Berlin  Tore, Verletzungen und eine „Lücke“: Wer ist Niclas Füllkrug?

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 28.11.2022 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Niclas Füllkrug schoss bei der WM in Katar den Ausgleichstreffer gegen Spanien. Foto: imago images/Sven Simon
Niclas Füllkrug schoss bei der WM in Katar den Ausgleichstreffer gegen Spanien. Foto: imago images/Sven Simon
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Vor einem Jahr drohte Niclas Füllkrug in der Zweiten Bundesliga auf dem Abstellgleis zu versauern. Nun schoss sich der neue Nationalspieler im Spiel gegen Spanien in die Herzen der deutschen Fußballfans. Wer ist der Stürmer, den sie bei seinem Verein Werder Bremen nur „Lücke“ nennen?

Niclas Füllkrug hat schon einige bittere Momente in seiner Karriere erlebt. Doch der 17. Oktober 2021 war für den gebürtigen Hannoveraner womöglich besonders hart. In der Vorsaison war sein Verein Werder Bremen aus der Ersten Bundesliga abgestiegen, nun befanden sich die Grün-Weißen tabellarisch im bedeutungslosen Mittefeld der Zweiten Liga.

Das Spiel gegen den SV Darmstadt 98 sollte an diesem Tag die Wende bringen, zumal der damalige Werder-Trainer Markus Anfang die Mannschaft aus Hessen gut kannte. Am Ende gingen die Bremer mit 0:3 unter. Allerdings geriet die Niederlage rasch ins Hintertreffen.

Nach dem Abpfiff kam es in der Kabine zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen Füllkrug und dem Leiter Profifußball von Werder Bremen, Clemens Fritz. Die Situation drohte zu eskalieren, Werders Ersatztorwart Michael Zetterer konnte gerade noch verhindern, dass Füllkrug und Fritz handgreiflich wurden, wie Aufnahmen der Dokumentation „Ein Jahr Zweite Liga“ zeigen.

Die Verantwortlichen bei Werder Bremen diskutierten hinter verschlossenen Türen über den Vorfall. Ergebnis: Füllkrug wird für die nächsten Spiele suspendiert und muss eine saftige Geldstrafe zahlen. Zusätzlich galt der Stürmer als Verkaufskandidat, Werder wollte den Störenfried laut Medienberichten unbedingt loswerden.

Ein Jahr später: Werder Bremen ist nach einer Saison in der Zweiten Liga wieder aufgestiegen. Gemeinsam mit seinem Sturmpartner Marvin Ducksch hatte Füllkrug daran erheblichen Anteil. An der Seitenlinie steht statt Anfang nun Ole Werner, mit dem Füllkrug deutlich besser zurechtkommt. Darüber hinaus belegt der Stürmer in der aktuellen Torjägerliste den zweiten Platz mit zehn Toren.

Die Nominierung in den deutschen WM-Kader dürfte für den 29-Jährigen bis hierhin die Krönung einer Karriere mit vielen Höhen und Tiefen sein. Ein vielversprechendes Sturmtalent war Füllkrug schon seit seiner Jugend, doch Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück.

Geboren 1993 in Hannover, spielte Füllkrug zunächst in seiner Heimat beim Tus Ricklingen und entwickelte sich schnell zu einem der begehrtesten Sturmtalente in Deutschland. 2006 folgte der Wechsel zu Werder Bremen. Das hatte nicht nur sportliche Gründe. Aufgrund der vergleichsweise geringen Entfernung zwischen Hannover und Bremen konnte der damals 15-Jährige regelmäßig Zuhause sein.

In den kommenden Jahren spielte sich Füllkrug von der B-Jugend hoch zu den Profis von Werder Bremen. Dort bekam er auch von seinem Mitspieler Marko Arnautovic den Spitznamen „Lücke“ verpasst, wegen seiner charakteristischen Zahnlücke. „Wenn du die Zähne machen lässt, bist du teilweise nicht wiederzuerkennen. Trotzdem spielt das eine Rolle in meinem Kopf und es ist schon ein Thema, das nochmal machen zu lassen“, so Füllkrug einmal im TV-Format „Meine Geschichte“ auf Sky auf die Frage, wie es ihm mit diesem Spitznamen ergeht.

Sportlich lief es für den Stürmer gut, doch im Januar 2013 verletzte sich Füllkrug am Knie und fiel längere Zeit aus. Umso schwerer fiel im die Rückkehr. Werder Bremen verlieh ihn schließlich zur Saison 2013/14 in die Zweite Liga zur SpVgg Greuther Fürth. Nach Ablauf der Leihe wollte Werder den Stürmer nicht mehr zurück, sodass er zum Zweitligisten 1. FC Nürnberg wechselte.

Doch gerade erst so richtig bei der Mannschaft angekommen, zog sich Füllkrug einen Knorpelschaden im linken Knie zu und fiel nahezu die komplette Saison 2015 aus. So suchte der Stürmer sein Glück in der Heimat und wechselte zu Hannover 96, wo seine Schwester Anna-Lena heute ebenfalls als Stürmerin für die Frauenmannschaft aufläuft.

Doch die vielen Verletzungen hatten den Fußballer sportlich arg zurückgeworfen und es brauchte einige Zeit, bis er wieder in die Erfolgsspur fand. Dafür lief es privat für Füllkrug umso besser.

2016 heiratete der Fußballer seine Freundin Lisa, die er seit der Grundschule kennt. Im Interview mit seinem damaligen Verein Hannover 96 antwortete Füllkrug einmal auf die Frage, was er am liebsten esse: „Essen bei meiner Frau.“

2019 bekam das Paar eine Tochter namens Emilia. Füllkrug nimmt sie mittlerweile regelmäßig zu Fußballspielen mit. Im November dieses Jahres durfte die Dreijährige sogar mit ihrem Vater ins Bremer Weserstadion einlaufen. Ein besonderer Moment, sowohl für den Papa als auch für die Tochter. „Es war ganz toll. Ich glaube, ich war aufgeregter als sie“, so Füllkrug gegenüber dem „Weser Kurier“.

Denn bei Hannover 96 spielt der heute 29-Jährige schon länger nicht mehr. Nachdem auch noch ein Knorpelschaden in seinem rechten Knie festgestellt wurde, musste sich der Fußballer einer Operation unterziehen und fiel erneute längere Zeit aus. Trotzdem wollte Werder Bremen sein einstiges Talent wieder zurückhaben und so wechselte Füllkrug zur Saison 2019/20 an die Weser.

Doch die Rückkehr verlief alles andere als geplant. Im September 2019 zog sich der Fußballer im Mannschaftstraining einen Kreuzband- und Außenmeniskusriss am linken Knie zu. Erst zehn Monate später konnte Füllkrug wieder ein Fußballspiel für Werder Bremen bestreiten.

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Seitdem zog sich der Werderaner keine größere Verletzung mehr zu – und konnte so endlich sein komplettes Potenzial ausschöpfen. Seitdem Ole Werner bei den Grün-Weißen auf der Trainerbank sitzt, schießt der Stürmer Tore wie am Fließband, wodurch schließlich auch Bundestrainer Hansi Flick auf Füllkrug aufmerksam wurde und ihn schließlich für die WM in Katar nominierte.

Doch bei all dem sportlichen Ehrgeiz bleibt für den 29-Jährigen die Familie immer noch das wichtigste. Als die Sportjournalistin Laura Wontorra ihn kürzlich auf eine mögliche WM-Nominierung ansprach und die Frage mit den Worten „Kommen wir mal zu den wichtigen Themen des Lebens“ einleitete, antwortete Füllkrug: „Meiner Tochter geht es gut, danke.“

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