Ostfriesische Brandmeisterinnen  Bei Alarm hört alles auf ihr Kommando

Doris Zuidema
|
Von Doris Zuidema
| 01.12.2022 07:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Diese beiden Frauen brennen für die Feuerwehr: Ute Sukowski, Ortsbrandmeisterin in Stedesdorf (links) und Anke Manott, Ortsbrandmeisterin in Ochtersum. Sie wurden von den Kameraden und Kameradinnen in ihren Ortswehren in dieses Amt gewählt. Foto: privat
Diese beiden Frauen brennen für die Feuerwehr: Ute Sukowski, Ortsbrandmeisterin in Stedesdorf (links) und Anke Manott, Ortsbrandmeisterin in Ochtersum. Sie wurden von den Kameraden und Kameradinnen in ihren Ortswehren in dieses Amt gewählt. Foto: privat
Artikel teilen:

Ute Sukowski und Anke Manott sind die einzigen beiden Ortsbrandmeisterinnen in Ostfriesland. Sie können in brenzligen Situationen schnell entscheiden und handeln.

Ostfriesland - Brände löschen – Männersache? Das gilt schon lange nicht mehr. Aber dass Ortsfeuerwehren von Frauen geführt werden, ist sehr selten. In ganz Ostfriesland gibt es nur zwei Ortsbrandmeisterinnen, beide im Landkreis Wittmund: Ute Sukowski in Stedesdorf (Samtgemeinde Esens) und Anke Manott in Ochtersum (Samtgemeinde Holtriem). Obwohl die beiden Frauen auf verschiedenen Wegen zur Feuerwehr gekommen sind, haben sie doch eins gemeinsam: Sie können in brenzligen Situationen schnell entscheiden und handeln.

Video
Feuerwehr: Hydranten retten Leben
07.11.2022

Ute Sukowski wollte schon als Kind zur Feuerwehr. Ihr Vater war dort aktiv und eine Weile Ortsbrandmeister. „Mein Papa war allerdings der Meinung, das ist nichts für Frauen“, erzählt sie. Doch im Jahr 1994 fand Ute Sukowski in Kerstin Janssen eine Mitstreiterin. Beide traten zusammen in die Stedesdorfer Wehr ein, als erste Frauen im Landkreis Wittmund. „Und genau 25 Jahre nachdem Papa seinen Dienst quittiert hat, bin ich Ortsbrandmeisterin in Stedesdorf geworden“, berichtet die 50-Jährige.

Mit der Feuerwehr eigentlich nichts am Hut

Nicht, dass sie das unbedingt gewollt hätte. „Ich hätte lieber in der zweiten oder dritten Reihe mitgespielt“, sagt Ute Sukowski. Doch es fand sich niemand, der den Posten übernehmen wollte. „Nach vier Bier und fünf Zigaretten habe ich dann zugesagt, die Ortswehr kommissarisch für ein Jahr zu führen.“ Das war 2020. Ein Jahr später wurde sie von ihrer Truppe für sechs Jahre gewählt.

Anke Manott hatte mit der Feuerwehr eigentlich nichts am Hut. Aber als sie erfuhr, dass die Ochtersumer Feuerwehr mit der Holtriemer zusammengelegt werden sollte, wurde die Friseurmeisterin aktiv. „Ich bin gegen eine Fusion. Aber wenn man etwas anders haben will, muss man dafür auch etwas tun“, sagt die 42-Jährige. Sie trat darum 2017 in die Ortsfeuerwehr ein. Innerhalb von fünf Jahren machte sie alle möglichen Lehrgänge, leitete eine Zeit lang die Kinderfeuerwehr und hat inzwischen sogar den Verbandsführer-Lehrgang absolviert, der sie befähigt, eine komplette Kreisbereitschaft zu kommandieren.

„Ich hätte nicht gedacht, dass mir die Feuerwehr so viel Spaß machen würde“, sagt Anke Manott. Was ihr besonders gefällt, ist das Kameradschaftsgefühl. „Jeder kann sich auf jeden verlassen. Und jeder findet seinen Platz.“ Bei Anke Manott macht die ganze Familie mit. Der Lebenspartner ist Gruppenführer, ihre beiden zehn und elf Jahre alten Kinder sind in der Jugendfeuerwehr. „Ortsbrandmeisterin zu sein, macht viel Arbeit. Da muss die Familie schon hinter einem stehen.“

Wenn der Melder piepst, schießt das Adrenalin durch den Körper

Dass sie, seit sie zur Ortsbrandmeisterin gewählt worden ist, deutlich mehr zu tun hat, empfindet auch Ute Sukowski so. „Das Amt als Ortsbrandmeisterin ist unglaublich zeitintensiv. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht wenigstens über Whatsapp Nachrichten bekomme und darauf reagieren muss.“ Gerade jetzt, im Herbst, hat sie viel zu tun. Dass die Hydranten winterfest gemacht worden sind, muss dokumentiert, die Sterbekassenlisten überprüft, die Ehrungen und Beförderungen vorbereitet, die Lehrgänge bestückt, der Jahresbericht zusammengestellt werden. Es gibt Dienstabende, Orts- und Samtgemeindekommandositzungen und, und, und. „Mal nimmt das nur zehn Minuten am Tag in Anspruch, mal sind es aber auch drei Stunden“, sagt Sukowski, die als medizinische Fachangestellte am Krankenhaus Wittmund arbeitet und Mutter eines Sohnes ist.

Feuerwehren werden weiblicher

Der Anteil von Frauen in den ostfriesischen Feuerwehren wächst. Deutlich wird das durch einen Vergleich von Einsatzabteilung-, Jugend- und Kinderwehr. Liegt der Frauenanteil in den ostfriesischen Einsatzabteilungen derzeit bei rund 12 Prozent, sind es bei der Jugendfeuerwehr bereits etwa 30 Prozent Mädchen. In den Kinderfeuerwehren liegt der Anteil der Mädchen bei fast 40 Prozent. Die Zahlen im Einzelnen:

  • Landkreis Wittmund: 1035 Einsatzkräfte, davon 127 Frauen. 322 Jugendliche in der Jugendabteilung, davon 98 Mädchen. 152 Kinder in den Kinderfeuerwehren, davon 61 Mädchen.
  • Landkreis Aurich: 2540 Feuerwehrleute gibt es in den Einsatzabteilungen, davon 345 Frauen. In den Jugendfeuerwehren 588 Jugendliche, davon 193 Mädchen. 391 Kinder in den Kinderfeuerwehren, davon sind 146 Mädchen.
  • Stadt Emden 239 Feuerwehrleute in den Einsatzabteilungen, davon sind 28 Frauen, 62 Mitglieder in den Jugendabteilungen, davon 17 Mädchen, 29 Kinder in den Kinderabteilungen, davon acht Mädchen.

Und dann sind da ja noch die Einsätze. Plötzlich. Zu jeder Tageszeit. Unvorhersehbar. Nicht so leicht einzuschätzen. „Wenn der Melder piepst, dann schießt das Adrenalin durch den Körper“, sagt Anke Manott und wirft dann schnell einen Blick auf das Display. Denn wenn ein Y vermerkt ist, bedeutet das: Menschenleben in Gefahr.

„Auch ein kleiner Brand kann sich schnell auswachsen“, sagt Ute Sukowski. „Dann kommt es darauf an, schnell und effektiv zu handeln und in kürzester Zeit die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Beiden Frauen bedeutet es viel, Menschen in Notlagen helfen zu können.

Eine Feuerwehr löscht nicht nur Feuer

Aber wie geht es weiter mit den beiden Ortsbrandmeisterinnen? „Ich bin für sechs Dienstjahre gewählt“, sagt Ute Sukowski. „Wenn dann jemand gerne das Amt übernehmen will, gebe ich es ab und freue mich über mehr Freizeit. Wenn nicht, mache ich weiter.“

In Ochtersum ist eine mögliche Fusion noch nicht vom Tisch. Die Samtgemeinde Holtriem hatte der Ortswehr eine Bewährungszeit von fünf Jahren gegeben, in denen sie sich weiterentwickeln sollte.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Anke Manott. „Die Mitgliederzahl ist seit 2017 von 27 Mitglieder auf 45 gestiegen, und wir haben eine schlagkräftige Truppe.“ Darum hofft sie auf eine positive Entscheidung. „Eine Feuerwehr löscht nicht nur Feuer, sie ist auch Dreh- und Angelpunkt des Dorfes. Wir haben 18 Kinder und fast 20 Jugendliche in den Abteilungen. Sie treffen sich hier, lernen soziale Verantwortung und wie man aufeinander aufpasst“, betont sie.

Ähnliche Artikel