Berlin  Wie Klimaaktivisten „Wetten dass...?“ gekapert haben

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 20.11.2022 20:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fernsehshow "Wetten, dass..?" Foto: Philipp von Ditfurth
Fernsehshow "Wetten, dass..?" Foto: Philipp von Ditfurth
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Der Wettkönig bei „Wetten dass...?“ ist ein Klimaaktivist. Mit seinem Auftritt in der Show will er sein Heimatdorf Lützerath retten, das einem Braunkohletagebau weichen soll.

Mehr als zehn Millionen Menschen haben am Samstag „Wetten, dass..?“ im TV verfolgt. Eine große Bühne, die der Wettkönig des Abends für eine besondere Botschaft nutzte. Marten Reiß kommt nämlich nach eigenen Worten aus dem von der Braunkohleförderung bedrohten Dorf Lützerath in NRW - und für dessen Erhalt will er sich einsetzen.

Reiß gewann am Samstagabend nicht nur seine Wette, bei der er mit Hilfe seines sogenannten Kreuzblicks Fingerabdrücke erkannte. Er setzte sich auch deutlich im Publikums-Voting gegen die übrigen Wettkandidaten durch. Sein Preisgeld - immerhin 50 000 Euro - wolle er für den Erhalt von Lützerath einsetzen, sagte Reiß noch vor der Abstimmung. „Lutzi bleibt“, riefen daraufhin die mitgereisten Unterstützer im Saalpublikum in Friedrichshafen.

„Du hast einen gewaltigen Schritt getan, dieses Bewusstsein in die Nation zu tragen“, sagte Moderator Thomas Gottschalk nach der gewonnenen Wette zu Reiß. „Heute haben sicher viele zugeschaut, die von Lützerath nichts mehr gehört hatten. Oder noch nie was gehört haben. Jetzt wissen sie‘s.“

Wie das ZDF später der „Bild“ mitteilte, war man von der Aktion überrascht. Den Hintergrund des Kandidaten habe man vorher nicht geprüft. Bei der Bewerbung würden lediglich „allgemeine Angaben“ zur Person gemacht.

Trotz der Aktion ihres Mitstreiters scheint die Sendung kein Vergnügen für die Aktivisten gewesen zu sein: „Das war eine unerträgliche Sendung voll von sexistischem Getatsche Gottschalks zur Bespaßung der Verdrängungsgesellschaft“, schreibt der „Aktionsticker Lützerath“, auf dem Twitter-Konkurrenten Mastodon. „Wenn ihr uns die Sendezeit nicht gebt, dann nehmen wir sie uns! Primetime fürs Klima!“, heißt es dort weiter.

Thomas Gottschalk war im Nachhinein von der Kritik nicht beeindruckt: „Ich mache das für die zehn Millionen Menschen, die zuschauen. Wer sich von mir genervt fühlt, hat heute mehr Alternativen auf seiner Fernbedienung als jemals zuvor“, erklärte der Showmaster.

Lützerath ist ein kleines Dorf, das zur Stadt Erkelenz gehört. Mittlerweile ist es jedoch weitgehend entvölkert, da es einem Braunkohle-Tagebau weichen soll. Seit Jahren protestiert dort die Klimabewegung mit zahlreichen Bündnissen.

(mit dpa)

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