Höhere Gaspreise  Norder Stadtwerke-Kunden sind im grünen Bereich

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 25.11.2022 15:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Stadtwerke Norden sind mit dem Verhalten ihrer Kunden zufrieden. Insgesamt betreibt das Unternehmen 11.000 bis 12.000 Stromzähler und 7.000 bis 8000 Gaszähler, hieß es jetzt bei einem Pressetermin mit Manuel Diekmann (von links), Hilko Jürgens und Thorsten Schlamann. Foto: Hillebrand
Die Stadtwerke Norden sind mit dem Verhalten ihrer Kunden zufrieden. Insgesamt betreibt das Unternehmen 11.000 bis 12.000 Stromzähler und 7.000 bis 8000 Gaszähler, hieß es jetzt bei einem Pressetermin mit Manuel Diekmann (von links), Hilko Jürgens und Thorsten Schlamann. Foto: Hillebrand
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95 Prozent der Norder Stadtwerke-Kunden zahlen höhere Abschläge, als es nötig wäre. Auch weitere gute Neuigkeiten gibt es. Dazu kommen noch ein paar Tipps.

Norden - Obwohl die Stadtwerke Norden zum Jahreswechsel kriegsbedingt zum ersten Mal die Preise kräftig anziehen, sind ihre Kunden auf einem guten Weg. Das machten am Freitag Manuel Diekmann (Leiter Kundenservice und Vertrieb), Thorsten Schlamann (Kaufmännischer Geschäftsführer) und Hilko Jürgens (Marketing und Öffentlichkeitsarbeit) bei einem Pressegespräch deutlich. Alleine fürs Gas lägen die Abschlagsbeträge der Kunden derzeit schon so hoch, dass bei vermutlich 95 Prozent von ihnen am Ende etwas übrig bleibt, hieß es bei dem Termin.

Was und warum

Darum geht es: Die Gas- und Strompreise der Stadtwerke Norden steigen um 50 beziehungsweise 35 bis 40 Prozent. Laut den Stadtwerken ist die Lage aber im Griff.

Vor allem interessant für: Kunden der Stadtwerke Norden

Deshalb berichten wir: Die Stadtwerke hatten uns zu einem Pressegespräch eingeladen.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Zudem sind sie bislang sehr sparsam. Im Oktober vergangenen Jahres sei über 20 Prozent mehr Gas verbraucht worden als in diesem Oktober. Der sei zwar der wärmere von beiden gewesen: Dafür aber sei dieser Monat bislang kälter als der November 2021 und trotzdem seien jetzt weitere 16 Prozent eingespart worden. Das es sich bei dem geringeren Verbrauch um bewusste Einsparungen im Privatbereich und nicht um zum Beispiel Ausfälle in der Wirtschaft handelt, lasse sich für Norden leicht sagen, da es hier keine große Industrie gebe.

Das sind die Gründe für das Plus

Außer den höheren Abschlagszahlungen, den bis zuletzt relativ milden Temperaturen, der von 19 auf sieben Prozent gesenkten Gas-Mehrwertsteuer und der größeren Sparsamkeit wird aber auch die sogenannte Dezember-Soforthilfe zu einem voraussichtlichen Plus bei der Jahres-Endabrechnung führen. Dabei werde der Gasverbrauch vom ganzen Jahr 2022 durch zwölf geteilt und mit dem Arbeitspreis (inklusive Grundgebühr) von diesem Dezember malgenommen. Wie der Name schon vermuten lässt, ist die Grundgebühr ein monatlicher Festpreis für den Anschluss. Der Arbeitspreis ergibt sich hingegen aus der verbrauchten Gasmenge.

Laut Schlamann, Diekmann und Jürgens dürfen sich die Kunden allerdings wundern, wenn Anfang Dezember trotz Soforthilfe Geld für Gas eingezogen wird. Dabei handele es sich noch um den Abschlag für November. Für den Dezember werde grundsätzlich kein Abschlag eingezogen, sondern es gebe nur elf Abbuchungstermine pro Jahr. Damit mache man es seit vielen Jahren Unternehmen bei Stichtags-Abrechnungen leichter – eine weit verbreitete Methode auch bei anderen Energieversorgern, hieß es.

So stark steigen die Preise

Während der Grundpreis für Gas ab Januar je nach Vertrag zwischen 3,48 und 11,77 Euro Brutto im Monat liegen wird, bewegen sich die Arbeitspreise dann zwischen 14,30 und 15,98 Cent pro Kilowattstunde. Im Schnitt lasse sich damit von einem etwa doppelt so hohen Gaspreis wie bisher sprechen. Beim Strom liegt der Grundpreis bald zwischen 7,93 und 12,89 Euro bei einem Arbeitspreis zwischen 39,03 und 39,95 Cent. Im Schnitt sind das 35 bis 40 Prozent mehr. Das sei aber noch immer so wenig, dass die Strompreisbremse nicht greife, hieß es. Der Arbeitspreis für Wasser steigt indes von 1,48 Euro Brutto pro Kubikmeter auf 1,69 Euro.

Damit stehe man im Vergleich zu anderen Energieversorgern gerade in Bezug auf das Gas noch gut da. Auch innerhalb Ostfrieslands zähle man definitiv zu den „günstigeren Anbietern“. So wird der durchschnittliche Arbeitpreis Gas bundesweit zum Jahreswechsel von mehr als 20 Cent auf dann voraussichtlich 25 bis 30 Cent steigen. Das habe zuletzt für viele Anfragen bei den Stadtwerken geführt – auch von weit außerhalb. Theoretisch könne nämlich auch beispielsweise jemand in Bayern Energie aus Norden beziehen. Allerdings gebe es wegen der hohen Nachfrage derzeit einen Aufnahmestopp. Mehr als 300 Interessierte stünden bereits auf der Warteliste, woran sich auch wohl im kommenden Jahr nichts ändern werde.

Bestandskunden werden unter „Rosinenpickern“ leiden

Die Stadtwerke erklären das mit dem langfristigen Einkauf, der zuletzt vor der kriegsbedingten Preisexplosion erfolgte und von dem nun die Bestandskunden noch eine Weile profitieren sollen. Diese wolle man für ihre Treue belohnen, was allerdings immer schwieriger werde. So gebe es trotz regulärem Aufnahmestopp immer wieder Neuzugänge.

Es handle sich dabei um Personen im Netzgebiet, deren Verträge mit anderen Energieanbietern enden. Viele von diesen Anbietern seien „Rosinenpicker“, die nur dann Energie einkaufen, wenn es günstig ist und Verträge kurzfristig wieder platzen ließen, wenn sich das ändere. Grundversorger wie die Stadtwerke seien dann gesetzlich verpflichtet, den Verbrauchern fortan Strom, Gas und Wasser zu liefern. Das sei auch der Grund, warum sich nicht sagen lasse, wie lange die Bestandskunden der Stadtwerke noch von der in der Vergangenheit günstig eingekauften Energie profitieren können und wann teurer nachgekauft werden muss.

In fünf Jahren nur noch grünen Strom

Auch um diese Folgen abzufangen, wollen die Stadtwerke in Zukunft noch stärker auf selbst produzierte grüne Energie setzen und sich dadurch unabhängiger vom Gesamtmarkt machen, kündigt Schlamann an. Schon jetzt lieferten eigene Windkraftanlagen 60 bis 70 Prozent des Stroms in allen Privathaushalten. In fünf Jahren sollen es 100 Prozent sein.

Auch wenn laut Darstellung der Stadtwerke in Norden vieles besser läuft, als ursprünglich erhofft, stellt man sich allerdings auch dort auf Härtefälle ein. Auf Kunden also, die sich aufgrund der höheren Energiepreise verschulden werden. Mit ihnen werde man nach „individuellen Lösungen“ suchen.

Gleichzeitig weisen die Stadtwerke darauf hin, dass es in Norden gerade in den Privathaushalten noch einiges an Einsparpotenzial gebe. Viele Häuser seien 50 oder 60 Jahre alt und energetisch nicht auf dem neuesten Stand. Da helfe es, die Heizung in ungenutzten Räumen abzustellen, Durchflussbegrenzer für Wasserhahn und Dusche zu nutzen und auf das Stoßlüften statt auf gekippte Fenster zu setzen. Was die Heiztemperatur angeht, so spare jedes Grad weniger sechs Prozent Energie ein. Wer auf die Suche nach Stromfressern im eigenen Haus gehen will, kann sich zudem kostenlos ein Messgerät bei den Stadtwerken ausleihen und das Ergebnis hinterher mit den Mitarbeitern durchsprechen.

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