Osnabrück  Sie wollen 2000 Euro Rente? So viel Geld müssen Sie dann verdienen

Corinna Clara Röttker
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Von Corinna Clara Röttker
| 17.11.2022 06:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch im kommenden Jahr sollen die Renten steigen, wenn auch nicht ganz so stark wie in diesem Jahr. Foto: www.imago-images.de
Auch im kommenden Jahr sollen die Renten steigen, wenn auch nicht ganz so stark wie in diesem Jahr. Foto: www.imago-images.de
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Auch wenn im kommenden Jahr erneut die Renten steigen, so gilt nach wie vor: Wer im Alter 2000 Euro Rente beziehen will, muss im Arbeitsleben ein entsprechend hohes Gehalt verdienen. Wie viel genau und was zudem entscheidend ist - ein Überblick.

Die gut 21 Millionen Rentner in Deutschland dürfen sich über eine Erhöhung ihrer Altersbezüge freuen: Nach einer offiziellen Schätzung soll die gesetzliche Rente nächsten Sommer in Westdeutschland um rund 3,5 Prozent und in Ostdeutschland um gut 4,2 Prozent steigen. Das geht aus dem Entwurf des Rentenversicherungsberichts 2022 hervor.

Der Grund: Die Renten sind an die Löhne gekoppelt. Da die Rentenexperten mit einem Lohnzuwachs von 4,5 Prozent für dieses Jahr sowie weiteren Zuwächsen von 5 Prozent für kommendes Jahr und 4,7 Prozent für 2024 rechnen, steigt auch die Rente.

Konkret bedeutet die mögliche Erhöhung im Jahr 2023 bei einer Rente von 1000 Euro ein Plus von rund 35 Euro im Westen und 42 Euro im Osten. Bei 2000 Euro Rente beträgt das Mehr im Westen sogar 70 Euro beziehungsweise 84 Euro im Osten. Bloß: Für wen ist so eine hohe Rente überhaupt möglich?

Zum Vergleich: Der Deutschen Rentenversicherung Bund zufolge lag Ende 2021 die durchschnittliche Bruttorente bei langjährigen Versicherten, also Rentnern, die mindestens 35 Beitragsjahre aufweisen können, bei 1467 Euro.

Mit anderen Worten: Um 2000 Euro Rente beziehen zu können, muss der Verdienst davor entsprechend hoch gewesen sein. Denn die Höhe einer Rente ist von der Dauer und der Höhe der zugrundeliegenden Beitragszahlungen abhängig. Heißt: Wer länger als andere Beiträge einzahlt oder höhere Beiträge, der wird später in der Regel auch eine höhere Rente erhalten.

Die monatliche Rentenhöhe berechnet sich dabei aus der sogenannten Rentenformel:

Monatliche Bruttorente = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor

Der aktuelle Rentenwert beträgt zurzeit im Westen 36,02 Euro, im Osten 35,52 Euro. Der Zugangsfaktor und der Rentenartfaktor haben beide den Wert 1, wenn Versicherte nicht vorzeitig in Rente gehen und es sich bei der Rente um die normale Altersrente handelt.

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Für die individuelle Rentenhöhe sind entsprechend vor allem die Entgeltpunkte entscheidend. Diese werden jedes Jahr anhand des Einkommens ermittelt: Ist der Verdienst in einem Jahr identisch mit dem Durchschnittsverdienst aller Bürger, entspricht dies zum Beispiel 1 Entgeltpunkt. Aktuell liegt das jährliche Durchschnittseinkommen bei rund 39.000 Euro. Das heißt, wer aktuell 39.000 Euro im Jahr verdient, erwirbt nach einem Jahr Beitragszahlung einen Entgeltpunkt.

Dieser entspricht wiederum derzeit einem monatlichen Rentenanspruch von rund 36 Euro. Bei einem höheren oder niedrigeren beitragspflichtigen Einkommen wird nach einem Jahr Beitragszahlung ein entsprechend höherer oder niedrigerer Rentenanspruch erworben.

Aus dieser Gleichung ergibt sich: Wer im Alter 2.000 Euro Rente beziehen möchte, der braucht etwa 60 Entgeltpunkte. Dirk von der Heide von der Deutschen Rentenversicherung Bund rechnet für unserer Redaktion vor, dass der Verdienst bei rund 4.000 Euro brutto monatlich beziehungsweise 48.000 Euro im Jahr liegen muss – und das über 45 Jahre lang. Erst bei diesem Verdienst sei eine monatliche Rentenzahlung von 2.000 Euro möglich. Werden hingegen nur 35 Versicherungsjahre zurückgelegt, wäre ein entsprechend höherer Brutto-Verdienst von rund 5.140 Euro im Monat beziehungsweise rund 61.700 Euro im Jahr erforderlich.

Bloß: Für die meisten ist ein solch hoher Verdienst gar nicht erreichbar, da sie Zeit ihres Erwerbslebens rund 30 Prozent mehr verdienen müssten als der Durchschnittsbürger.

Davon abgesehen erreichen bei Weitem nicht alle Versicherten die 45 Beitragsjahre. „Kleinstrenten beruhen zu einem erheblichen Anteil darauf, dass Versicherte nur kurze Zeit in die Rentenversicherung eingezahlt haben“, so von der Heide. „Dies betrifft etwa Hausfrauen, die nur kurze Zeit versichert waren, selbständig Erwerbstätige, die nach einer Pflichtversicherung keine Beiträge mehr zur Rentenversicherung entrichtet haben oder Menschen mit längeren Zeiten eines Auslandsaufenthalts ohne Beitragszahlung.“ Teilweise resultierten niedrige Renten auch auf einem frühen Wechsel von der gesetzlichen Rentenversicherung in andere Alterssicherungssysteme, wie beispielsweise die Beamtenversorgung oder ein berufsständisches Versorgungswerk.

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Dies belegt auch die Statistik, wonach nur ein Bruchteil der Rentner in Deutschland jeden Monat 2000 Euro oder mehr überwiesen bekommen: So wurden Ende 2021 durch die Rentenversicherung insgesamt nur rund 890.000 Renten mit einem Zahlbetrag in Höhe von mindestens 2.000 Euro geleistet.

Das zeigt: Wer mehr Rente will, muss sich entsprechend um Alternativen kümmern - zumal auf die Brutto-Rente ohnehin noch Steuern und Abgaben fällig werden, was die Rentenzahlung zusätzlich schrumpfen lässt.

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