Osnabrück Energie wird für Verbraucher nie wieder so günstig sein wie früher
Zum Jahreswechsel ziehen viele Grundversorger ihre Preise für Strom teils drastisch an. Was in den vergangenen Jahren zum Anlass für einen Anbieterwechsel genommen worden wäre, werden Verbraucher dieses Mal wohl so schlucken - auch mangels Alternativen. Und auch, weil die Strompreisbremse die Auswirkungen abfedert. Ein Ersatz für eine Reform des Strommarkts ist das nicht.
Kurz vor dem Jahreswechsel flattern sie wieder ins Haus, die Schreiben der Energieversorger. Sie informieren über Preiserhöhung zum 1. Januar - und die fallen teils drastisch aus. Der Impuls der Verbraucher, dann einfach vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen und den Versorger zu wechseln, wird in diesem Jahr nicht aufgehen. Grundversorger sind mittlerweile vielerorts die günstigsten Anbieter von Strom und Gas. Energie wird teurer, daran werden sich Verbraucher gewöhnen müssen.
Auch die Strompreisbremse, die rückwirkend zum 1. Januar gelten soll, ändert daran nur wenig. Der Deckel von 40 Cent für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs liegt deutlich über den Preisen, die noch zum Jahresbeginn pro Kilowattstunde gezahlt werden mussten. Deutlich weniger Strom zu verbrauchen, bleibt also für Haushalte die beste Art des Sparens.
Den Strompreis für Verbraucher zumindest für einen Teil des Bedarfs zu deckeln, kann aber nur der Anfang sein. Was es langfristig braucht, ist eine Reform des Strommarktes. Denn es sind die Gewinne derjenigen Unternehmen, die aufgrund des sogenannten Merit-Order-System zurzeit sehr gut an der Stromerzeugung verdienen, mit denen die Ampel-Regierung das Rabattpaket für Verbraucher und Firmen finanzieren will.
Das sind in erster Linie diejenigen, die Strom aus Wind-, Sonnen- oder Bioenergie erzeugen. Sie profitieren davon, dass sich der Preis je Kilowattstunde an der Börse nach der teuersten Erzeugungsart - in aller Regel den Gaskraftwerken - richtet. Das Problem also an den Wurzeln zu packen, wäre nur die logische Konsequenz.
Die Bundesnetzagentur veröffentlicht, aus welchen Quellen Strom erzeugt wird:
Das geht nicht im Alleingang, dafür braucht es einen europäischen Konsens. Eine Reform des EU-Strommarkts in Richtung von Differenzverträgen, sogenannter Carbon Contracts for Differences, wäre ein gangbarer Weg, der Verbraucher entlastet und Erzeugern Planungssicherheit bietet. Denn diese Verträge sichern bei niedrigen Strompreisen die Erlöse ab, die Erzeuger bei hohen Preisen weiterreichen müssen.
Es ist also letztlich eine automatisierte Art, Übergewinne zu vermeiden, die die Ampel-Regierung kurzfristig mit einem komplexen Verfahren abschöpfen will. Das Vorhaben der Politik wird kompliziert und muss handwerklich gut gemacht werden, damit der Plan nicht endet wie die gescheiterte Gasumlage - und somit am Ende der Steuerzahler das Entlastungspaket selbst zahlt. Denn Energieversorger erhalten die höheren Preise so oder so.