Ende der Finanzierung Ostfriesische Impfteams setzen bald die letzten Spritzen
Im Kreis Leer gab es zuletzt viel Interesse am Impfen, anderswo eher nicht so. Fest steht: Spätestens zum Jahresende ist Schluss – weil das Land nicht mehr zahlt.
Ostfriesland - Die mobilen Corona-Impfteams der ostfriesischen Behörden ziehen schon demnächst die letzten Spritzen auf – denn spätestens zum Jahreswechsel ist Schluss mit dem Impfen durch die Landkreise und die Stadt Emden. Das hat das Land Niedersachsen verfügt, indem es die Finanzierung der mobilen Impfangebote zum neuen Jahr flächendeckend einstellen wird. Jens Gerdes vom Landkreis Leer teilt etwa mit, dass noch bis zum 30. Dezember geimpft werde, „allerdings in etwas eingeschränkter Form, da bis zum Jahresende nicht mehr alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung stehen“. Die genauen Standorte und Zeiten würden noch bekanntgegeben. Mit dem Ende der Finanzierung aus Hannover bleibt nur noch die Möglichkeit der Impfungen in Arztpraxen.
Rainer Müller-Gummels vom Kreis Aurich schreibt: „Letzter Impftag in Schirum wird der 16. Dezember sein, wobei der Betrieb schon eingeschränkt wurde.“ Geimpft werde noch am 24., 25., 28., 29. und 30. November sowie am 7., 8., 9., 14., 15. und 16. Dezember – jeweils von 8.15 bis 15.30 Uhr. Laut Theda Eilers, Sprecherin der Stadt Emden, werde es im ambulanten Test- und Impfzentrum bis zum 16. Dezember mit dem Normalbetrieb weitergehen. „Vom 19. bis zum 23. Dezember bleibt zudem noch eine Impfmöglichkeit für Nachzügler*innen erhalten.“ Ralf Klöker vom Kreis Wittmund teilt mit, dass noch bis zum 22. Dezember Termine buchbar seien. Einrichtungen könnten sich aber noch für Termine bis zum Jahresende an 04462/9159770 oder per Mail an mit@drk-wittmund.de wenden.
Wie sieht es mit der Nachfrage aus?
„Im Oktober bis Anfang November gab es ein großes Interesse an den Auffrischungsimpfungen (Booster), und vor allem die vierte Impfung wurde stark nachgefragt“, schreibt Gerdes. Der neue Omikron-Impfstoff habe das Interesse „sicherlich beflügelt“. Mit Stand von Dienstag seien durch den Landkreis Leer 1680 Viert- und 477 Fünftimpfungen mit den angepassten Vakzinen gespritzt worden. „Zurzeit sinken die Zahlen etwas, aber trotzdem wird bei den Mobilen Impfteams kaum Impfstoff verworfen“, so der Pressesprecher des Landkreises Leer. Übriger Impfstoff werde täglich an später schließende Standorte weitergegeben, außerdem würden Impfwillige abends eventuell gebeten, am nächsten Tag wiederzukommen, um nicht noch ein Fläschchen Impfstoff öffnen zu müssen, dass nicht komplett verbraucht werde.
Durch den Kreis Wittmund werden laut Klöker 15 Impfungen pro Tag durchgeführt. Es habe bisher „so gut wie keine Entsorgungen“ ganzer Fläschchen – sogenannter Vials – gegeben, aber: „Am Ende eines jeden Impftages verbleiben einzelne Impfdosen in den Vials, welche verworfen werden müssen.“ Im Kreis Aurich ist die Resonanz „stark rückläufig“, laut Müller-Gummels wurden vergangene Woche noch 129 Impfungen durchgeführt. Es habe aber auch Wochen mit weniger als 60 Spritzen gegeben. In Emden lagern laut Eilers 300 Dosen an Omikron-BA.1 angepasstem Biontech-Impfstoff, „der wohl nicht verbraucht werden wird“. Grund: Das Gesundheitsministerium habe darauf gedrängt, mit BA.1-Impfstoff mit den Auffrischungen loszulegen – ehe wenige Tage später bereits der BA.4/5-Impfstoff freigegeben und fortan dieser verwendet worden sei.
Wer bekommt jetzt die vierte Impfung?
Die Emder Impfärzte halten sich nicht streng an die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). „Im Rahmen der ärztlichen Beratung wird unter Beachtung der medizinischen Vorgaben abgeklärt, ob es medizinische Ausschlussgründe gibt“, schreibt Pressesprecherin Eilers. Falls es die nicht gebe, werde jeder geimpft, der das möchte. Die ostfriesischen Landkreise zeigen sich nicht ganz so offen. „Es wird weiterhin gemäß der Stiko-Empfehlung geimpft“, heißt es vom Kreis Aurich. Auch Gerdes vom Kreis Leer schreibt: „Die Impfteams halten sich an die Stiko-Empfehlung.“ Allerdings liege die Entscheidung bei den Ärzten, sodass „durch individuelle Gegebenheiten im Einzelfall durchaus eine abweichende Impfung möglich“ sei. Unseren Informationen zufolge wurden schon durchaus Personen, auf die die Stiko-Empfehlung nicht zutrifft, im Kreis Leer geimpft.
Ralf Klöker schreibt für den Kreis Wittmund: „Die Ärzte halten sich grundsätzlich an die Stiko-Empfehlung.“ Jedoch sei zu beobachten, dass die meisten Impfwilligen eine Indikation aus dem Stiko-Katalog vorliege und kaum jemand weggeschickt werden müsse. Die Stiko empfiehlt aktuell Personen ab 60 Jahren, Bewohnern in Pflegeeinrichtungen, Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Covid-19 Verlauf in Einrichtungen der Eingliederungshilfe, Personal von medizinischen und Pflegeeinrichtungen sowie Personen ab fünf Jahren mit einem erhöhten für einen schweren Covid-19-Verlauf durch Krankheit die vierte Spritze. Bei besonders gefährdeten Personen – beispielsweise Hochbetagten oder Menschen mit Immunschwäche – könne auch eine fünfte Impfung sinnvoll sein, heißt es.
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