Berlin  Ex-Bild-Chef im Kreuzverhör: „Nehmen Sie Drogen, Herr Reichelt?“

Maximilian Matthies
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Von Maximilian Matthies
| 15.11.2022 13:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ex-Bild-Chef Julian Reichelt in der RBB-Show „Chez Krömer“ im Verhörraum. Foto: rbb/Carolin Ubl
Ex-Bild-Chef Julian Reichelt in der RBB-Show „Chez Krömer“ im Verhörraum. Foto: rbb/Carolin Ubl
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Unangenehme Fragen für Ex-Bild-Chef Julian Reichelt: In der RBB-Show „Chez Krömer“ konfrontiert Moderator Kurt Krömer seinen Gast im TV-Verhörraum mit etlichen Vorwürfen von Machtmissbrauch bis Drogenkonsum. Wie der Boulevard-Mann darauf reagiert.

Gerüchte über Kokain-Konsum und Affären mit Untergebenen: Julian Reichelt bekommt im Verhörraum von Komiker Kurt Krömer in der RBB-Show „Chez Krömer“ unangenehme Fragen zu seiner Zeit als „Bild“-Chefredakteur gestellt. Der Boulevard-Mann ist im Abwehrmodus und serviert eine Reihe von Dementis.

Von einer eigentlich harmlos anmutenden Tier-Kolumne Reichelts über seinen Hund schwenkt der Moderator mit „Streicheln war dann ja auch später ihr Ding“ über zu einer angeblichen Affäre mit einer Auszubildenden, die der ehemalige Redaktionsboss später befördert habe. „Pures Talent nehme ich mal an“, mutmaßt Krömer. Reichelt geht auf den Vorwurf nicht mehr ein, sondern hebt auf eine „abscheuliche und abstoßende Berichterstattung“ ab, sieht sich als „Teil einer Kampagne, die sich meines Privatlebens bemächtigte“. Er werde dazu nichts mehr sagen, so der 42-Jährige.

Der Journalist war nach Vorwürfen des Machtmissbrauchs in Verbindung mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen im vergangenen Jahr als Chefredakteur der „Bild“-Zeitung entlassen worden.

Springer hatte im Frühjahr 2021 ein internes Verfahren gegen Reichelt zur Überprüfung der Vorwürfe angestoßen und war dabei zum Schluss gekommen, ihm eine zweite Chance zu geben. Ein Medienbericht der „New York Times“ griff den Fall im Oktober erneut auf, parallel dazu hatte es Presserecherchen eines Investigativ-Teams der Mediengruppe Ippen gegeben. Springer zog dann mit Verweis auf neuere Presserecherchen einen Schlussstrich und entband Reichelt von seinen Aufgaben.

Vor seinem Weggang bei „Bild“ im vergangenen Herbst hatte Reichelt beim Medienkonzern Axel Springer den im Sommer gestarteten TV-Sender Bild der gleichnamigen Boulevardmarke mit aufgebaut. Er ist seit Mitte Oktober nicht mehr für Springer tätig und betreibt mittlerweile einen eigenen Youtube-Kanal.

Auch interessant: Als Reaktion kennt er nur Attacke: Julian Reichelt im Porträt

Auch auf Gerüchte über Drogen spricht Kurt Krömer seinen Gast direkt an. Eine anonymisierte Betroffene, laut Krömer eine ehemalige Mitarbeiterin der „Bild“-Zeitung, berichtet in der Sendung von angeblichem Kokain-Konsum. „Ich erinnere mich an einen Abend, an dem er fünf bis sieben Lines gezogen hat“, sagt die Frau in einem Einspieler. Reichelt wehrt ab: „Anonymisierter Schmutz“.

Fragen, ob er Drogen nehme oder kokse, verneint der Ex-Bild-Chef. Dies hatte Reichelt bereits an Eides statt gegenüber dem Springer-Konzern versichert. Der Journalist bringt sich in die Opfer-Rolle: „Dieses Compliance-Verfahren war ein unfassbarer Einbruch in meine Privat- und Intimsphäre“, kritisiert Reichelt.

Das „Bild“-Aus von Reichelt kommt ebenfalls zur Sprache. Er wisse „bis heute nicht“, warum ihn Springer-Chef Mathias Döpfner letztlich fallen ließ, erklärt Reichelt. Von seinem langjährigen Vorgesetzten sei er allerdings „schon enttäuscht“. Vor dem Bekanntwerden der Vorwürfe war das Verhältnis von Reichelt und Döpfner noch deutlich harmonischer: man sei sich in sehr vielen Punkten einig gewesen und habe dafür auch eingestanden, so Reichelt.

Sehen Sie im Video: Das komplette Interview mit Julian Reichelt bei „Chez Krömer“

Mit Material von dpa

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