Stadt Wiesmoor erhöht Beiträge  Mittagessen an Schulen und Kitas wird teurer

Jens Schönig
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Von Jens Schönig
| 29.11.2022 17:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ob Neptunplatte oder frugales Mahl: Schulalltag macht hungrig. Foto: Körner/dpa
Ob Neptunplatte oder frugales Mahl: Schulalltag macht hungrig. Foto: Körner/dpa
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Für das Mittagessen an Schulen und Kindergärten müssen Eltern in Wiesmoor ab dem kommenden Jahr tiefer in die Tasche greifen. Die Stadt gibt Preiserhöhungen des Lieferanten weiter.

Wiesmoor - „Ohne Mampf kein Kampf“ und „Ohne Verpflegung keine Bewegung“: Die beiden alten militärischen Weisheiten gelten auch für den Schulalltag. Deshalb gibt es an Wiesmoorer Schulen und Kitas Mensen, in denen die Kinder ein vollwertiges Mittagessen bekommen können. Kostenpunkt für die Eltern: 3,50 Euro pro Mahlzeit an den Schulen, 42 Euro im Monat in den Kindergärten. Bisher.

Ab dem 1. Januar sollen die Preise erhöht werden. Einen entsprechenden Beschluss hat der Schulausschuss der Stadt in seiner jüngsten Sitzung dem Verwaltungsausschuss empfohlen. Schulmenüs sollen dann vier Euro kosten, der Monatsbeitrag in den Kitas 48 Euro. Die Stadt gibt damit nach eigenen Angaben Preiserhöhungen weiter, die der Mensenbetreiber Apetito im Laufe des zurückliegenden Jahres in zwei Stufen eingeführt hatte.

500 Mahlzeiten mehr im Monat

Bereits im April hatte Apetito die Preise laut dem zuständigen Fachbereichsleiter Horst-Dieter Schoon um 5,4 Prozent erhöht. „Eine zweite Erhöhung um 9,2 Prozent gab es im August. Insgesamt zahlt die Stadt damit jetzt 14,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen die enorm gestiegenen Energiekosten sowie höhere Personalkosten wegen steigender Schüler- und Kinderzahlen.“ Dass zum Beispiel die Grundschule Wiesmoor-Mitte 50 Schüler mehr als im Vorjahr zählt, mache dabei nur einen kleinen Teil aus. Vielmehr hätten Eltern vor allem mehr Verpflegungstage gebucht. „Kinder, die bisher nur einmal die Woche dabei waren, bekommen jetzt mehrere Mahlzeiten pro Woche“, erklärt Schoon. „So werden insgesamt an den Schulen jeden Monat rund 500 Mahlzeiten mehr ausgegeben als noch 2021. Auch an den Kitas hat sich die Zahl erhöht. Deshalb mussten wir auch weiteres Personal einstellen.“

Darum müsse die Stadt bei den Preissteigerungen jetzt nachziehen und ihrerseits den Kostenanteil der Eltern erhöhen. Mit den im Ausschuss abgesegneten Preisen bewege sich die Stadt laut Schoon im Rahmen der umliegenden Kommunen. „Eine Umfrage hat ergeben, dass dort in den Schulen bereits jetzt durchschnittlich 3,70 Euro genommen werden“, erklärt er. „Im Kindergartenbereich liegt der Betrag bei monatlich 50 Euro.“

Keine Chance für „Sozialfonds“

Bereits vor zwei Wochen wurde das neue Preismodell im Mensaausschuss vorgestellt, der sich aus den Schulleitungen, den Schülervertretern sowie den Elternvertretern der Schulen und der Kindergärten zusammensetzt. „Nach einer kurzen Diskussion wurde dort dem Vorschlag der Verwaltung zugestimmt“, so Schoon. Die Elternvertreter regten dabei an, zu prüfen, ob man Eltern über das Bildungs- und Teilhabepaket des Landkreises Aurich hinaus unterstützen könnte. Hierfür solle ein erweiterter „Sozialfonds“ eingerichtet werden. Bereits jetzt sind laut Schoon zwischen zehn und 20 Prozent der Eltern im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets von den Beiträgen für das Mittagessen befreit.

Eine weitergehende Befreiung hält die Verwaltung aus rechtlichen und organisatorischen Gründen für nicht umsetzbar. „Unter anderem müsste die Stadt neue Einkommensgrenzen dafür festlegen, wer bedürftig ist und wer nicht“, so Schoon. „Dabei müssen aber auch die Vorgaben des Sozialgesetzbuchs und zugleich der Grundsatz der Gleichbehandlung beachtet werden. Dazu kommt, dass wir ja schon die Bewirtschaftungskosten für Strom, Wasser, Gas und Personal voll subventionieren.“

Nicht begeistert, aber auch nicht überrascht

Die Elternvertreter zeigten sich von der Aussicht auf steigende Beiträge naturgemäß nur mäßig begeistert. „Da überall die Preise steigen, war aber auch allen klar, dass es hier auch so kommen würde“, sagt Anja Kuhlmann, stellvertretende Vorsitzende des Elternrats der Grundschule Mitte. „Deshalb gab es auch keinen Widerstand dagegen.“ Dass sich wegen der Erhöhung Eltern aus der Schulverpflegung zurückziehen könnten, schließt sie eher aus. „Die Eltern sind ja auf das Angebot angewiesen“, sagt sie. „Dass sie zum Beispiel aus beruflichen Gründen nicht zu Hause für die Kinder kochen können, ändert sich ja nicht. Zumal die Grundschule verlässlich ist und die Verpflegung damit verpflichtend ist.“

Anders könnte das an der benachbarten Kooperativen Gesamtschule (KGS) aussehen. Dort ist aber ohnehin nur ein kleiner Teil der Schüler von der Preiserhöhung betroffen. Laut den Teilnehmerzahlen, die Schoon dem Schulausschuss präsentierte, nehmen von insgesamt etwa 1250 KGS-Schülern nur rund 30 das Mittagessen in Anspruch. Der überwiegende Teil scheint dort dem gastronomischen Angebot der Umgebung zu vertrauen.

Damit die Beitragserhöhung wirksam wird, muss ihr noch der Verwaltungsausschuss in seiner nicht öffentlichen Sitzung am kommenden Montag, 5. Dezember, zustimmen. Sie soll dann verbindlich für ein halbes Jahr gelten. „Dann müssen wir nochmal sehen, wo die Reise hingeht“, sagt Horst-Dieter Schoon. „Das Land hat kürzlich angekündigt, die Schulverpflegung eventuell zu bezuschussen. Sollte das passieren, müssten wir die Kosten und den Anteil der Stadt daran neu bewerten.“

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