Berlin Corona beenden? Wo Friedrich Merz richtig liegt - und wo nicht
CDU-Chef Friedrich Merz will die Corona-Pandemie im Frühjahr für beendet erklären. Warum das nicht Aufgabe der Politik ist.
Die Corona-Pandemie spielt im Alltag der meisten Menschen keine Rolle mehr. Schleichend hat das Virus für viele seinen Schrecken verloren. Aber nicht für alle. Es zeigt sich im Alltag, dass der Blick auf das einst so bedrohliche Virus wesentlich von der persönlichen Erfahrung abhängt. Wer den betagten Vater zwei Wochen auf der Intensivstation begleitet hat und um sein Leben fürchtete, bleibt vorsichtig. Wer selbst und im Umfeld keine dramatischen Krankheitsverläufe erlebt hat, nimmt es locker.
Einen feierlichen „Freedom Day“ wird es nicht mehr geben – er wäre mit Blick auf die unterschiedlichen Erfahrungen völlig unpassend. Die Pandemie für beendet zu erklären, wie es nun CDU-Chef Friedrich Merz fürs Frühjahr vorschlägt, allerdings auch. Pandemien werden von der Weltgesundheitsorganisation ausgerufen – und ebenso für beendet erklärt. Wann es an der Zeit dafür ist, sollten die Mediziner entscheiden.
Es wäre wünschenswert, dass die Bundesländer bis dahin wieder zum Gleichschritt zurückfinden. Derzeit entsteht ein Flickenteppich - in einem Bundesland gilt weiterhin die Isolationspflicht, im anderen nicht. Das führt zu Akzeptanzprobleme in Ländern, wo noch strengere Regeln gelten – und umgekehrt. Im Umgang mit Corona macht inzwischen jedes Land, was es will. Als Bürger hat man sich längst abgewendet – und entscheidet schon jetzt fast überall selbst, ob und wie man sich schützen möchte. Die Politik sollte dieser Entwicklung nicht länger hinterherhinken. Normalität statt Alarmismus. In diesem Punkt liegt Merz richtig.