Neuer Service in Aurich  Schulen dürfen Tamponspender aufstellen

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 23.11.2022 16:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Frau nimmt am Waschbecken einer Toilette kostenlose Tampons und Binden aus einer Holzkiste. Ein solches Angebot soll es künftig auch an Auricher Schulen geben. Foto: Anspach/dpa
Eine Frau nimmt am Waschbecken einer Toilette kostenlose Tampons und Binden aus einer Holzkiste. Ein solches Angebot soll es künftig auch an Auricher Schulen geben. Foto: Anspach/dpa
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Die städtischen Schulen in Aurich dürfen künftig Spender für kostenlose Binden und Tampons aufstellen. Ob sie es tatsächlich tun werden, ist jedoch fraglich.

Aurich - Schulen sollen kostenlos Binden und Tampons an Schülerinnen ausgeben, auch schon im Grundschulalter. Diese Forderung der Grünen im Auricher Rat hat nach Angaben der Ratsfrau Viola Czerwonka überregionales Medieninteresse geweckt. Sie habe unter anderem eine Interviewanfrage vom NDR bekommen, sagte die Grünen-Politikerin am Dienstagabend in der Sitzung des Sozialausschusses. „Das Thema ist wirklich gesellschaftlich relevant.“

Auch im Netz hatte die Tampon-Debatte Wellen geschlagen. Als diese Zeitung im Oktober über den Grünen-Vorschlag berichtete, wurde der Beitrag auf Facebook fast 150 Mal kommentiert und kontrovers diskutiert. Es gab viel Lob („Daran sollten sich andere Bundesländer ein Beispiel nehmen“), aber auch Häme („Ja, ja, immer die Ostfriesen“). Einige Kommentatoren zweifelten gar am Verstand der Grünen-Ratsfrau.

„Vor schwierigen Situationen bewahren“

Die Verwaltung hat den Vorschlag ernst genommen und sämtliche Schulen in städtischer Trägerschaft kontaktiert. Das sind zwölf Grundschulen und die Realschule. Letztere gibt schon seit Jahren im Sekretariat bei Bedarf Binden und Tampons an Schülerinnen aus. „Wir wollen sie vor schwierigen Situationen bewahren“, hatte Schulleiterin Kathrin Peters im Oktober im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt.

Bei den Grundschulen sei die Anfrage in den meisten Fällen eher mit Verwunderung aufgenommen worden, sagte Fachdienstleiterin Brigitte Weber. Obwohl bei manchen Mädchen die Regelblutung bereits mit neun oder zehn Jahren einsetzt, sieht man dort keinen Bedarf. In einzeln auftretenden Notfällen helfe das weibliche Kollegium aus, heißt es. Die Verwaltung hat ausgerechnet, dass die Anschaffung von 65 Tampon- und Bindenspendern für die Damentoiletten von Schulen und Turnhallen 8450 bis 11.700 Euro kosten würde (130 bis 180 Euro pro Stück). Hinzu kämen Kosten für Montage und Füllmaterial.

„Nichts von außen aufdrängen“

Ob die Schulen solche Spender aufstellen werden oder nicht, bleibt ihnen überlassen. Die Realschule habe bereits signalisiert, dass sie an der Regelung mit dem Sekretariat festhalten wolle, so Weber. Czerwonka findet das nicht gut. Das Angebot sei besser als nichts, aber eine Hemmschwelle bleibe: „Ich kann mir vorstellen, dass viele aus Scham nicht ins Sekretariat gehen wollen würden.“ Die Ausschuss-Vorsitzende Ingeborg Hartmann-Seibt (SPD) warnte jedoch vor einer Bevormundung der Schulen: „Wir können ihnen doch nichts von außen aufdrängen.“ Auch der Erste Stadtrat Hardwig Kuiper schlug vor, das Ganze lieber als Angebot zu formulieren.

Dieses Angebot erhalten nun neben den Schulen das Familienzentrum und das Jugendzentrum. Wenn die Verantwortlichen es wollen, können sie dort Tampon- und Bindenspender aufstellen. Acht Ausschussmitglieder stimmten für den Vorschlag, fünf dagegen. Damit ist er angenommen.

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