Alles Kultur  Frauen – Leben – Freiheit

Annie Heger
|
Eine Kolumne von Annie Heger
| 14.11.2022 09:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Annie Heger
Annie Heger
Artikel teilen:

Diesmal geht es in der Kolumne von Annie Heger um inhaftierte Autoren. Es geht auch um die Macht, die wir kleinen Menschen über Machthabende haben können.

Am Ende der letzten Kolumne habe ich geschrieben, dass der „Tag der Zartbitterschokolade mit Mandeln“ sei. Als Hinweis auf die vielen Möglichkeiten, auch über Belangloses schreiben zu können. Es hat mich nun inspiriert zu schauen, was denn heute für ein Aktionstag ist: Weltdiabetestag. Darüber könnte ich Bücher füllen, damit fangen wir gar nicht erst an. Aber morgen ist: Tag der inhaftierten Autoren.

Seit 1980 erinnert die Schriftstellervereinigung P.E.N. an diesem Tag an verfolgte, inhaftierte und ermordete Schriftsteller und Journalisten. Kaum ertragbar ist für mich die Vorstellung, dass Menschen für genau das, was wir hier schreiben, woanders inhaftiert und gefoltert werden.

Amnesty International hat das iranische Evin-Gefängnis, in dem viele Schriftsteller, Journalisten, Künstler und politische Aktivisten als politische Häftlinge einsitzen, einmal als „Warteraum des Todes“ bezeichnet. Und es werden seit dem Beginn der Revolution immer mehr.

Ein Land, das seine Schreibenden inhaftiert, wenn sie nicht linientreu sind. Da schien Irans Absage der Frankfurter Buchmesse nur konsequent. Der Grund war die Annahme, die Messe könne sich in innere Angelegenheiten des Landes einmischen. Eine Buchmesse könne sich in eine Revolution in einem anderen Land einmischen? Eine Regierung hat Angst vor einer Messe für Bücher. Nicht vor einer Fachmesse für Verteidigungstechnik, vor einer Buchmesse.

Gedichte, Geschichten, Berichte, ein paar Buchstaben auf Papier können nicht die großen Räder drehen? Wenn Menschen für ihr Schreiben verhaftet werden, bedeutet das, dass wir kleinen Menschen mit unseren Worten wohl doch eine nicht zu unterschätzende Macht haben, die den Machthabenden Angst macht. Auf dass wir sie alle, auch an dieser Stelle, verantwortungsvoll nutzen!

Wir sind nur Zuschauende dieser revolutionären Ereignisse und doch können wir etwas tun. Wir können den Werken der Unterdrückten unsere Stimme verleihen und das beginnt mit den drei Worten: Frauen – Leben – Freiheit.

Kontakt: kolumne@zgo.de

Ähnliche Artikel