Berlin Arktis: Möglicher Kipppunkt im Meer erreicht – mit dramatischen Folgen
Sie gelten als „Point of no return“: Klima-Kipppunkte. In Grönland soll einer von ihnen erreicht worden sein. Mit dramatischen Folgen.
Sie sprechen von einem „Regimewechsel“. Ein internationales Forschungsteam hat bei Beobachtungen des Meeresgebietes vor Südost-Grönland mildere Temperaturen festgestellt. Auch entdeckten sie eine hohe Zahl von Finn- und Buckelwalen, die darauf hindeuten, dass das marine Ökosystem kippt.
Die Eisschilde in Grönland reagieren zwar nur langsam auf die Klimakrise, das bedeutet aber auch, dass, sobald der Schmelzvorgang im Gang ist, er nicht mehr aufzuhalten ist - unabhängig davon, wie die Erdbevölkerung sich weiter verhält. Wenn das Eisschild in den kommenden Jahrhunderten weiter abschmilzt, könnte das zu einem Meeresanstieg von bis zu sieben Metern führen, schreiben die Forscher.
Die Studie wurde vom Greenland Insitute of Natural Resources geführt und vom National Institue of Aquatic Resources der Technischen Universität von Dänemark unterstützt.
Klima-Kipppunkte sind Veränderungen, die zu abrupten, irreversiblen und gefährlichen Auswirkungen mit schwerwiegenden Folgen für die Menschheit und die Erde führen können, wie die Forscher erklären. Selbst eine globale Erwärmung von ein Grad Celsius, eine Schwelle, die bereits überschritten wurde, birgt die Gefahr, Kipppunkte auszulösen. Beispiele dafür sind der Anstieg des Meeresspiegels, Verlust von Wäldern und Korallenriffen sowie Freisetzung von Kohlenstoff durch das Auftauen von Permafrost.
Diese Schwellenwerte sind vergleichbar mit einer Tasse auf einem Tisch: Schiebt man sie Richtung Rand, passiert zunächst nichts - bis sie an einen Kipppunkt gerät, an dem sie abstürzt. Für die Klimakrise heißt das etwa: Die Schmelze in einer Eisregion erreicht einen Punkt, an dem sie nicht mehr aufzuhalten ist. Sind Eisregionen abgeschmolzen, ist das Eis weg. Besonders gefährlich sei dies, wenn ein Kipppunkt zu einem weiteren führe.
Neben der Gletscherschmelze gibt es weitere kritische Punkte, die der Klimakrise weiteren Schwung geben können. Die Abholzung und Brände der Urwälder, wie beispielsweise im Amazonas, führen zu einem größeren Kohlenstoffausstoß. Schon jetzt stößt der Amazonas-Regenwald laut einer Studie mehr CO2 aus, als er aufnimmt. Je weniger Bäume ein Regenwald hat, desto weniger Wasser wird über ihre Blätter verdunstet - das wiederum führt zu weniger Niederschlag. Weitere Kipppunkte sind der verlangsamte Golfstrom und die verringerte Kohlenstoffaufnahme durch das Meer.
Die Forscher sehen einen dringenden Handlungsbedarf. Sie attestieren dem Weltklimarat (IPCC) in einer Studie, sich noch nicht ausreichend mit möglichen katastrophalen Folgen des Klimawandels befasst zu haben. Keiner der 14 Sonderberichte des IPCCs behandele extreme oder katastrophale Klimaveränderungen.
Klimaforschern zufolge muss die Erderhitzung bei 1,5 Grad gestoppt werden, um die Überschreitung gefährlicher Kipppunkte zu vermeiden und die katastrophalsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Die internationale Gemeinschaft hat sich auf dieses Ziel verständigt - tut aber längst nicht genug, um dieses politisch umzusetzen.