Washington  Wie wahrscheinlich ist eine erneute Kandidatur von Donald Trump?

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 17.11.2022 12:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Donald Trump möchte erneut Präsident der USA werden. Foto: dpa/AP/Rebecca Blackwell
Donald Trump möchte erneut Präsident der USA werden. Foto: dpa/AP/Rebecca Blackwell
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Nun ist es offiziell: Donald Trump möchte noch einmal Präsident der USA werden. Doch ist das tatsächlich realistisch? Auf dem Weg zur erneuten Macht dürften sich dem Republikaner diverse Hindernisse in den Weg stellen – und dazu gehört nicht nur sein Konkurrent Ron DeSantis.

Er werde eine „große Mitteilung“ verkünden, erklärte Donald Trump vor wenigen Tagen. Und am Dienstagabend trat das ein, was viele Beobachter erwartet oder auch befürchtet hatten: Trump möchte noch einmal zur US-Präsidentschaftswahl 2024 antreten.

Dabei sparte der Republikaner wie gewohnt nicht mit Superlativen. „Ich werde kämpfen, wie noch niemand je gekämpft hat“, sagte Trump auf seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida. Dazu nutzte er den bewährten Slogan „Make America Great Again“ aus seinem ersten Präsidentschaftswahlkampf 2016.

„Das Washingtoner Establishment will uns zum Schweigen bringen, aber das werde ich nicht zulassen. Ich bin eure Stimme“, rief Trump am Dienstagabend seinen Anhängern zu. Aussagen, die man von dem Unternehmer bereits gewohnt ist. Kann es Trump mit diesen altbewährten Mitteln wirklich bis zur Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2024 schaffen?

Auch wenn die Republikaner bei den Midterms letztlich doch noch die Mehrheit im US-Repräsentantenhaus erreichen konnten, gerieten die Zwischenwahlen für die Partei eher zum Debakel. Viele Mitglieder machen dafür auch Trump verantwortlich, dessen Kandidaten offenbar eher abschreckend auf potentielle Wähler gewirkt haben.

Sehen Sie in der Statista-Grafik die Beliebtheit von Donald Trump in der eigenen Partei:

Aus den Midterms resultierte auch Trumps Hauptproblem für eine mögliche Kandidatur 2024: Ron DeSantis. Der Republikaner ist spätestens nach seinem Sieg in Florida der neue Star der Republikaner. Viele Parteikollegen sollen dem Gouverneur nahe gelegt haben, sich zur Wahl in zwei Jahren aufstellen zu lassen, berichtet der „Business Insider“.

Als Trump am Dienstagabend in Mar-a-Lago vor die Öffentlichkeit trat, fiel Beobachtern gleich ein Detail auf: viele enge Familienmitglieder fehlten. Weder Tochter Ivanka – während Trumps erster Präsidentschaft noch eine enge Beraterin – noch deren Ehemann Jared Kushner wollten offenbar gemeinsam mit dem Geschäftsmann auf die Bühne treten.

Die „New York Post“ berichtet, dass Trump seine älteste Tochter und seinen Schwiegersohn angefleht haben soll, sich mit ihm zu zeigen. Doch die engsten Familienangehörigen hätten „null Interesse“ an Trumps Wahlkampf. Daran änderte wohl auch die Hochzeit der jüngsten Tochter Tiffany am vergangenen Wochenende nichts, bei der der Vater laut Bericht Ivanka und Jared nochmals erklärt haben soll, was ihm ihre Unterstützung bedeuten würde.

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Doch daraus wurde scheinbar nichts. Ein Insider berichtete der „New York Post“: „Beide wollen nicht nach Washington zurück und sich und ihre Kinder kein weiteres Mal einem bitteren Wahlkampf aussetzen.”

Bei der ganzen Berichterstattung um seine erneute Kandidatur könnte man glatt vergessen: Trump drohen aus diversen Gründen juristische Konsequenzen. Unter anderem betrifft dies die Mitnahme geheimer Regierungsdokumente, Trumps Anteil beim Sturm auf das Kapitol 2021 sowie undurchsichtige Geschäftspraktiken.

Der „Business Insider“ spekuliert, dass dieses drohende Unheil mit der Grund dafür sein könnte, warum Trump seine Wahlkampagne so ungewöhnlich früh gestartet hat. Damit verbunden sei offenbar die Hoffnung, dass ihn dies vor einer Strafverfolgung schütze oder er jedes juristische Vorgehen als politisch motiviert erklären könnte. Wirkliche Immunität habe Trump aber erst wieder, wenn er tatsächlich erneut Präsident der USA wird.

Trump und Fox News, das gehörte für lange Zeit einfach zusammen. Doch offenbar scheinen sich nicht nur Familien- und Parteimitglieder von dem Geschäftsmann zu distanzieren. Auch der konservative Fernsehsender erklärte DeSantis jüngst zur neuen Hoffnung der Republikaner. „Ron DeSantis ist der neue Anführer“, erklärte etwa die Kolumnistin Liz Peer.

Der ehemalige US-Präsident wird allerdings nicht nur ignoriert, er wird auch verspottet. Die „New York Post“, die wie Fox News zum Imperium des Medien-Guru Rupert Murdoch gehört, schrieb einen Tag nach Trumps Ankündigung lediglich ganz unten auf der Titelseite „Mann aus Florida macht Ankündigung“ und verwies auf Seite 26.

Auf ebendieser Seite hieß es dann: „Nur 720 Tage vor der nächsten Wahl hat ein Rentner aus Florida am Dienstagabend überraschend angekündigt, dass er sich auf das Präsidentenamt bewirbt.“ Trump habe die Ankündigung, „die kein Politikexperte hatte kommen sehen“, in Mar-a-Lago gemacht, „seiner Bibliothek für Geheimdokumente.“

Trotzdem sollte man Trump noch nicht abschreiben. Schon vor der Präsidentenwahl 2016 galt der Unternehmer als chancenlos gegenüber der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton. Später wurden die USA und die Welt eines besseren belehrt. Bis zu den Präsidentschaftswahlen sind es noch zwei Jahre, bis dahin kann sich für Trump viel ändern – sowohl positiv als auch negativ.

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