Oberbürgermeister im Fragenhagel  Kruithoff verantwortet sich vor seinen kleinsten Kritikern

Lars Löschen
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Von Lars Löschen
| 25.11.2022 18:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
„Wo bleiben unsere Spielgeräte und wann werden unsere Schultoiletten saniert, Herr Kruithoff?“ Fotos: Löschen
„Wo bleiben unsere Spielgeräte und wann werden unsere Schultoiletten saniert, Herr Kruithoff?“ Fotos: Löschen
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Im Ratssaal der Stadt Emden konnten Grundschulkinder ihre Wünsche und Fragen äußern. Der Oberbürgermeister stand mit Antworten bereit. Doch nicht jede war positiv.

Emden - Am Freitagvormittag musste sich Tim Kruithoff (parteilos), Oberbürgermeister der Stadt Emden, viele Anregungen und Fragen anhören. Die Kritikerseite, bestehend aus gut 20 Grundschülern und sechs Erwachsenen, war nicht nur zahlenmäßig im Vorteil, sondern sprach auch die unangenehmen Themen aus den Emder Schulen an. Kruithoff agierte mit viel Verständnis, blieb jedoch zurückhaltend, was zum Beispiel die Spielplatzsituation und ein Zebrastreifen an eine der Grundschulen angeht. Die Fragerunde war Teil des zweiten politischen Wandertags für Kinder und fand diesmal im Emder Ratssaal statt. Der erste ereignete sich am 20. September im Stadtgarten.

Was und warum

Darum geht es: Grundschulkinder konnten ihre Wünsche und Fragen an Oberbürgermeister Tim Kruithoff stellen.

Vor allem interessant für: Eltern, die Kinder in einer Grundschule in Emden haben, und Lehrer

Deshalb berichten wir: Wir wurden von der Stadt Emden eingeladen, den Dialog zu verfolgen.

Den Autor erreichen Sie unter: l.loeschen@zgo.de

Die Schulkinder der Grundschulen Früchteburg, Am Wall, Wybelsum, Grüner Weg und Larrelt kamen vorbereitet: An Fragen mangelte es ihnen nicht. Manche hatten sogar einen ganzen DIN-A4-Zettel mit Stichpunkten in den Händen. Das erste Wort ergriff jedoch Tim Kruithoff selbst. Er erklärte den Kindern seine Aufgaben als Oberbürgermeister der Stadt. Außerdem machte er den Kleinen die Vorzüge einer Demokratie klar: „Die Demokratie ist die aktuell beste Staatsform“, sagte er: „Jeder darf seine Meinung sagen und zu den Wahlen gehen. Auch ich wurde vor drei Jahren zum Bürgermeister gewählt.“

Wo drückt der Schuh?

Nach der kleinen Begrüßung durften die Kinder nach der Reihe ihre Fragen stellen. Diese wurden im Vorfeld zusammen mit den Lehrern vorbereitet. Viele fragten nach neuen Spielgeräten. Meist konnte Kruithoff nur die eine Antwort geben: „Spielgeräte sind mit hohen Kosten verbunden und die Lieferzeit dauert aktuell sehr lange.“ Die Lieferzeit mache sich vor allem bemerkbar, wenn Spielgeräte und Plätze teils aus Sicherheitsgründen abgesperrt werden müssen bis ein neues aufgebaut werden kann, wie manche Kinder berichten. Für eine Schaukel der Grundschule Larrelt sehen die Pläne laut dem Oberbürgermeister schon konkreter aus: „Nächste Jahr wird das angegangen.“

Etwas mehr als 20 Grundschulkinder konnten Oberbürgermeister Kruithoff am Freitagvormittag im Ratssaal Fragen stellen.
Etwas mehr als 20 Grundschulkinder konnten Oberbürgermeister Kruithoff am Freitagvormittag im Ratssaal Fragen stellen.

Es musste zunächst ein geeigneter Ort für die Schaukel gefunden werden. Vor der Turnhalle soll sie dann stehen. Einen Lichtblick bekamen auch die Grundschüler aus Wybelsum. Sie beklagten fehlende Smartboards und nicht angeschlossene Beamer. „Es dauert zwar länger als mir lieb ist, aber wir sind auf einem guten Weg. Die Mittel sind auf jeden Fall da“, so Tim Kruithoff. Einzig die Elektroleitungen und veraltete Anschlüsse müssten noch ausgebessert werden, bevor die neuen Smartboards aufgebaut werden können.

Verhaltende Antworten

Für einen Aufreger bei der Grundschule Grüner Weg sorgt ein fehlender Zebrastreifen an der Wilhelm-Hauff-Straße. Dieser müsse laut Kindern und Lehrern unbedingt ergänzt werden. Ein Kind berichtete, dass sie und Freunde schon fast von Autos erfasst wurden und sie sich aus diesem Grund nicht mehr sicher fühlen. Ein Antrag an die Stadt wurde abgelehnt, da man keine Notwendigkeit sehe. Oberbürgermeister Kruithoff hörte sich die Forderung an und fragte nach den genauen Umständen. Er könne zwar nichts versprechen, aber „das nehmen wir als Anregung mit“. Ein weiteres Schulkind fragte nach mehr Lehrer für den Unterricht. „Wir haben ein Recht auf eine gute Bildung.“ Rückmeldung: „Gut, dass du es ansprichst, aber die Stadt Emden ist nur für die Gebäude und den Schulhof zuständig“. Lehrkräfte sind beim Land Niedersachsen angestellt, dort agiere man gerade gegen den Fachkräftemangel in Schulen.

Kostenloses Mittagessen in Schule wurde ebenfalls oft gewünscht, aber sei aktuell von der Stadt Emden nicht umsetzbar. Hier fehlten, wie auch bei den Spielgeräten, die finanziellen Mittel, hieß es. Bei der Schließung der Friesentherme Emden im kommenden Jahr konnten Grundschulen und Kruithoff nicht auf einen Nenner kommen, auch wenn man sich einigte, dass der Schwimmunterricht für Kinder immens wichtig ist.

Neue Erkenntnisse

Unterstützung bei der Integration von Geflüchteten Schülern wurde von den Kindern ebenfalls genannt. Kruithoff nahm dies zur Kenntnis, meinte aber, „dass man trotz der Umstände eine gute Integrationsarbeit“ leiste. Man habe sich auf Nachfrage um Sprachpaten und eine Hausaufgabenhilfe für Geflüchtete gekümmert.

Ein paar Kinder haben sich mit Tim Kruithoff für ein Foto zusammengestellt.
Ein paar Kinder haben sich mit Tim Kruithoff für ein Foto zusammengestellt.

Anderer Meinung ist Stadtelternratsvorsitzende Zerrin Mentjes und sagte: „Auch wenn man sich bemüht, klappt die Inklusion nicht. Daher brauchen wir Klassenbetreuungen.“ Diese Forderung wurde zusammen mit einer ganzen Liste an den Oberbürgermeister weitergegeben. Darauf stehen unter anderem auch eine qualitative Hausaufgabenbetreuung, der Erhalt der Förderschulen und Fortschritte in der Digitalisierung.

Was brachte das Gespräch?

Zum Ende fragte der Oberbürgermeister: „Was mögt ihr denn an euren Schulen?“ Schnell gingen die Finger nach oben. Viele AGs, iPads, eine schulinterne Imkerei sowie hilfreiche und unterstützende Lehrer. Dazu sagte er: „Eure Lehrer sind echte Supertypen, obwohl sie es nicht immer leicht haben.“

Doch warum das ganze? Welchen Nutzen hat das für die Kinder? Kruithoff erklärt der Redaktion: „Die Grundschüler sind selbst betroffen. Dazu kommt, dass Kinder ehrlich sind und daher diese Dinge ansprechen. Außerdem möchten wir ihnen die Demokratie näher bringen. Das bedeutet, dass man auch mal enttäuscht werden kann, wenn die eigenen Wünsche nicht berücksichtigt werden.“

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