Kirche und Klimaprotest  Geht’s noch klischeehafter?

Stefanie Witte
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Ein Kommentar von Stefanie Witte
| 14.11.2022 18:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich bei der EKD-Synode Anfang November in Magdeburg. Foto: IMAGO/Jens Schlueter
Die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich bei der EKD-Synode Anfang November in Magdeburg. Foto: IMAGO/Jens Schlueter
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CDU-Vertreter sorgen sich öffentlichkeitswirksam ums Image der EKD. Sympathiepunkte sammeln sie damit nicht.

Eine Gruppe CDU-Politiker bläst also zum Angriff auf EKD-Präses Anna-Nicole Heinrich. Das hat einen gewissen Unterhaltungswert, wirkt letztlich aber doch allzu klischeehaft: Alte CDUler gegen die bislang jüngste Vorsitzende einer EKD-Synode (Heinrich ist 26 Jahre alt). Konkret werfen die Kritiker Heinrich vor, mit der „Letzten Generation“ gewaltbereite Aktivisten zu unterstützen. Von Demokratiegefährdung ist die Rede. Fehlt nur noch der Begriff Klima-RAF. Geht’s auch etwas weniger dramatisch?

Man muss die Attacken auf Kunstwerke nicht gutheißen und kann Klebstoff-Straßenblockaden nervig bis kontraproduktiv finden. Aber: Die RAF hat Terroranschläge verübt und Menschen ermordet; die Klimaaktivisten praktizieren derzeit zivilen Ungehorsam, keinen Umsturzversuch.

Den wütenden CDUlern scheint es indes aber wohl weniger um eine intellektuelle Auseinandersetzung über zulässige Protestformen zu gehen. Im Schreiben der Unionspolitiker heißt es, man habe Sorge, dass die Äußerungen der Präses der Evangelischen Kirche und ihren Mitgliederzahlen unermesslichen Schaden zufüge. Die Angst vor dem Imageverlust scheint größer zu sein, als die vor vermeintlichen Angriffen auf die Demokratie oder gar ums Klima. Mit solchen Possen dürfte die CDU ihrem eigenen Image mehr schaden als die Präses dem ihrer Kirche.

Die Autorin erreichen Sie unter mantel@zgo.de

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