Ozeanliner künftig aussehen. Foto: Disney
Ein Gemälde von einem Schiff: So soll der von Disney Cruise Line gekaufte Ozeanliner künftig aussehen. Foto: Disney
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Der Umbau der „Global One“ zu einem Micky-Maus-Schiff wird teuer und aufwendig, was auch an den hohen Anforderungen Disneys liegt. Kreuzfahrtgäste dürfen sich aber freuen. Ab 2025 soll die Meyer Werft die Regie für den Bau übernehmen.

Aus der zukünftigen Königin der Meere wird eine Disney-Prinzessin. Nach der Ankündigung des Weltkonzerns, die „Global One“ der MV Werften zu kaufen, brandete vor zwei Wochen Jubel bei den Werftarbeitern in Wismar auf. Denn dort soll das Schiff fertig gebaut werden. Einfach wird das nicht, die Anforderungen sind hoch.

Disney ist bunt, schrill, familienorientiert und ein Multimilliarden-Dollar-Konzern, der von Freizeitparks über Film und Fernsehen bis hin zu Musicals, Merchandising und Micky Maus alles bietet, was man unter klassischem Entertainment versteht. Beim Thema Kreuzfahrten ist das nicht anders, wie die Papenburger Meyer Werft aus eigener Erfahrung weiß.

„Es gibt einen unglaublich hohen Detailgrad im Design und in der Innenausstattung“, betont Werft-Sprecher Florian Feimann. An Bord finden sich die typischen Themen aus Parks und Filmen wieder. „Auf der ,Disney Wish‘, die wir im Frühjahr abgeliefert haben, findet sich ein Avengers-Restaurant und eine Star-Wars-Bar.“

Die Papenburger haben neben der „Wish“ bereits zwei weitere Schiffe für Disney gebaut: „Disney Dream“ (2010) und „Disney Fantasy“ (2011). Die „Disney Treasure“ folgt 2024, ein Jahr später soll die „Global One“ mit neuem Namen und unter Micky-Maus-Flagge übergeben werden.

Neben der Detailverliebtheit eint die Schiffe eine weitere Besonderheit. „Es gibt extrem hohe Anforderungen, was die Entertainment-Technik angeht“, sagt Florian Feimann von der Meyer Werft. Davon können sich die Gäste bereits bei der Dinner-Show mit der Eiskönigin oder aufwendigen Musicals an Bord überzeugen.

Während sich am Heck der „Wish“ Rapunzel abseilt, können solche Details zum neuen Umbau noch nicht genannt werden. Dennoch gibts erste Hinweise. So wird die Anzahl der Passagiere von möglichen 9500 auf 6000 gesenkt, was in größere Kabinen münden dürfte. Außerdem wartet ein frischer Anstrich in „Monica Blue“.

Das ursprünglich geplante Groß-Casino werden die Kreuzfahrtgäste vergeblich suchen. Disney Cruise Line verzichtet aufgrund der starken Familienorientierung auf Spielhöllen an Bord seiner Schiffe.

Bei der Gestaltung wird ansonsten auf alles gesetzt, was die Lizenzmaschinerie zu bieten hat. Die sehr verspielten Highlights sind vor allem auf die Bedürfnisse des amerikanischen Markts ausgerichtet. So finden sich neben großen Shows in der „Disney Fantasy“ und „Disney Dream“ virtuelle Bullaugen in jeder Kabine mit Meeresaussicht, in die sich immer wieder Disney-Charaktere reinschummeln. Ein Dutzend Pools und über 200 Meter lange Wildwasserrutschen warten ebenfalls auf die Gäste.

Bisher planten findige Disney-Ingenieure die Schiffe von Grund auf. Die Grundlage durch die zu drei Vierteln fertige „Global One“ sei jedoch gegeben. „Wir haben uns in den vergangenen Monaten das Schiff in Wismar angeschaut und festgestellt, dass es eine echt hohe Qualität hat und auch gut gepflegt und gewartet wurde. Das ist schon mal eine sehr, sehr gute Basis“, fasst Florian Feimann die ersten Eindrücke zusammen.

Auch die 900 ehemaligen Werftarbeiter, die noch in der Transfergesellschaft verharren, sind wichtig für den Weiterbau. Am Donnerstag wurde bekannt, dass bis zu 650 von ihnen ein Angebot zur Beschäftigung bei Meyer Wismar erhalten, mindestens 400 werden eingestellt. „Damit erhält ein großer Teil der Beschäftigten in der Transfergesellschaft eine Perspektive“, erklärte MVs Wirtschaftsminister Reinhard Meyer. Das sei auch für die weitere Entwicklung des maritimen Standorts Wismar von Bedeutung.

Die IG Metall freute sich, dass schnell Klarheit geschaffen wurde und der Tariflohn der Metall- und Elektroindustrie gelte. Der Um- und Weiterbau des neuen Schiffes werde schnellstmöglich starten, wenn die wesentlichen Designänderungen mit dem neuen Eigentümer festgelegt seien.

Zum Kaufpreis der „Global One“ wurde Stillschweigen vereinbart. Nach einem Bericht des „stern“ soll Disney den Ozeanriesen allerdings zum Schnäppchenpreis erworben haben. Von 40 Millionen Euro ist die Rede. In das Schiff wurde bereits mehr als eine Milliarde Euro investiert. Noch mal so viel dürfte laut Schätzungen bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2025 hinzukommen. Die Werfthalle in Wismar wurde von der Meyer Werft für die Fertigstellung angemietet. Auch die Kosten dafür bleiben ein Geheimnis.

Für die Steuerzahler könnte es jedoch teuer werden, denn die Bürgschaften des Landes dürften bei ihnen hängen bleiben. Etwa 300 Millionen Euro hat allein MV in die Rettung der Werften gesteckt. Nun droht die Rückzahlung auszubleiben.

Weiterlesen: Böses Erwachen bei „Global Dream“: Teurer Deal für Steuerzahler?

Auch Disney ist zuletzt in schwere See geraten. Der Streaming-Dienst Disney+ läuft zwar gut, schreibt aber wegen teurer Produktionen tiefrote Zahlen. Kürzlich wurde ein massiver Stellenabbau und Einstellungsstopp bei Disney verkündet. Der Konzern setzt nun unter anderem auf ein Wiedererstarken der Kreuzfahrtbranche. Die Zeichen stehen gut. Die Erlöse im Bereich „Parks, Experiences and Products“, zu dem auch die Kreuzfahrten zählen, zogen zuletzt kräftig an.

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