Serie „Blick ins alte Emden“ Mit Hape Kerkeling und zu Mario Adorf auf unbequemen Wegen
Unser Gastautor Matthias Höllings erinnert sich an Begegnungen mit Stars, die bei der TV-Show „Wetten, dass ..?“ in der Emder Nordseehalle zu Gast waren.
Emden - Diese und die nächsten Folgen der Serie „Blick ins alte Emden“ widmen sich weiterhin der Nordseehalle in Emden, die seit 50 Jahren besteht. Unser Gastautor Matthias Höllings, der in den Anfangsjahren als Ordner in der größten Veranstaltungshalle Ostfrieslands und später als Pressesprecher der ÖVB-Arena in Bremen arbeitete, erinnert sich noch gut an diese Zeit.
Dieses Mal berichtet er von Begegnungen während der Live-Übertragungen der ZDF-Show „Wetten, dass ..?“ aus der Halle in den 1990er-Jahren. Es gibt auch einen aktuellen Anlass: Am kommenden Sonnabend präsentiert Thomas Gottschalk Europas größte Fernsehshow live aus Friedrichshafen.
Wie Hape Kerkeling zu Karl Lagerfeld kam
15. Dezember 1990 – aus alter Verbundenheit statte ich aus Bremen kommend der Nordseehalle mal wieder einen Besuch ab. Thomas Gottschalk und sein Hofstaat gastieren und logieren in Emden. Überraschenderweise treffe ich vor Ort bei „Wetten, dass..?“ auch auf Hape Kerkeling und seine Fernseh-Crew von Radio Bremen. Wie passt das zusammen? Da ich Hape von einigen Auftritten im Fernsehstudio und von Tourneen persönlich kenne und ich ihn sogar einige Male bis in seine Garderobe begleiten durfte, will ich ihn fragen, seit wann denn ARD und ZDF zusammenarbeiten.
Doch als Hape mich sieht, kommt er mir zuvor: „Hallo, mein Lieber, was machst Du denn hier in Emden statt in Bremen?“, will er von mir wissen. Ich schildere ihm kurz meine Nostalgie-Tour nach Emden an meinen alten Arbeitsplatz Nordseehalle. Hape hört interessiert zu, kommt etwas dichter an mich heran und fragt mit leiser Stimme: „Ich will den Karl Lagerfeld mit meinem TV-Team überraschen, aber die Leute vom ZDF mauern und wollen mir nicht verraten, wo Karl seine Garderobe hat. Du kennst Dich doch hier gut aus, oder?“
Mit altem Ordnerschild in Richtung Toiletten
Ja, tue ich und ich weiß auch, welchen Raum Hape sucht. Weil ich immer noch mein altes Ordner-Schild der Halle besitze und es auch dabei habe, nimmt die Geschichte ihren Lauf. Hape samt Crew sehen mich etwas irritiert an, als ich als Marschrichtung die Herrentoilette angebe. Da müssen wir dran vorbei, durch eine Glastür und dann kommen dort Büroräume, die als Garderoben umfunktioniert wurden. Hape: „Ja, super, aber wie kommen wir da hin? Da steht ein Ordner neben der Klotür. Der lässt uns da nicht durch.“ Auf mein Ordner-Schild zeigend erwidere ich, dass ich jetzt ab sofort auch Ordner sei und sie mir mit etwas Abstand folgen sollen. Den echten Ordner vor der Glastür begrüße ich mit den Worten: „Moin, Kollege, ich bring‘ mal eben schnell das Fernsehteam zu Karl Lagerfeld.“ und trotte mit Hape und Gefolge an ihm vorbei, als er einen Schritt zur Seite tritt und nickt. Ihm war nicht aufgefallen, dass die TV-Crew nicht zum ZDF gehört.
Hape findet die richtige Bürotür, blickt in die laufende Kamera, klopft an die Tür und öffnet sie, ohne eine Antwort von drinnen abzuwarten. Der Rest ist mittlerweile Fernsehgeschichte, wie Karl Lagerfeld sich sein Gesicht pudernd vor seinem aufgeklappten Schminkkoffer sitzt und in die Kamera schaut. Gott sei Dank hat Hape mich nicht im Nachspann seines Beitrages erwähnt.
Begegnung mit einem angefressenen Mario Adorf
Gut zwei Jahre später wird es noch kurioser. Am 22. Februar 1992 bin ich für ein Foto-Buchprojekt mit Fotograf Jürgen Sieker für ein Porträtfoto von Mario Adorf akkreditiert. Als der am Nachmittag endlich in der Nordseehalle eintrifft, bricht plötzlich Hektik im Produktionsbüro des ZDF aus. In der Planung hatte man scheinbar vergessen, für Herrn Adorf eine Garderobe herzurichten. Der steht nun backstage mit seiner Reisetasche da und ist mehr als angefressen angesichts dieser Situation.
Später erfahren wir auch warum: Adorf kam direkt von Dreharbeiten aus Venezuela, wo er in der vierteiligen TV-Serie „Abenteurer vom Rio Verde“ mitgewirkt hatte. Untergebracht in einem schäbigen Wohnwagen bei heißen Temperaturen und ab mittags ausfallender Klimaanlage, wartete er manchmal den ganzen Tag auf seinen Einsatz als Schauspieler. Adorf machte sich dann nach Drehschluss direkt auf von Venezuela nach Emden. Also nicht direkt, sondern über Frankfurt und Bremen und die letzten 150 Kilometer mit einem Shuttle-Service.
Star mit Stullen auf dem Sofa des Hausmeisters
Er ist übermüdet, kaputt, gereizt, hat Hunger und freut sich auf seine private Garderobe. Während die Leute vom ZDF rotieren, verbringt Mario Adorf die Wartezeit auf dem Sofa im Wohnzimmer von Nordseehallen-Hausmeister Reinhard Reinders. Dessen Frau schmiert dem Gast erst einmal ein paar Brote. Danach bezieht Herr Adorf seine eigene Garderobe.
Nur wenige Minuten später klopfe ich dort wegen unseres Fototermins an seine Tür. Nach einem lauten: „Ja, was ist denn noch?“ trete ich ein und trage mein Anliegen vor. Adorf: „Was soll der Blödsinn? Lasst mich doch einfach alle mal in Ruhe – und jetzt raus aus meiner Garderobe – und Tür zu! Ich will nicht mehr gestört werden“.
Ich tue, wie mir befohlen – überlege es mir aber wieder anders und klopfe erneut, öffne die Tür und frage: „Gilt der Rausschmiss für den ganzen Abend oder darf ich mich noch einmal melden?“ Ich rechne mit irgendeinem Wurfgeschoss, erhalte aber zur Antwort: „Nee, schon ok, melde Dich nachher nochmal.“ Als ich das zwei Stunden später mit dem Fotografen tue, empfängt uns Mario Adorf gut gelaunt mit den Worten: „Oh, guten Abend. Da sind Sie ja. Kommen Sie doch rein. Was kann ich für Sie tun?“ Es folgen ein sehr nettes Gespräch und eine sehr schöne Porträtaufnahme.
Auf Stippvisite vor der Show im Emder Festspielhaus
Der Dieter, der Thomas, der Heck