Nach verbaler Entgleisung  Lohne-Trainer Rießelmann tritt von seinen Ämtern zurück

| | 15.11.2022 16:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zum Haareraufen: Henning Rießelmann wird nicht nur die kommenden fünf Spiele aufgrund einer Sperre nicht auf der Lohner Trainerbank Platz nehmen, sondern auch darüber hinaus nicht. Archivfoto: Doden, Emden
Zum Haareraufen: Henning Rießelmann wird nicht nur die kommenden fünf Spiele aufgrund einer Sperre nicht auf der Lohner Trainerbank Platz nehmen, sondern auch darüber hinaus nicht. Archivfoto: Doden, Emden
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Der Rassismus-Vorfall in einem Fußball-Regionalliga-Spiel in Bremen hat bundesweit für Aufsehen gesorgt. Nun zieht der Lohne-Coach Konsequenzen – und auch der Verein meldet sich zu Wort.

Lohne - Die Unruhe beim Fußball-Regionalligisten BW Lohne ebbt nicht ab. Am Dienstagmittag hat der mittlerweile bundesweit in die Kritik geratene Trainer Henning Rießelmann nun seinen Rücktritt von allen Ämtern verkündet. Er ist nicht nur Trainer, sondern auch Sportlicher Leiter gewesen. Eine verbale Entgleisung des 40-Jährigen vor anderthalb Wochen in der Halbzeitpause der Partie beim Bremer SV (1:0-Sieg) hatte einen großen Wirbel ausgelöst. Das Sportgericht des Norddeutschen Fußball-Verbands wertete die Äußerungen Rießelmanns in Richtung der Gastgeber als „menschenverachtend“ und „in hohem Maße herabwürdigend“ – und sprach Ende der vergangenen Woche eine saftige Strafe aus.

Henning Rießelmann bekam eine Sperre von fünf Spielen und eine Geldstrafe in Höhe von 400 Euro aufgebrummt. Strafmildernd hatte die einsichtige Reaktion und eine persönliche Entschuldigung in Bremen ausgewirkt.

Rießelmann-Stellungnahme auf Facebook

Abgehakt war der Vorfall mit dem Urteil aber noch lange nicht. Es zog noch mehre öffentliche Aufmerksamkeit auf Rießelmann. Nun zog er mit seinem sofortigem Rücktritt Konsequenzen aus dem Trubel um seine Person. „Die letzten Tage haben mich insgesamt sehr nachdenklich gestimmt“, heißt es in der Rücktritts-Stellungnahme von Rießelmann auf der Facebook-Seite der Fußballabteilung von Blau-Weiß Lohne. In der vierten Saison ist für den 40-Jährigen, der den aufstrebenden Klub aus dem Landkreis Vechta von der Landesliga in die Regionalliga geführt hatte, also abrupt Schluss.

Vor drei Wochen hatte Rießelmann mit seinem Team bei Mitaufsteiger Kickers Emden noch einen furiosen 6:1-Sieg gefeiert. Auch wenn Rießelmann in seiner Stellungnahme nicht auf den Vorfall, der sich acht Tage nach dem Gastspiel in Emden in Bremen ereignete, einging, dürfte dieser der Auslöser für seinen Trainer-Rücktritt gewesen sein.

BW-Coach fehlt die Motivation

In dem besagten Spiel hatte Unstimmigkeiten zwischen den Lohner Verantwortlichen und Spielern mit denen des Bremer SV gegeben. Kurz nach dem Halbzeitpfiff tätigte Rießelmann eine rassistische Äußerung in Richtung der Bremer, bei denen etliche Akteure mit Migrationshintergrund spielen. Von Schiedsricher Niklas Olle sah der BW-Coach dafür die Rote Karte – die Hintergründe dafür vermerkte der Unparteiische später in einem Sonderbericht.

„Ich habe dieses Amt immer mit sehr viel Freude und Spaß ausgeübt“, schrieb Rießelmann in seiner Stellungnahme. „Ich möchte aber auch ehrlich zu mir selbst sein und mir treu bleiben.“ Weiter heißt es: „Leider bin ich an einem Punkt angekommen, an dem mir die Freude und einfach auch die Motivation fehlt, diesen Riesenaufwand mit voller Überzeugung weiter zu betreiben.“

Gegenseitige Danksagungen

Zudem dankte Rießelmann „dem Verein für das großartige Vertrauen“ und vor allem der BW-Mannschaft. „Wir haben zusammen knapp vier überragende Jahre mit unvergesslichen Momenten erlebt. Ich wünsche den Jungs, zu denen ich eine besondere Beziehung habe, dass sie den Klassenerhalt schaffen und weiterhin so bedingungslos zusammenhalten.“

Die Mannschaft selbst wollte am Dienstag kein Statement zu den Ereignissen abgeben, wie Pressesprecher Hardy Kloßek auf Nachfrage sagte. Vereinspräsident Christian Tölke gab am Dienstagnachmittag dagegen eine schriftliche Stellungnahme ab. „Die Entwicklung der letzten Tage führte zu einer öffentlichen Debatte, der auch wir uns als Verein stellen mussten“, schrieb Tölke. „Oberstes Ziel war es dabei immer, Schaden vom Verein abzuhalten, den eigenen Werten treu zu bleiben.“ 30 Prozent der mehr als 800 Vereinsmitglieder hätten Migrationshintergrund. Nach „internen Beratungen“ hätten die Vereinsverantwortlichen entschieden, das Rücktritt-Angebot von Rießelmann anzunehmen. Jenem dankte Tölke eine „hervorragende Arbeit“ in den vergangenen Jahren. Nun muss ein neuer Trainer und Sportlicher Leiter gefunden werden.

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