Verwahrloste Tiere Rüde lebte tagelang neben seinem toten Herrchen
In der Gemeinde Südbrookmerland ist ein Hund mit total verfilztem Fell aus einer Wohnung befreit worden. Jetzt lebt er im Tierheim. Für Notfälle kann jeder Hundehalter vorsorgen.
Aurich - Der gekachelte Raum im Auricher Tierheim ist angenehm temperiert, 20 Grad vielleicht oder 22, doch Zottel zittert am ganzen Leib. Kein Wunder. Der Rüde ist am Montag vom Tierarzt geschoren worden. Nur nackte, graue Haut und vereinzelt ein paar Rötungen sind zu sehen. Als Zottel am Dienstag aus seiner Quarantänestation geholt wird, steuert er sofort auf Tierheimleiterin Andrea Kerzel zu, springt an ihr hoch und will auf den Schoß. Das Tier sucht Nähe. Es hat in den vergangenen Tagen oder Wochen vermutlich einiges durchgemacht.
Was und warum
Darum geht es: Tiere, die von ihren Besitzern vernachlässig wurden
Vor allem interessant für: Besitzer von Haustieren, die für die Zukunft vorsorgen wollen
Deshalb berichten wir: Der Fall von Zottel ist im sozialen Netzwerk Facebook auf großes Interesse gestoßen. Wir wollten wissen, was dahintersteckt. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Am Montag ist Zottel aus einer Wohnung in der Gemeinde Südbrookmerland befreit worden. Die Feuerwehr hatte nach einem Hinweis von Nachbarn die Tür gewaltsam geöffnet und war zusammen mit der Polizei eingedrungen. Die Einsatzkräfte trafen Zottel neben seinem verstorbenen Herrchen an. Der Rüde wurde von einem Mitarbeiter des Baubetriebshofs der Gemeinde ins Auricher Tierheim gebracht. „Bei uns ist er um 13.33 Uhr angekommen“, berichtet Andrea Kerzel. Weil er in einem erbarmungswürdigen Zustand gewesen sei, habe man gleich den Tierarzt in Egels aufgesucht. Das Fell war total verfilzt. Es hatten sich auch am Kopf brettharte Plaken gebildet, die es für Zottel schwermachten, überhaupt etwas sehen zu können. „Als wir beim Tierarzt waren, musste eine Mitarbeiterin die Augen quasi erst mal freischneiden“, sagt Andrea Kerzel. Mit dem Fell sei der Hund von vielen Flöhen befreit worden, die sich dort eingenistet hatten. Die Krallen seien so lang gewesen, dass sie über den Boden schabten. Außerdem sei Zottel nicht stubenrein.
Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen
Die Leiterin des Tierheims ist überzeugt davon, dass dieser Grad an Verwahrlosung bei einem Hund nicht innerhalb von ein paar Wochen entstanden ist. Der Halter habe sich vermutlich schon länger nicht mehr richtig um das Tier gekümmert. Es sei sonst weder verletzt noch unterernährt gewesen. Impfungen fehlten jedoch. Das müsse jetzt nachgeholt werden. Die Polizei habe die Ermittlungen aufgenommen und kläre, wer jetzt eigentlich rein rechtlich für Zottel zuständig ist. „Deshalb geht er bei uns erst mal nicht in die Vermittlung. Derzeit ist er ohnehin 14 Tage lang in Quarantäne“, sagt Andrea Kerzel. Jeder Hund, der neu aufgenommen werde, kommt zunächst in die Isolation. Das sei obligatorisch. Man müsse sicherstellen, dass er nicht krank sei. Umgekehrt wolle man auch den neuen Hund davor schützen, dass er sich möglicherweise bei den anderen Vierbeinern im Tierheim ansteckt.
Wie lässt sich verhindern, dass ein Haustier in eine solche Situation wie Zottel kommt? Dass Hunde oder Katzen in einer Wohnung unversorgt eingeschlossen sind, weil dem Besitzer etwas zugestoßen ist und er sich nicht kümmern kann? Andrea Kerzel rät dazu, einen sogenannten Notfallzettel in die Geldbörse oder in das Mäppchen mit Personalausweis und Führerschein zu stecken. Auf diesem Zettel sollte stehen, wen die Behörden oder die Polizei verständigen sollten, wenn einem etwas zustößt. Auf dem Zettel könnte man dann auch notieren, dass in der Wohnung Tiere sind, die versorgt werden müssten. „Am besten ist es, wenn man auch eine Person angibt, die mit den Hunden und Katzen vertraut ist. Die diese vielleicht übergangsweise aufnehmen würde“, rät Andrea Kerzel.