Feiern in Ostfriesland  Wiedergeburt der Weihnachtsfeier nach Corona-Pause

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 28.11.2022 13:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Endlich mal wieder mit Kollegen auf einen Glühwein anstoßen: Diese Möglichkeiten eröffnen Weihnachtsfeiern von Firmen. Foto. Archiv
Endlich mal wieder mit Kollegen auf einen Glühwein anstoßen: Diese Möglichkeiten eröffnen Weihnachtsfeiern von Firmen. Foto. Archiv
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Zwei Jahre lang gab es keine Betriebs-Weihnachtsfeiern. Jetzt wird das Versäumte nachgeholt − und bringt ganz neue Trends hervor.

Ostfriesland - Zwei Jahre lang waren Weihnachtsfeiern in ostfriesischen Unternehmen eine große Ausnahme: Die Corona-Pandemie hat diese lockeren Traditionszusammenkünfte bei Gänsebraten und Glühwein unmöglich gemacht. Im dritten Jahr der Pandemie kehren die Firmenpartys vor dem Fest aber mit Macht zurück. Das hat eine Umfrage dieser Zeitung in einigen Betrieben und in Restaurants ergeben. Bereits Anfang Oktober seien bei ihm die ersten Buchungen dafür eingegangen, sagt Gerhard Janssen. Der Hotelier und Gastronom verfügt im Auricher Stadtteil Middels mit seinem Restaurant Alte Schmiede über viel Platz, um große Gesellschaften zu bewirten: „Das fängt an mit Gruppen von zehn Gästen und geht rauf bis 400.“ Es gebe zwar noch einige Termine, er sei aber gut ausgelastet. Damit seine 120 Mitarbeiter auch mal ausspannen können, lädt er selbst zur Weihnachtsfeier ein, streng genommen sogar zu zwei Feiern. Eine ist traditionell immer am ersten Sonnabend im Dezember. Dann feiert er zwar im eigenen Haus, das Essen komme allerdings von „auswärts“, verrät Gerhard Janssen. Kurz vor Weihnachten gibt es dann noch eine zweite Feier im kleinen Kreis.

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Zeitige Planung ist also angesagt, wenn man einen Platz in einem Restaurant bekommen möchte. Knapp wird es auch im „Pier 23“ in Leer. Chefin Maren Blumenberg spricht von einer „sehr guten Nachfrage“. Wenn man in den nächsten zwei Wochen noch bei ihr reservieren wolle, müsse man zeitlich schon sehr flexibel sein und nehmen, was übrig geblieben ist. Besser sehe es in der Woche vor Weihnachten aus. Gar keine Probleme mit Buchungen habe man, wenn man sich für eine Kickoff-Weihnachtsfeier entscheide, also nach den Festtagen gemütlich im Kollegenkreis zusammenkomme: „Dann ist es nicht so knallvoll und man kann auch mal seine Jacke über den Stuhl hängen.“ Bei größeren Gesellschaften ab zehn Personen stimme sie das Essen immer vorher mit dem Auftraggeber ab, das heißt, dass es ein einheitliches Gericht oder ein Büffet gebe. Oft mache sie auch gleich einen Kostenvoranschlag. Dann wisse jeder, wo er dran sei. A propos: Pro Person müsse man mindestens 30 Euro veranschlagen. Die Firmen seien durchaus spendabel. Es gebe viele, die sich bei ihren Mitarbeitern bedanken wollten.

Klönen, Lachen und Singen

Viele freuen sich offenbar auch auf diesen Moment des Innehaltens, wie es Heida Haltermann formuliert. Die Inhaberin des Modehauseses Silomon sagt, dass sie in diesem Jahr die lange Tradition der Silomonesen-Weihnachtsfeier wieder aufnehmen wird: „Alle Mitarbeiter unserer Geschäfte in Aurich und Norden sind eingeladen, einen festlichen Abend miteinander zu genießen. Selbstverständlich gehören auch unsere Senioren dazu.“ Sie habe die gesamte Belegschaft in einem „guten Restaurant mit großem Festsaal eingemietet“. Dort klöne, lache und singe man gemeinsam. Es könne schon mal sehr emotional werden: „In unserem Familienunternehmen sind wir einander verbunden.“

Einige Firmen haben die Corona-Pandemie bei der Organisation ihrer Feier immer noch im Hinterkopf: „Wir haben bewusst unser Modehaus als Festsaal ausgewählt, weil wir dort Abstandsregelungen besser umsetzen können“, sagt Andreas Fricke. Der Geschäftsführer des Modehauses Leffers in Leer richtet für seine 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Feier in den weitläufigen Räumen der Firma aus. Ein Catering-Unternehmen wurde beauftragt, die Belegschaft kulinarisch zu verwöhnen. Traditionell bucht die Geschäftsführung immer die Warsteiner Admiral für die Weihnachtsfeier. „Darauf haben wir in diesem Winter bewusst verzichtet“, sagt Andreas Fricke. Man taste sich erst wieder an die Feier-Normalität heran.

Das soll bei etlichen Firmen in Ostfriesland möglichst stilvoll passieren. Im Trend seien derzeit kleine Weihnachtsmärkte, die man an besonders stimmungsvollen, angemieteten Orten oder Firmensälen nachbaue − und zwar möglichst realistisch. „Die Gäste müssen die Tür öffnen, sofort ein Wow! im Gesicht haben und ausrufen: Ja, das ist Weihnachtstimmung pur“; sagt Jürgen Haase, Inhaber von Haase-Catering in Emden. So schaffe man ein schönes, hochwertiges Ambiente. Die Mitarbeiter würden nicht steif an Tischen sitzen, sondern flanieren. Das komme der Kommunikation zugute. Die ersten Aufträge für diese Weihnachtsfeiern habe er Anfang Oktober angenommen. Mittlerweile sei er ausgebucht.

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