Osnabrück So viel Rente ist maximal möglich – und was Sie dafür tun müssen
Theoretisch ist es möglich, etwa 3000 Euro Rente im Monat zu bekommen. Die Realität ist allerdings ernüchternd. Ein Überblick, unter welchen Voraussetzungen Arbeitnehmer dies erreichen können.
Um eines vorwegzunehmen: Wer eine möglichst hohe Rente beziehen will, muss dafür im Wesentlichen zwei Voraussetzungen erfüllen - erstens direkt von Beginn des Erwerbslebens an überdurchschnittlich gut verdienen und dies zweitens über 45 Jahre lang durchhalten. Denn nur so lässt sich die maximal mögliche Anzahl an Entgeltpunkten, auch Rentenpunkte genannt, sammeln, die letztlich über die Höhe der späteren Rente entscheiden. In der Theorie ist es damit in Deutschland möglich, etwa 3000 Euro Rente im Monat zu bekommen. Die Realität allerdings ist ernüchternd. Doch der Reihe nach.
Die Höhe einer Rente ist von der Dauer und der Höhe der zugrundeliegenden Beitragszahlungen abhängig. Heißt: Wer länger als andere Beiträge einzahlt oder höhere Beiträge, der wird später in der Regel auch eine höhere Rente erhalten.
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Die monatliche Rentenhöhe berechnet sich dabei aus der sogenannten Rentenformel:
Monatliche Bruttorente = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor
Der aktuelle Rentenwert beträgt zurzeit im Westen 36,02 Euro, im Osten 35,52 Euro. Der Zugangsfaktor und der Rentenartfaktor haben beide den Wert 1, wenn Versicherte nicht vorzeitig in Rente gehen und es sich bei der Rente um die normale Altersrente handelt.
Die Zahl der Rentenpunkte, die Versicherte pro Jahr maximal erhalten können, ist wiederum gedeckelt. Das liegt an der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze. Diese liegt aktuell bei 84.600 Euro im Jahr beziehungsweise 7.050 Euro im Monat. Das heißt: Für einen Verdienst oberhalb dieser Grenze werden keine Rentenversicherungsbeiträge gezahlt; der Teil des Gehaltes, der die Grenze übersteigt, fließt also nicht in die Berechnung der Rentenpunkte ein.
Zugleich gilt: Für jedes Jahr, in dem der Versicherte das Durchschnittsgehalt aller Versicherten verdient, erhält er genau einen Rentenpunkt. Aktuell liegt das vorläufige jährliche Durchschnittseinkommen bei 38.901 Euro. Das heißt, wer aktuell 38.901 Euro im Jahr verdient, erwirbt nach einem Jahr Beitragszahlung einen Entgeltpunkt.
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Um nun zu berechnen, wie viele Rentenpunkte pro Jahr maximal möglich sind, teilt man die Beitragsbemessungsgrenze - also die 84.600 Euro - durch das Durchschnittsgehalt des Jahres - sprich durch 38.901 Euro. Denn der tatsächliche Jahresbruttoverdienst zählt eben maximal nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Das Ergebnis: Wer die Beitragsbemessungsgrenze erreicht, also aktuell 7.050 Euro monatlich verdient, kann 2022 bis zu 2,18 Rentenpunkte erhalten - mehr geht nicht. Doch dafür müssten Versicherte auch mehr als doppelt so viel wie der Durchschnitt verdienen.
Wie hoch eine maximal mögliche Rente ist, lässt sich nun relativ einfach errechnen: Dafür müsste ein Arbeitnehmer auf 45 Beitragsjahre kommen, in denen er immer ein Entgelt an oder oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze verdient hat. Setzt man dann die derzeit maximal möglichen 2,18 Rentenpunkte pro Jahr an, hätte er am Ende des Erwerbslebens insgesamt 98 Rentenpunkte erworben.
Setzt man diese Werte in die Formel zur Berechnung der monatlichen Bruttorente, würde ein Arbeitnehmer unterm Strich angesichts der aktuellen Rentenwerte eine Bruttohöchstrente von 3.533 Euro im Monat erhalten.
Die Rechnung ist in dieser vereinfachten Form jedoch äußerst unrealistisch. Einerseits, weil sich die Höhe der maximal möglichen Rentenpunkte pro Jahr ebenso wie die aktuellen Rentenwerte im Laufe der Zeit ändern. Andererseits schaffen nur sehr wenige Arbeitnehmer es, überhaupt 45 Jahre ununterbrochen in die Rentenkasse einzuzahlen. Noch seltener sind Arbeitnehmer, die zusätzlich in dieser Zeit immer ein derartiges Spitzengehalt verdienen.
Ähnliches belegt auch eine Rechnung der Deutschen Rentenversicherung: Demzufolge würde ein Rentner, der in den alten Bundesländern von 1977 bis 2022 stets entsprechende Höchstbeiträge eingezahlt hat, ab dem 1. Januar 2022 „nur“ eine monatliche Bruttorente von 2.962 Euro bekommen – also deutlich weniger als die oben grob errechneten 3.533 Euro. Doch auch das ist kaum erreichbar.
Eine Statistikauswertung aus dem Rentenbestand zeigt zudem, dass in ganz Deutschland Ende 2021 nur gut 54.000 Rentner einen Rentenzahlbetrag von 2.500 Euro und höher erhalten haben. Allerdings: Beim Rentenzahlbetrag ist bereits von der Bruttorente der Eigenanteil des Rentners zur Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen, sodass es sich hier daher um eine Nettogröße vor Steuern handelt.