Sanierung der Osterstraße Kauffrau verärgert über falsche Versprechungen der Stadt Aurich
Eigentlich sollte die Pflasterung der Osterstraße von Gerlach bis zur Drogerie Maaß am Freitag beendet sein. Doch davon kann keine Rede sein. Die Stadt hat sich aber etwas einfallen lassen.
Aurich - Das Versprechen war vollmundig: Bis Freitag, 18. November, wird die Osterstraße von Juwelier Gerlach bis zum Abschnitt hinter der Drogerie Maaß mit neuem Natursteinpflaster versehen sein, sodass ein ungetrübtes Weihnachtsgeschäft möglich ist. Das hatten die Verantwortlichen der Stadt Aurich beim jüngsten Pressetermin Ende Oktober in Aussicht gestellt. Die Wirklichkeit sieht anders aus: „Sie sind nicht fertig geworden. Das regnerische Wetter hat die Arbeiten unmöglich gemacht“, vermutet Almuth Maaß. Sie deutet auf die Abflussrinne in der Mitte der Straße. Sie wirke wie ein Wall. Das Wasser, das sich in dem Sandbett sammle, könne nicht abfließen. Mitunter seien sogar Pumpen eingesetzt worden, damit die Mitarbeiter der Firma Strabag die Verlegearbeiten fortsetzen konnten.
Was und warum
Darum geht es: Bauarbeiten in der Osterstraße schaden Kauffrau.
Vor allem interessant für: alle, die an einer intakten Kaufwelt in der Innenstadt interessiert sind
Deshalb berichten wir: Die Redaktion hatte den Ist-Zustand in der Osterstraße mit dem abgeglichen, was beabsichtigt war, und nachgefragt. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Für die Unwägbarkeiten durch das Wetter hat die Drogerie-Betreiberin noch Verständnis. Was sie aber überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist die Szenerie vor ihrer Haustür. „Ich weiß nicht, warum in die Mitte der Straße ein mobiles Toilettenhäuschen, Bauzäune und ein Arbeits-Fahrzeug platziert wurden“, sagt Almuth Maaß mit einem Anflug von Verbitterung. Die Drogerie-Inhaberin ringt seit Mai 2019 mit den Folgen der Fußgängerzonen-Sanierung. Oster- und Burgstraße sollen nach fast 50 Jahren ein anderes Pflaster, moderne Möbel und Lampen erhalten. Eine Aufwertung, zweifelsohne, wenn die Aktion Ende 2023 abgeschlossen ist. Doch bis dahin müssen die Anwohner manche Kröte schlucken: Lärm, Dreck, schwierige Erreichbarkeit.
Passantin schaut in einen „Abgrund“
Auch am Freitagmittag wird das deutlich. Eine Passantin, die mit dem Rollator unterwegs ist, steht an der Abflussrinne in der Mitte der Osterstraße und kommt aus eigener Kraft nicht weiter. Steine wurden noch nicht verlegt. Die 15 Zentimeter zwischen Kante und dem Sandbett erscheinen ihr wie ein Abgrund. Nach einigen Minuten erhält sie Hilfestellung von einer jungen Frau, die zuerst den Rollator auf die andere Seite trägt und dann der Passantin den Arm reicht, damit sie abgestützt über das Sandbett gehen kann. „Mit einem Rollstuhl kommt man hier gar nicht weiter“, sagt Almuth Maaß, die die Szene beobachtet hat. Sie ist wie fast alle Einzelhändler in der Innenstadt vom Weihnachtsgeschäft abhängig, das in diesen Tagen beginnt. Wenn die Passanten vom Marktplatz aus von weitem ein Ensemble aus Baumaschinen im hinteren Drittel der Osterstraße sehen, halten sie die Drogerie für nicht erreichbar.
Durch die Bauarbeiten habe sie einen Umsatzrückgang von im Schnitt 30 bis 40 Prozent gehabt, schätzt Almuth Maaß. Der größte Einschnitt: Die Touristen fehlten ihr. Entweder hätten die den Weg zu ihr nicht mehr gefunden oder Aurich generell den Rücken gekehrt. Es habe sich mittlerweile herumgesprochen, dass es in der Innenstadt durch die vielen Baustellen Verkehrsbehinderungen gebe.
Einen Lichtblick gibt es allerdings in den Augen der Geschäftsfrau: Die Stadt habe reagiert und die schwierige Situation für die Gewerbetreibenden erkannt. Für Sonnabend, 26. November, habe die Verwaltung ein buntes Kinder- und Familienprogramm vorbereitet. In der Osterstraße trete das Puppentheater „Puppets in Minutes“ jeweils um 11, 13 und 15 Uhr auf. Das Team vom Zwischenraum arrangiere einen Fotowettbewerb. Außerdem habe der Zirkus Buratino für die Zeit von 11 bis 16 Uhr verschiedene Aktionen einstudiert. Auf die Frage der Redaktion, was für die Verzögerung der Pflasterarbeiten verantwortlich sei, hat die Stadt nicht geantwortet.