Natur- und Tierschutz Kastrationsaktion läuft mit angezogener Handbremse
Bei der diesjährigen Katzen-Kastrationsaktion in Niedersachsen war das Kontingent auf 15 Tiere pro Praxis begrenzt. Die Tierärzte im Landkreis Aurich blieben so deutlich unter der bisherigen Quote.
Aurich/Ihlow - Die sechste landesweite Kastrationsaktion in Niedersachsen seit 2018 lief im Landkreis Aurich in diesem Jahr mit angezogener Handbremse. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren war die Zahl der pro Praxis über diese Aktion kastrierten Katzen auf maximal 15 Tiere begrenzt. So sollte eine gerechtere Verteilung der Gelder erreicht werden.
„Die 15 Kastrationen waren bei uns bereits nach vier Tagen durch“, teilte eine Mitarbeiterin der Auricher Tierarztpraxis Wagner und Bruns mit. Dort hatte man sich für diese Aktion mit dem Tierschutzverein Aktive Tierfreunde Ostfriesland in Norden zusammengetan. Bisher konnten die Tierarztpraxen täglich fünf Tiere anmelden. So kamen in der 14-tägigen Aktion wesentlich mehr Tiere zusammen.
Nur ein Zehntel der Tiere behandelt
„Bei uns wurde in den vergangenen Jahren etwa die zehnfache Anzahl an Katzen behandelt“, sagt Dr. Hansjörg Heeren von der Tierarztpraxis im Friesenhof in Ihlow. Bisher hätten sich die Gemeinde und Privatmenschen mit Fallen an der Aktion beteiligt, um streunende Tiere zu fangen und kastrieren zu lassen. „In diesem Jahr mussten wir den Leuten, die wieder mitmachen wollten, absagen“, so Heeren: „Für den Naturschutz ist das keine gute Entwicklung.“
In diesem Jahr konnten Tierschutzvereine, Tierheime sowie Privatpersonen, die ehrenamtlich kontrollierte Futterstellen betreuen, vom 7. bis 21. November Streunerkatzen kostenlos bei den teilnehmenden Tierärzten kastrieren lassen. Dabei wurden die Tiere auch mit einem Transponder gekennzeichnet und beim Tierregister Tasso registriert.
Seit dem Start 13.236 Tiere kastriert
Jährlich werden so rund 2000 verwilderte Hauskatzen und Kater behandelt und registriert. Das Land Niedersachsen stellt für diese Aktion 150.000 Euro zur Verfügung. Damit knüpft das Land an die fünf Aktionen der Vorjahre an: Insgesamt wurden seit 2018 so 13.236 verwilderte männliche und weibliche Katzen behandelt.
Auch in diesem Jahr beteiligen sich der Deutsche Tierschutzbund Landesverband Niedersachsen, Findefix das Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, Tierschutzorganisation und Haustierregister Tasso, der Verband der niedersächsischen Tierschutzvereine und der Bund gegen Missbrauch der Tiere an der Aktion. Somit kommen zu den Landesmitteln noch Spenden von insgesamt 55.000 Euro hinzu.
Tiere verbreiten Krankheiten
„Durch die Aktion wird die unkontrollierte Vermehrung der herrenlosen Katzen und damit viel Leid und Elend der unversorgten Katzen verhindert. Dies funktioniert nur, wenn auch die Besitzerinnen und Besitzer von Katern ihre Vierbeiner nicht unkastriert ins Freie lassen. Die Tiere sollten vor dem ersten Freigang, wenn sie fortpflanzungsfähig sind, unbedingt kastriert werden, um Streunerkatzen vor weiterem Nachwuchs zu schützen“, betont die Landesbeauftragte für Tierschutz, Michaela Dämmrich.
Dämmrich hatte das Bündnis für Katzenschutz im Jahr 2017 ins Leben gerufen. „Kastriert werden bei dieser Aktion nur herrenlose Streunerkatzen, die vorab bei der zuständigen Stadt oder Gemeinde als Fundtier gemeldet wurden“, erläutert Dämmrich. Die rot-grüne Landesregierung sieht in ihrem Koalitionsvertrag vor, eine landesweite Pflicht zur Kastration und Registrierung von Hauskatzen mit Freigang einzuführen.
Dem Elend ein Ende setzen
In 486 niedersächsischen Kommunen gelten bereits sogenannte Katzenschutzverordnungen, in denen festgelegt ist, dass Hauskatzen mit Freigang kastriert, gekennzeichnet und registriert werden müssen. Noch immer leben zahlreiche verwilderte Hauskatzen in Niedersachsen. Die unkontrollierte Vermehrung von ausgesetzten und verloren gegangenen Hauskatzen, die auf sich alleine gestellt verwahrlosen, an Hunger leiden und von Krankheiten und Parasiten heimgesucht werden, stellt ein großes Problem dar.
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Gegen das Elend verwilderter Katzen hilft nur eines
Streunerkatzen und deren Nachkommen sterben ohne menschliche Versorgung und Betreuung an den Folgen der Mangelernährung oder aufgrund von Infektionskrankheiten meist schon als Jungtiere vor Erreichen des ersten Lebensjahres qualvoll. Die Katzen leiden an Parasiten wie Magen-Darm-Würmern, Toxoplasmen sowie Milben und Flöhen. Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Katzenschnupfen, Katzenleukose und feline Anämie können sich ungehemmt ausbreiten und führen unbehandelt zum Tod. Sie sind somit auch eine Gefahr für alle Hauskatzen, die sich bei Freigang anstecken können. Die Katzen bekommen in aller Regel zweimal im Jahr bis zu sieben Junge.