Warten auf Betreuungsplatz Kita- und Krippenausbau in Emden zeigt Wirkung
In der Vergangenheit bekamen in Emden bis zu 200 Kinder keinen Platz in Krippe oder Kindergarten. Dank neuer Gruppen verbessert sich die Versorgungsquote. Doch dafür gibt es eine neue Herausforderung.
Emden - Trotz gesetzlichen Anspruchs fehlen in Emden weiterhin Betreuungsplätze in Krippen, Kindertagesstätten (Kita) oder Horten. Zum Stichtag 1. Oktober dieses Jahres standen auf einer Warteliste der Stadt Emden 172 Namen von unversorgten Kindern. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich die Versorgungsquote sowohl für Kinder unter drei Jahre als auch bei den Drei- bis Sechsjährigen allerdings verbessert. Um die Situation vor allem für berufstätige Eltern, die auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder angewiesen sind, zu verbessern, haben die Stadt und ihre verschiedenen Partner in den vergangenen Jahren den Ausbau massiv vorangetrieben. Zuletzt öffnete im Stadtteil Harsweg der Kindergarten „Kinnerhuus middenmang am Stadtwald“. Träger ist die Ostfriesische Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (OBW), die ostfrieslandweit mit ihren Einrichtungen und Angeboten aktiv ist.
Was und warum
Darum geht es: Bildung in Emden: In der Stadt fehlen nach wie vor freie Plätze in Kinderbetreuungseinrichtungen.
Vor allem interessant für: (Berufstätige) Eltern mit Kindern oder Kinderwunsch
Deshalb berichten wir: Im Jugendhilfeausschuss des Emder Rates gab die Stadt einen aktuellen Überblick zur Versorgungssituation in Krippen und Kitas. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Wie Renate Bonn-Sommer von der städtischen Fachberatung für Kindertagesstätten und Fachdienstleiter Jörg Christians am Dienstag in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Emder Rates mitteilten, sind die nächsten Ausbauschritte schon konkret. Erst am vergangenen Freitag war in Barenburg das Richtfest für einen Kita-Nebau. Die geplante Eröffnung ist im Sommer 2023.
Die nächsten Ausbauschritte
Erweitert wird parallel die Kita „Up Padd“ in Larrelt, wo eine zusätzliche Ganztagsgruppe mit 25 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren betreut werden soll. In der ehemaligen Emsschule in der Innenstadt soll im nächsten Jahr der offizielle Baubeginn für eine neue Kita sein, dazu werden in Borssum die Planungen für einen Kita-Neubau aufgenommen werden.
Dass die Warteliste Anfang Oktober, also einige Wochen nach Beginn des neuen Kindergarten- und Krippenjahres, dennoch 172 Einträge hat, wollte Renate Bonn-Sommer relativiert wissen. So sei 61 dieser Kinder beziehungsweise deren Eltern nachträglich ein Platz angeboten worden. Es sei aber nicht angenommen worden. „Diese Familien kann man nicht als unversorgt bezeichnen“, findet Bonn-Sommer.
Die Kinder aus der Ukraine
Verteilt auf die unterschiedlichen Altersgruppen zeigt sich folgendes Bild: 85 der 172 Plätze auf der Warteliste entfallen auf Kita-Kinder, 79 betreffen das Krippenalter. Lediglich in acht Fällen ist Bedarf für eine Schulkinderbetreuung im Hort angemeldet worden. „Wir versuchen weiter, Restplätze zu vermitteln“, so die Fachberaterin.
Nicht erfasst auf der Liste sind indes 42 ukrainische Kinder, die derzeit unversorgt sind. Ihre Vermittlung auf reguläre Plätze gestaltet sich schwierig, sagten Renate Bonn-Sommer und Jörg Christians. Als einen Grund gaben sie die mangelnde Mobilität der Eltern an. Viele der aus der Ukraine geflüchteten Familien, die in Borssum, Barenburg oder der Innenstadt leben, seien nicht ohne weiteres in der Lage, die Kinder in andere Stadtteil in eine Einrichtung zu bringen. Doch gerade in diesen drei Vierteln sei die Versorgung „noch nicht ausreichend“, heißt es.
Betreuungsquote im Aufwärtstrend
Als positiv bewertet die Verwaltung die Entwicklung der Versorgungssituation für das Stadtgebiet insgesamt. So verbesserte sich die Quote bei den über Dreijährigen von 93,9 Prozent auf zuletzt 95,1 Prozent. Noch deutlicher fällt die Zunahme bei den unter Dreijährigen aus. Hier legte die Versorgungsquote um fast fünf Prozentpunkte auf 36,4 Prozent zu. Nimmt man die Ein- bis unter Dreijährigen, für die der Rechtanspruch greift, beträgt die Quote 52,9 Prozent. Vor zwei Jahren waren es 45,5 Prozent. Allerdings ist dieser Effekt zum Teil auf gesunkene Kinderzahlen zurückzuführen.
Unter dem Strich steht für Bonn-Sommer dennoch fest: „Der Ausbau der Plätze macht sich bemerkbar.“ Die Stadt sieht sich demnach auf einem guten Weg.