Schutz vor Kontamination  Krummhörner Wehr hofft auf mehr Komfort am Einsatzort

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 22.11.2022 09:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei Bränden können die Feuerwehrleute schnell mit giftigen Partikeln in Berührung kommen. Das Foto entstand in diesem Jahr bei einem Feuer in Grimersum. Archivfoto: Feuerwehr
Bei Bränden können die Feuerwehrleute schnell mit giftigen Partikeln in Berührung kommen. Das Foto entstand in diesem Jahr bei einem Feuer in Grimersum. Archivfoto: Feuerwehr
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Dixi-Klos, mobile Umkleiden und mehr: Das wünscht sich die Krummhörner Feuerwehr am Einsatzort und hofft auf 19.000 Euro dafür. Das sind die Hintergründe.

Krummhörn - Frauen stehen in Unterwäsche in der Kälte, die nächste Toilette ist weit weg, der Körper und die Einsatzkleidung sind verdreckt oder gar verseucht: Darauf muss man sich als Mitglied der Krummhörner Feuerwehr einstellen. Zumindest noch, denn in Zukunft soll einiges besser werden. Darauf hofft zumindest Markus Schink, der kürzlich im Namen seiner Kameraden ein neues Hygienekonzept im Feuerschutz-Ausschuss des Gemeinderats vorstellte. Mindestens 19.000 Euro sollen für dessen Umsetzung im nächsten oder übernächsten Jahr investiert werden. Vermutlich wird es aber teurer werden, da diese Schätzung vom Vorjahr stamme und die Preise in allen möglichen Bereichen steigen, machte Schink deutlich.

Was und warum

Darum geht es: Die Krummhörner Feuerwehr hofft auf neues Equipment, das ihr die Arbeit erleichtern soll und sicherer macht.

Vor allem interessant für: Steuerzahler, Feuerwehrleute und diejenigen, die diese schon mal bei sich zu Hause auf die Toilette gelassen haben

Deshalb berichten wir: Das Thema wurde jetzt im Feuerschutz-Ausschuss des Krummhörner Rates behandelt.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Er wies darauf hin, dass die Feuerwehrfrauen und -männer immer mal wieder mit gefährlichen oder unhygienischen Stoffen und Gütern in Kontakt kommen, die sich auch leicht auf der Kleidung ablagern können. Seien es Rußpartikel bei Bränden oder sonstige Verschmutzungen wie Blut und Ausscheidungen bei Rettungseinsätzen. Es bestehe die Gefahr von Krebs, Infektionskrankheiten, Lungen- und Nervenschäden. Darum sollen sich die Feuerwehrleute noch an der Einsatzstelle umzuziehen, um ihre Wachen, privaten Wohnungen und Häuser sauber zu halten.

Ihlower haben 200.000-Euro-Duschwagen

Gerade schaffe man einen Rollwagen mit Waschmöglichkeiten an, so Schink. Weiterhin hoffe man auf eine mobile Stiefelwäsche, auf nach Geschlechtern getrennte und beheizte Umkleidezelte, auf zur Verfügung gestellte Trainingsanzüge und auf mobile Dixi-Toiletten an der Einsatzstelle. Auf die Forderung nach mobilen Duschen, wie sie die Feuerwehr Ihlow habe, verzichte mach jedoch. Zum einen würde diese 200.000 Euro kosten, zum anderen dauere es 20 Minuten, bis das Wasser warm sei. Zwar gebe auch günstigere Duschanhänger, aber bei denen müsse das Abwasser extra entsorgt werden, erklärte Schink.

Eine weitere Maßnahme zum Schutz nach Einsätzen sei zudem eine Schwarz-Weiß-Trennung in Gerätehäusern vorgesehen. Dabei handelt es sich um räumliche und organisatorische getrennte Bereiche, damit der Schmutz von Körper, Kleidung und Ausrüstung nicht mit dem weißen Bereich in Verbindung kommt. Laut Vorgabe werde die schmutzige Einsatzkleidung fachgerecht gereinigt und dürfe nicht mit nach Hause genommen werden.

Manchmal muss bei Nachbarn geklingelt werden

Das Konzept der Feuerwehr wurde jetzt erst einmal nur ohne politischen Beschluss vorgestellt, machte auch die Verwaltung der Gemeinde deutlich. Abgestimmt werde erst im kommenden Jahr. Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) schlug jedoch vor, schon einmal zu schauen, ob Haushaltsreste für die gewünschten Trainingsanzüge genutzt werden können.

Manuel Goldenstein ist der Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands Aurich. Auf Nachfrage teilt er mit, dass zwar im Landkreis gelegentlich über das Thema mobile Toiletten gescherzt werde. „Jedoch scheinen diese bei größeren Einsätzen der Feuerwehren sinnvoll zu sein.“ Wenn es mal dringend werde, würden die meisten Feuerwehren im Kreis derzeit bei Nachbarn klingeln und man bringe sie wenn nötig zum Feuerwehrhaus, sobald sich die Lage am Einsatzort wieder entspanne. „Trainingsanzüge haben viele Feuerwehren angeschafft und eingeschweißt oder in einer Kiste auf den Fahrzeugen verlastet.“

Neue Feuerwachen trennen nach sauber und dreckig

Viele Einsatzfahrzeuge würden zudem bereits über ein sogenanntes Hygieneboard verfügen, welches zum einfachen Waschen genutzt werden kann. Damit ist der erwähnte Rollwagen gemeint. „Wasser, Seife, Desinfektionsmittel und Einmalhandtücher sind dort angebracht und kann aus einer der Geräteräume der Fahrzeuge herausgezogen werden. Viele Feuerwehren, die nicht über ein solches Board verfügen, haben die Hygiene-Materialien in einer Kiste auf dem Fahrzeug verstaut.“

Auch Goldenstein geht noch einmal auf das Thema Schwarz-Weiß-Trennung ein, worauf man bei neuen Feuerwehrhäusern achte. So würden sich dort zum Beispiel die Umkleiden und Duschen direkt an der Fahrzeughalle befinden. „Das Betreten der Gruppenräume, Büros, Küchen o.ä. ist mit Einsatzkleidung nicht gestattet.“ In älteren Feuerwehrhäusern improvisiere man, indem man sich vor den Gebäuden oder schon am Einsatzort umziehe. Die Ihlower hätten es da besonders gut. In dem erwähnten Duschwagen könne man in einer „Einbahnstraße“ Bekleidung ablegen, duschen und am Ende des Fahrzeugs gleich neue anziehen.

Dahingegen müssten sich die meisten anderen Feuerwehrleute, die sich in brennenden Gebäuden aufhielten, im Freien umziehen. Sie müssen dabei aufpassen, sich keinen Ruß ins Gesicht zu wischen und sollten vor der Reinigung auch nicht trinken oder essen. Wenn man sich doch einmal mit kontaminierter Kleidung in ein Fahrzeug der Feuerwehr setze, müsse dieses halt im Anschluss gereinigt werden, was in der Regel ohnehin passiere.

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