Krank nach Corona-Impfung Nach der Impfung fing das Leiden erst richtig an
Geschädigte nach einer Corona-Impfung organisieren sich immer besser. Sie fordern eine Anlaufstelle für Betroffene mit Post-Vac-Syndrom, möglichst auch im Landkreis Aurich oder Leer.
Ostfriesland - Sie sind oft müde, schnell abgeschlagen, kämpfen gegen Gliederschmerzen. Rappeln sich aber immer wieder auf, wenn sie schlechte Tage hatten. Jeder von ihnen hat ein anderes Krankheitsbild. Doch etwas eint sie: Sie leiden unter Schäden infolge einer Corona-Impfung. Fachleute sprechen von einem Post-Vac-Syndrom. Im Landkreis Aurich haben die Betroffenen dieser Erkrankung ein Gesicht gegeben. Vor sechs Wochen hat eine Wiesmoorerin im Kreis-Gesundheitsausschuss auf das Problem aufmerksam gemacht. Vor zehn Tagen haben gleich mehrere Betroffene die Gelegenheit zur Öffentlichkeitsarbeit in der Einwohnerfragestunde einer Kreistagssitzung genutzt.
Was und warum
Darum geht es: Menschen mit Post-Vac-Syndrom unterstützen sich gegenseitig.
Vor allem interessant für: Männer und Frauen, die unter Long Covid leiden oder unter dem Post-Vac-Syndrom
Deshalb berichten wir: Nachdem die Redaktion ein Post-Vakzin-Opfer aus Wiesmoor vorgestellt hatte, wollten wir am Thema dranbleiben und schauen, wie die Politik reagiert.
Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Eine von ihnen war Gaby Winter. Die 50-Jährige lebt in Hohenkirchen in der Gemeinde Wangerland. Sie hat sich im Juni 2021 mit dem Impfstoff Astra Zeneca impfen lassen, der vier Monate später in Deutschland nicht mehr zur Verfügung stand. Es hatten sich Berichte über mögliche Risiken des Covid-19-Impfstoffs gehäuft. Sehr selten sollen Thrombosen aufgetreten sein. Laut Paul-Ehrlich-Institut bei weniger als 0,01 Prozent der geimpften Patienten. Dazu zählte auch Gaby Winter, die ihren Beruf als Krankenschwester aufgeben musste und derzeit auf Pharmazeutisch-Technische Assistentin (PTA) umsattelt.
Familiäre Probleme werden besprochen
Die Mutter zweier erwachsener Kinder sagt, dass ihr der Austausch mit anderen Betroffenen über Whatsapp-Gruppen sehr wichtig sei. In den Foren würden nicht nur Tipps gegeben, an welche Ärzte man sich wenden könnte, es würden auch familiäre Probleme zur Sprache gebracht: „Mir geht es noch vergleichsweise gut. Ich muss mir keine finanziellen Sorgen machen. Mein Mann kümmert sich um mich.“ Sie kenne allerdings alleinerziehende Patienten, die wirklich große Schwierigkeiten hätten, vor allen Dingen mit der Betreuung der Kinder. Die Whatsapp-Gruppen seien regional und bundesweit organisiert. „Die Deutschland-Gruppe besuche ich selten, weil es dort zu unübersichtlich ist. Es gibt Tausende von Betroffenen.“ Die Symptome von Long Covid und dem Post-Vac-Syndrom sind ähnlich. Deshalb gibt es für beide Erkrankungen derzeit in Deutschland nur eine Anlaufstelle, und zwar an der Uniklinik Marburg. Diese wurde von Professor Bernhard Schieffer eingerichtet, der eigentlich Experte für Herzerkrankungen ist.
Weil in seiner Kardiologie zum Jahreswechsel 2020/2021 viele Patienten vorstellig wurden, deren Symptome sich medizinisch nicht fassen ließen, wurde er hellhörig. Er stellte einen Zusammenhang zwischen Symptomen und der eigentlich überstandenen Corona-Infektion her und gründete die Ambulanz. Er fordert die Erhebung von mehr Daten über Long Covid und Impfschäden, und zwar europaweit. Außerdem sagte er der Deutschen Presseagentur: „Wir brauchen ein Nationales Long-Covid-Institut. Da müssen Fachleute aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten. Und die Datenerhebung in Deutschland muss gefördert werden. Wir müssen besser verstehen, warum manche Menschen an Long Covid erkranken. Wer erkrankt? Was sind die Risikogruppen? Es braucht endlich mehr Transparenz.“
Kreis will Patienten mit Post-Vac-Syndrom unterstützen
Die Leidenszeit einer jungen Frau aus Wiesmoor
Betroffene aus dem Landkreis Aurich möchten erreichen, dass es auch in der Region eine Anlaufstelle gibt. Landrat Olaf Meinen (parteilos) hatte bei der Kreistagssitzung versprochen, das Thema bei der nächsten Zusammenkunft mit seinen Amtskollegen aus Weser-Ems zu besprechen. Das sei auch passiert, sagte ein Sprecher des Landkreises auf Anfrage. Meinen habe das Problem angesprochen, um ein „Lagebild“ zu erhalten. Dabei habe sich herausgestellt, dass den Landräten in den anderen Kreisen „eine vergleichbare Problemlage nichts bekannt ist“.