Hamburg  James Taylor flutet Hamburgs Zeltphilharmonie mit Wärme

Markus Lorenz
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Von Markus Lorenz
| 24.11.2022 08:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Meisterlicher Geschichtenerzähler an der Gitarre: James Taylor. Foto: James O‘Mara
Meisterlicher Geschichtenerzähler an der Gitarre: James Taylor. Foto: James O‘Mara
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Der US-Musiker überzeugt bei seinem Konzert im Hamburger Hafen. Der mehrfache Grammy-Gewinner bewies eindrucksvoll, dass er auch mit 74 Jahren noch einen besonderen Zauber entfalten kann.

Das Publikum in der fast ausverkauften Zeltphilharmonie hat die Jacken lieber angelassen. Ein bisschen frisch ist es in dem Großzelt am Kreuzfahrtterminal Steinwerder, das im Winter als Pop-up-Location dient. Doch den Zuhörern soll schnell ganz wohlig werden, als ein älterer Herr mit Schirmmütze und Schlabber-Sakko auf der Bühne zur Akustikgitarre greift. Singer-Songwriter-Legende James Taylor wird in den folgenden gut 90 Minuten mehr als genügend Wärme verbreiten – mit seiner samtigen Stimme und kleinen, sympathischen Erzählungen zu den 21 Songs aus mehr als 50 Jahren.

Es beginnt mit „Something In The Way She Moves“ vom Debütalbum aus dem Jahr 1968, und schon da zeigt sich: Nicht nur der Hauptdarsteller ist von besonderer Qualität, auch seine musikalische Begleitung spielt in der obersten Liga. Steve Gadd am Schlagzeug, Michael Landau an der Gitarre und Jimmy Johnson am Bass geben dem Programm einen hochkarätigen Rahmen, was ebenso für den dreiköpfigen Backgroundchor gilt.

James Taylor, einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Folk-Rock-Künstler Amerikas, hat weltweit eine treue Anhängerschaft. Dass der sechsfache Grammy-Gewinner als Jugendlicher unter schweren psychischen Problemen litt und als Erwachsener durch die Heroinhölle ging, findet sich in seinen Songs wieder. Seine Drogensucht hat er in „Fire And Rain“ verarbeitet, das in Hamburg ebenso wenig fehlt wie „That’s Why I’m Here“. Das Lied, so erzählt Taylor, habe er nach dem Drogentod seines Freundes John Belushi Mitte der 1980er Jahre geschrieben. „Erst danach konnte ich mich aus meiner Abhängigkeit befreien.“

Dennoch ist es kein schwermütiger Auftritt, im Gegenteil. Taylor, dessen Stimme auch im Alter von 74 Jahren nichts von ihrer Klarheit verloren hat, zelebriert mit seinen Mitmusikern ein Best-of aus fünf Jahrzehnten, kaum einer der großen Hits fehlt. „Sweet Baby James“ – mit einem fulminanten Geigen-Intro von Backgroundsängerin Andrea Zonn – ist dabei, „Copperline“ als Hommage an eine Heimat North Carolina, ein mitreißendes „How Sweet It Is“, aber auch die Carole-King-Klassiker „Up On The Roof“ und „You’ve Got A Friend“. Und beim Rausschmeißer „How Sweet It Is“ ist schon lange niemandem unter den begeisterten Besucher mehr kalt im Zelt.

Das Konzert in Hamburg war das letzte der Europa-Tournee von James Taylor. Es werde lange dauern, sagt er, bevor er wiederkomme. Und wohl jeder Zuhörer denkt: Hoffentlich behält er Unrecht.

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