Dr. Astrid Gesang scheidet aus  Neuer Klinikchef wird alleiniger Steuermann

Marion Luppen
|
Von Marion Luppen
| 21.11.2022 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Ubbo-Emmius-Klinik Aurich soll geschlossen und durch eine Zentralklinik ersetzt werden. Foto: Archiv/Ortgies
Die Ubbo-Emmius-Klinik Aurich soll geschlossen und durch eine Zentralklinik ersetzt werden. Foto: Archiv/Ortgies
Artikel teilen:

Nach Claus Eppmann verlässt auch Dr. Astrid Gesang die Geschäftsführung der Kliniken in Aurich, Emden und Norden. Der künftige Klinikchef Dirk Balster hat eine unmissverständliche Bedingung gestellt.

Aurich - Die medizinische Geschäftsführerin Dr. Astrid Gesang (63) wird die Kliniken Aurich, Emden und Norden zum Jahresende verlassen. Das hat die Redaktion aus zuverlässiger Quelle erfahren. Ein Aufhebungsvertrag sei unterschriftsreif, heißt es. Von der Trägergesellschaft und vom Landkreis Aurich war am Montag keine Stellungnahme zu bekommen. Sie verwiesen auf eine geplante Pressemitteilung.

Dr. Astrid Gesang scheidet aus der Geschäftsführung der Kliniken aus. Foto: Archiv/Doden
Dr. Astrid Gesang scheidet aus der Geschäftsführung der Kliniken aus. Foto: Archiv/Doden

Gesang, die ihr Amt 2016 angetreten hatte, ist seit Monaten krankgeschrieben und hat die Geschäftsführung faktisch schon verlassen. Die Chirurgin, Notfallärztin und Betriebswirtin aus Velbert (Nordrhein-Westfalen) war seinerzeit angetreten, um in Aurich, Emden und Norden ein Wir-Gefühl zu erzeugen, wie sie es ausdrückte. Ihr Geschäftsführerkollege Claus Eppmann hat sich am 11. November in den Ruhestand verabschiedet.

„Ein wirklich sympathischer Mensch“

Neuer, alleiniger Geschäftsführer wird zum 1. Januar Dirk Balster. Der 56-jährige Diplom-Ökonom wird nun das Projekt Zentralklinik weiter vorantreiben. Die drei bestehenden Kliniken sollen geschlossen und durch ein 814-Betten-Haus in Uthwerdum ersetzt werden. Balster ist seit mehr als 20 Jahren im Gesundheitswesen tätig, davon zehn Jahre in überwiegend alleiniger Geschäftsführungsverantwortung für das Klinikum Chemnitz, den bundesweit viertgrößten kommunalen Maximalversorger mit mehr als 1700 Betten. In dieser Zeit habe sich der 56-Jährige einen exzellenten Ruf in der Krankenhauslandschaft erarbeitet und das dortige städtische Klinikum „nachhaltig auf ein medizinisch exzellentes und wirtschaftlich äußerst gesundes Fundament gestellt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Trägergesellschaft.

Dirk Balster, dreifacher Weltmeister im Rudern, wird Chef der Kliniken in Aurich, Emden und Norden. Foto: Trägergesellschaft
Dirk Balster, dreifacher Weltmeister im Rudern, wird Chef der Kliniken in Aurich, Emden und Norden. Foto: Trägergesellschaft

Es ist kein Zufall, dass Balster alleiniger Geschäftsführer wird. Er habe unmissverständlich klargemacht, dass er nur unter dieser Bedingung die Stelle antreten werde, hat die Redaktion erfahren. Der 56-Jährige sei ein „wirklich sympathischer Mensch“ und lege Wert darauf, alle mitzunehmen, sagt ein Insider. Der Bewerber habe Angebote aus Köln und München abgelehnt und sich bewusst für Ostfriesland entschieden. Balster selbst wollte sich am Montag auf Anfrage der Redaktion nicht zu seinem künftigen Arbeitsplatz äußern. „Gerne ab dem 2. Januar“, sagte der gebürtige Ostwestfale. „Ich bitte um Verständnis.“ Dem Vernehmen nach hat der 56-Jährige bereits eine Wohnung in Aurich. Auch dazu schwieg er.

Dreifacher Weltmeister im Rudern

Balster hat eine sportliche Vergangenheit. Er ist dreifacher Weltmeister im Rudern. 1989, 1990 und 1991 holte er mit dem Deutschland-Achter den Titel. Nun also wird er alleiniger Steuermann der Kliniken. Vor einem Jahr hatte es noch geheißen, dass die Trägergesellschaft einen dritten Geschäftsführer bekommen solle, der sich um den kaufmännischen und administrativen Part der bestehenden Krankenhäuser kümmert. Vorstellungsgespräche liefen bereits.

Eppmann solle sich auf die Planung der Zentralklinik konzentrieren, Gesang auf das Medizinische, so der Plan. Auch als Gesang vor sechs Jahren ins Boot geholt wurde, hatte die Geschäftsführung aus drei Personen bestanden. Damals war noch der Emder Klinikchef Dr. Ulrich Pomberg an Bord. Er verließ den Posten jedoch im November 2016, parallel zu Gesangs Amtsantritt. Seine Stelle wurde nicht wieder besetzt.

„Ich habe da gar keine Sorge“

Die Redaktion hat den ärztlichen Direktor der Ubbo-Emmius-Klinik Aurich nach seiner Meinung gefragt. Ist es für Dr. Karl Friedemann Hopf ein Problem, dass es künftig keinen medizinischen Geschäftsführer mehr geben wird? Kommen die Interessen der Ärzte und des Pflegepersonals dadurch zu kurz? „Nein, ich habe da gar keine Sorge“, sagt Hopf. Er habe auch schon an Unikliniken gearbeitet, in denen es nur einen Geschäftsführer und keinen ärztlichen Direktor gab. „Das hat auch funktioniert.“ Er und seine Kollegen aus Emden und Norden seien völlig offen, welche Lösung der neue Geschäftsführer vorschlägt. Dessen Erfolge sprächen für sich. „Ich habe keine Bedenken.“

Der Auricher Landtagsabgeordnete Wiard Siebels (SPD) bewertet die Frage nach einer Einzel- oder Doppelspitze für die Kliniken neutral, wie er es ausdrückt. „Es kommt aus meiner Sicht nicht darauf an, ob es ein, zwei, drei oder x Geschäftsführer sind. Der entscheidende Punkt ist, was diese Leute zuwege bringen, ob sie einen guten Job machen. Das würde ich nie an der Zahl festmachen.“

Das Aktionsbündnis zum Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser findet es grundsätzlich positiv, nur noch einen Geschäftsführer einzusetzen. „Da geht es ja auch um viel Geld“, sagt Sprecher Hendrik Siebolds (Aurich). Der künftige Klinik-Geschäftsführer Dirk Balster habe viel Erfahrung. „Da kann ich nichts Negatives sagen.“ Das Bündnis lehnt den Bau einer Zentralklinik ab und plädiert für den Erhalt der bestehenden Krankenhäuser in Aurich, Emden und Norden.

Ähnliche Artikel