Doha  Gekaufte Fans bei der WM in Katar? Das sagen die Organisatoren

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 15.11.2022 11:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch unter Fußballfans stößt die WM in Katar auf Ablehnung. Foto: imago images/Beautiful Sports
Auch unter Fußballfans stößt die WM in Katar auf Ablehnung. Foto: imago images/Beautiful Sports
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In den sozialen Netzwerken kursieren derzeit Videos von Fanaufmärschen zur WM in Katar. Doch viele Beobachter behaupten, die Fußballanhänger seien gekauft. Jetzt haben sich die Organisatoren der Fan-Paraden zu Wort gemeldet.

Stellen Sie sich vor, es ist WM und niemand schaut beziehungsweise geht hin. Diese Sorge scheint auch die Austräger des diesjährigen Turniers in Katar zu beschäftigen. Um leere Zuschauerränge und schlechte Stimmung zu verhindern, schrecken die Organisatoren offenbar auch nicht davor zurück, Fußballfans zu kaufen.

So berichtet die ARD-Sportschau jüngst über das Projekt „Fan Leader Network“, bei dem Fans auf Kosten des Gastgeberlandes bis zum Ende der WM in Katar bleiben. Zusätzlich erhalten sie ein Taschengeld von umgerechnet circa 70 Euro. Flüge, Unterkunft und die Teilnahme an diversen Aktivitäten seien inklusive. Als Gegenleistung müssen die Fans unter anderem Posts zur WM in den sozialen Netzwerken liken und teilen.

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Insgesamt sollen sich rund 450 Fans aus 59 Ländern an dem Projekt beteiligen. Auf Anfrage der Sportschau erklärte der DFB, dass auch deutsche Fußballfans mit dabei seien. Man unterstütze das „Fan Leader Network“ jedoch nicht.

Darüber hinaus kursieren derzeit in den sozialen Netzwerken zahlreiche Videos von falschen Fanaufmärschen in Katar. Zu sehen sind Menschen, die englische, argentinische, brasilianische oder aber auch deutsche Trikots und andere Fanartikel tragen. Medien spekulieren darüber, dass es sich um asiatische Gastarbeiter statt um Fußballfans handeln könnte.

Im Internet stoßen die Videos auf Kritik und Spott. Der Sportjournalist des „Spiegel“, Lukas Rilke, schreibt bei Twitter: „Fantastisch, in dem Meeting, wo diese ‚Fanmärsche‘ erdacht und geplant wurden, wäre ich gerne dabei gewesen. ‚Das merkt niemand, wir lassen es richtig echt aussehen!‘“

Seit der Vergabe im Jahr 2010 steht die WM in Katar in der Kritik. Die Hauptgründe sind dabei die Ausbeutung von Gastarbeitern, die Unterdrückung von Homosexuellen und Frauen sowie die mittlerweile festgestellte Korruption bei der Vergabe des Turniers.

Mittlerweile haben sich auch die Organisatoren der Fan-Paraden zu Wort gemeldet. In den sozialen Medien sei die Frage gestellt worden, ob es sich um „echte“ Fans gehandelt habe, erklärte das OK am Mittwoch: „Wir weisen diese Behauptungen, die sowohl enttäuschend als auch nicht überraschend sind, entschieden zurück.“

Einer der Mitorganisatoren, Nihad Ali, sagte der Deutschen Presse-Agentur, kein Teilnehmer sei bezahlt worden. Das OK habe nicht einmal von der Veranstaltung gewusst. Organisiert worden sei die Feier über die sozialen Medien. „Es war nicht als Parade geplant“, sagte Ali. „Wir haben uns alle an einem Ort versammelt. Die Parade hat sich dann so ergeben.“

Auch der deutsche Fan Denis Dusso, der die Parade ebenfalls mitorganisiert hat, wehrt sich gegen die Vorwürfe. Die meisten Teilnehmer stammten aus dem südindischen Bundesstaat Kerala, erklärte er. „Die haben hier sehr viel gearbeitet. Jetzt wollen sie Teil der Party sein und mitfeiern“, sagte Dusso, der seit einigen Jahren in dem Emirat als Ingenieur arbeitet. „Die freuen sich, ein Deutschland-Trikot zu tragen.“ In den vergangenen Monaten habe es einige Fan-Paraden und auch ein Fan-Turnier gegeben.

In Katar arbeiten viele Inder, die auch die WM-Stadien mitgebaut haben. Mitorganisator Ali kommt ebenfalls aus Kerala und leitet zusammen mit anderen die Gruppe „Germany Fans Katar“. Fußball sei in dem indischen Bundesstaat sehr populär, sagte er. „Die meisten von uns schauen europäischen Fußball und sind mit einem europäischen Team verbunden.“ Er selbst sei „eingefleischter“ Anhänger des FC Chelsea aus London und des deutschen Teams. Warum Deutschland? „Das liegt an Michael Ballack, einer Chelsea-Legende.“

Die Gruppe „Germany Fans Qatar“ sei auf Initiative einiger Anhänger entstanden und niemals vom OK gesponsert worden, sagte Ali. Der Vorwurf, die Parade der deutschen Fans sei inszeniert worden, trifft ihn persönlich: „Solche Gerüchte sind eine Beleidigung für uns.“

Dusso ist nach eigenen Angaben auch eine „Schnittstelle“ zwischen Deutschlandfans in Katar und Anhängern aus Deutschland, die auf Einladung des Organisationskomitees nach Katar reisen, wie er der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Eine Gruppe von 39 Fans werde zwei Wochen lang in Katar bleiben, sagte Dusso. Die meisten von ihnen kämen aus der Stadt Nabburg in der Oberpfalz. Das OK bezahle Flug, die Unterkunft und das Ticket für das Eröffnungsspiel. Lebenshaltungskosten trügen die Teilnehmer selbst. Sie hätten sich auf einer Online-Plattform bewerben können.

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